Dreierkette, die EM-Kolumne - Für die Sportpsychologin Babett Lobinger sind bereits die Weichenstellungen in der Vorbereitung entscheidend für den Turniererfolg

Dirigent Löw und sein Orchester

Von 
Babett Lobinger
Lesedauer: 

Köln. Frankreich also – gleich der schwerste Brocken zu Beginn. Danach geht es gegen Titelverteidiger Portugal. Was für Aufgaben für die deutsche Nationalmannschaft bei der EM! Wie man so etwas meistert? Am besten, man sieht das als Herausforderung. Leicht gesagt, aber gar nicht einfach getan.

AdUnit urban-intext1
Bundestrainer Joachim Löw gibt bei der EM Ton und Richtung vor. © dpa

Vieles bei so einem Turnier entscheidet sich in der Vorbereitung. Nicht unerheblich ist dabei die Wahl der Unterkunft. Das haben wir in Brasilien gesehen, als alle vom Campo Bahia schwärmten, aber leider auch in Russland, als Watutinki zum Sinnbild des Scheiterns erklärt wurde – Wohlfühloase versus Albtraum-Hotel. Auch deshalb hat der DFB gut daran getan, im beschaulichen Herzogenaurach wieder zu kleineren Wohneinheiten überzugehen.

Expertensicht auf die EM Während der Fußball-EM unterstüt zen ...

Expertensicht auf die EM Während der Fußball-EM unterstüt zen drei Kolumnistinnen diese Redaktion. Babett Lobinger (Sportpsychologin) Shary Reeves (Journalistin und ehemalige Bun desligaspielerin) sowie Imke Wüb

So kann man Rückzugsräume, aber auch Orte der Begegnung schaffen. Ich halte nicht viel von erzwungenen Treffen à la: „Um 19 Uhr ist ,Blaue Stunde’, dann müssen wir alle zusammenkommen und den Teamgeist beschwören“. Viel nachhaltiger für das Teamgefühl ist es, wenn die Unterkunft spontane Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten ermöglicht. Also nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Teambuilding finde ich wichtig. Nur eben anders. Ich bin mir sicher, dass es in Herzogenaurach einige kreative Maßnahmen geben wird und mein Kollege Hans-Dieter Hermann fest mit einbezogen ist. Seit Jahren begleitet er als Psychologe die Mannschaft. Ich finde das ein wichtiges Angebot für Spieler, Mannschaft und Trainerteam.

Es ist schließlich nicht immer ganz so einfach, nach einer langen Saison auf den „Reset“-Knopf zu drücken und diese neue Herausforderung anzugehen. Manch einer bringt schweres Gepäck mit: Enttäuschungen, Verletzungen, oder eine unklare vertragliche Zukunft.

AdUnit urban-intext2

Spaß als wichtiger Faktor

Andere wiederum haben Titel und Selbstbewusstsein dabei: Die Bayern kommen mit der Meisterschale, Antonio Rüdiger, Timo Werner und Kai Havertz mit dem Champions-League-Pokal – auch das kann man als Trainer nutzen.

Spaß ist übrigens ein wichtiger Faktor bei der Arbeit – auch bei Nationalspielern. Das fällt uns Deutschen ja oft nicht ganz so leicht. Viele denken, man zeigt, dass man hart arbeitet, indem man ernst ist und zuweilen jammert. Gezielte Vorbereitung auf ein hartes Spiel darf aber auch von Lachen und Vorfreude begleitet sein.

AdUnit urban-intext3

Ich hoffe auch, dass sich die Mannschaft den EM-Sieg der U21 gut angeschaut hat. Viele der Spieler haben selbst erfolgreich Endspiele bestritten. Sehen sie nun den Erfolg, den der Nachwuchs gerade erreicht hat, kann das eigene positive Erinnerungen wachrufen. Unsere Spiegelneurone erlauben ein aktives Miterleben der positiven Gefühle.

AdUnit urban-intext4

Wer spielt die erste Geige?

Stellen Sie sich die Mannschaft als Orchester vor – Joachim Löw ist der Dirigent, der nicht spielt, aber den Experten den Takt vorgibt und sie begleitet. Jedes Orchester hat Instrumente, die einfach hervorstechen, die ihren Kollegen Orientierung geben. So wie die sprichwörtliche „erste Geige“. Sie stehen im Fokus und werden in die Verantwortung genommen. So wird es Löw mit seinen Führungsspielern auch machen, um eine entsprechende Hierarchie herzustellen.

Dazu zählen Manuel Neuer und Toni Kroos, auch Mats Hummels und Thomas Müller. Die haben beides schon erlebt: Campo Bahia und Watutinki. Auch ein Vorteil: Sie wissen nicht nur, was man für eine erfolgreiche Vorbereitung unternehmen muss, sondern auch, was man lieber unterlässt.

Babett Lobinger

Babett Lobinger ist seit 1998 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln (Abteilung Leistungssport).

Seit 2006 ist sie Stammdozentin für Sportpsychologie im Fußball-Lehrer-Lehrgang des DFB, den zuletzt beispielsweise Hanno Balitsch absolviert hat.

Zu ihren Fachgebieten gehören unter anderem Leistungspsychologie und Talententwicklung.

Thema : Fussball-EM 2021

  • Nationalmannschaft Löws Abschiedstour vor Flicks Augen

    Hansi Flick hat gerade Urlaub. Aber auch da lässt den hochdekorierten Ex-Bayern-Coach und Bundestrainer in spe der Fußball nicht komplett los. Im Terminkalender hatte der 56-Jährige schon vor ein paar Wochen beim Datum 15. Juni den abendlichen Besuch des EM-Auftaktspiels der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich vorgemerkt. Das bestätigte Flick am Morgen des Spieltags nochmals der Deutschen Presse-Agentur: „Ja, ich schaue mir das Spiel an!“ Und das vermutlich aus verschiedenen Blickwinkeln, auch wenn sich Flick zu seinen Erwartungen und Emotionen nicht äußern mochte. Der Tag, das Turnier, die Nationalelf – das soll möglichst bis zum Finale am 11. Juli in London weiter alles exklusiv Joachim Löw gehören. Seinem Ex-Chef, dem er 2014 beim WM-Triumph in Brasilien erfolgreich assistiert hatte, drückt Flick auf dessen Abschiedstour die Daumen. Deutschland gegen Frankreich – der Aufmarsch vieler großer Spieler in der Münchner Arena veranschaulicht auch Flick noch mal den Übergang, den er mit seinem Wechsel vom FC Bayern zurück zum DFB antritt. Gleich zwölf Akteure in beiden EM-Kadern waren zuletzt noch seine Spieler in München; acht bei Deutschland (Neuer, Süle, Kimmich, Goretzka, Müller, Sané, Gnabry, Musiala), vier bei den Franzosen (Coman, Pavard, Hernández, Tolisso). Anderthalb Jahre lang dirigierte Flick sie zu sieben Titelgewinnen. Beim Wiedersehen zur EM tauschte er aber die Perspektive – vom Spielfeldrand hoch auf die Tribüne. „Ich habe mich gefreut“ Jogi unten, Hansi oben. Löw ist froh, dass Flick sein Erbe antritt. „Als es konkret wurde mit Hansi und klar war, dass er Bundestrainer werden möchte, habe ich mich gefreut“, sagte der 61-Jährige jüngst im dpa-Interview. Er freute sich für „Hansi“, seinen Freund, und für Flick, den Trainer, der „eine sehr gute Entwicklung gemacht“ habe. Löw sieht bei Flick einen doppelten Vorteil. „Hansi kennt den DFB in- und auswendig. Und er kennt nicht erst durch seine Tätigkeit bei Bayern München sehr viele Spieler und hat eine unglaubliche Nähe zu diesen Spielern.“ Löw schätzt an Flick dessen Gespür für Menschen. „Er ist empathisch, er findet einen Zugang zu den Spielern durch Kommunikation.“ Die menschliche Komponente zeichnet auch Löw aus. „Und Hansi verfolgt eine klare Spielidee, die geprägt ist von fußballerischer Kultur und von Offensivgeist. Das freut mich ganz besonders“, ergänzte Löw. Fußball spielen statt Fußball kämpfen - das war Löws steter Ansatz in 15 oft erfolgreichen Bundestrainerjahren. Darum begrüßt Löw die Verpflichtung von Flick, die für DFB-Direktor Oliver Bierhoff die „Wunschlösung“ war. „Deutschland soll und muss weiterhin einen technisch guten Fußball spielen - und nicht zu den Wurzeln zurück, die noch vor Jahren über allem anderen standen. Da zählte man allein Kampf und Einsatz zu den deutschen Tugenden. Aber Spielkultur ist Gegenwart und vor allem die Zukunft“, sagte der Fußball-Feingeist Löw: „Genau dafür steht Hansi Flick.“ Bayern Münchens Triple-Coach von 2020 soll die Nationalelf wieder titelfähig machen, vielleicht schon bei der Weltmeisterschaft 2022, spätestens aber bei der Heim-Europameisterschaft 2024. Es geht um die Generation Mitte 1990, die gespickt ist mit Bayern-Profis wie Kimmich, Goretzka oder Gnabry und Sané. „In zwei, drei, vier Jahren wird es mit einem Zugewinn an Erfahrung ähnlich sein wie bei unserer Goldenen Generation mit Lahm, Schweinsteiger, Boateng, Khedira, Özil, Kroos, Neuer, Hummels, Müller“, prophezeit Löw. Die aktuelle EM-Mannschaft werde „in zwei, drei, vier Jahren auf ihren absoluten Höhepunkt zusteuern“, glaubt der scheidende Bundestrainer. Fernziel Heim-EM Als Flick am 25. Mai in der Frankfurter DFB-Zentrale seinen Vertrag bis 2024 unterschrieb, verwies er ebenfalls auf die ersten Wegmarken seiner Amtszeit. „Meine Vorfreude ist riesig, denn ich sehe die Klasse der Spieler, gerade auch der jungen Spieler in Deutschland. So haben wir allen Grund, die kommenden Turniere, zum Beispiel die Heim-EM 2024, mit Optimismus anzugehen“, äußerte Flick. Bierhoff formulierte den Auftrag an den langjährigen Weggefährten: „Wir haben ein großes gemeinsames Ziel: zurück an die Weltspitze.“ Flick wollte diesen Posten, lukrativere Anfragen aus dem Ausland schlug er aus. „Da hat er wirtschaftlich andere Möglichkeiten gehabt“, bemerkte Bierhoff. Dem Manager war es wiederum wichtig, „diese Personalie vor der Europameisterschaft klarzumachen“. Debüt in Liechtenstein Löw, Bierhoff und die 26 Spieler können so ohne Nachfolgedebatte ihren Job erledigen. Und Flick kann einfach mal im Stadion vorbeischauen. Und beobachten, welche Spieler sich empfehlen für den Neuanfang unter ihm. Aber zu Personalien wie Thomas Müller, Mats Hummels, Spielsystemen und Zielen als Jogi-Löw-Nachfolger will sich der künftige Bundes-Hansi aus Bammental erst „im August detailliert melden“. Und richtig los geht’s dann für ihn Anfang September mit drei WM-Qualifikationsspielen. dpa

    Mehr erfahren
  • Sport Phänomen Ronaldo – erst unsichtbar, dann eiskalt

    Cristiano Ronaldo lief nach dem Schlusspfiff seines furiosen EM-Rekordtages zu Peter Gulacsi und klatschte ihn voller Respekt ab. In der mit 55 662 Zuschauern voll besetzten Puskas Arena mit einer Gänsehautatmosphäre wie in Vor-Corona-Zeiten hat der fünfmalige Weltfußballer beim 3:0 (0:0) von Titelverteidiger Portugal gegen Ungarn gleich zwei Rekorde gefeiert. Mit einem späten Doppelpack sorgte Ronaldo zudem für einen standesgemäßen Ehrentag (87. Minute, Foulelfmeter/90.+2). Zuvor hatte der Dortmunder Raphaël Guerreiro den Weg geebnet (84.). Die Portugiesen nahmen Schwung für das Hammerspiel am Samstag (18 Uhr) in München gegen Deutschland. „Das Wichtigste war, dass wir gewonnen haben. Es war ein schwieriges Spiel gegen einen Gegner, der stark verteidigt hat, aber wir haben drei Tore erzielt“, sagte Ronaldo. „Ich bin der Mannschaft sehr dankbar, dass ich zwei davon geschossen habe.“ {element} Bis zum Jubel benötigten Ronaldo & Co. einen langen Anlauf, auch weil der 36-Jährige selbst eine Großchance aus fünf Metern über das Tor ballerte (43.). Doch später kürte er sich mit nun insgesamt elf EM-Treffern zum alleinigen Rekordtorschützen vor dem Franzosen Michel Platini (9 Tore). Zudem ist er seit Dienstag auch Rekordteilnehmer. Der fünfmalige Weltfußballer ist der einzige Spieler, der bei fünf Europameisterschaften zum Einsatz kam. Portugals Sportzeitung „A Bola“ schwärmte schon vom „historischen Ronaldo“. „Es war wichtig, gut zu starten, um Selbstvertrauen zu bekommen. Jetzt heißt es: weitermachen“, sagte der Superstar. Pfiffe von Ungarns Publikum gab es nach dem Schlusspfiff trotzdem. Kritik am Fan-Auflauf {furtherread} In einer phasenweise hitzigen Partie erwiesen sich die mit vier Bundesliga-Profis aufgelaufenen Magyaren in der Defensive lange als unüberwindbar. Herausragend dabei: Leipzigs Torhüter Gulacsi. Ein Abseitstor von Szabolcs Schön zählte zum Ärger der frenetisch feiernden Ungarn-Fans nicht (80.). „Mit ein bisschen Glück hätten wir ein Tor erzielen können. Das wäre eine tolle Sache gewesen. Wir werden es am Samstag wieder versuchen“, sagte Gulacsi. Im Stadion herrschte Party-Stimmung. Die 55 662 Zuschauer in der Arena, das eigentlich mit 61 000 bei der Endrunde voll ausgelastet ist, empfand der frühere Bayern-Präsident Uli Hoeneß allerdings als „ein schlechtes Signal. Man kann nur hoffen, dass nix passiert“, sagte er bei MagentaTV. Am Nachmittag hatten sich tausende Fans auf den Weg vom Budapester Heldenplatz zum Stadion gemacht, das den Namen der ungarischen Fußball-Legende Ferenc Puskas trägt. Dicht gedrängte Fans hielten in Zeiten der Corona-Pandemie aber kaum Abstand voneinander. Ein Mund-Nasen-Schutz wurde Augenzeugen zufolge auch nur vereinzelt getragen. „Diese Bilder zeigen genau das, was die EM vermeiden sollte. Während halb Europa und 95 Prozent der ärmeren Welt noch nicht geimpft sind, verhält man sich so, als ob die Pandemie vorüber wäre“, kritisierte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. dpa

    Mehr erfahren
  • Sport „Geht nicht um meine Gefühle“

    ZDF-Reporterin Claudia Neumann ist seit Jahren immer wieder Anfeindungen ausgesetzt. Sie selbst liest das alles nicht mehr, sagt sie. Am Donnerstag (18 Uhr/ZDF und Magenta TV) kommt eine ganz besondere Aufgabe auf die 57-Jährige zu, denn sie kommentiert bei Dänemark gegen Belgien das erste Spiel der Dänen nach dem Kollaps von Christian Eriksen. Im Interview erzählt Neumann, wie sie sich auf den besonderen Fußball-Tag vorbereitet, wie sie die schockierenden Bilder aus Kopenhagen am vergangenen Samstag aufgenommen hat und warum sie mit Kritikern auch gerne in den offenen Austausch tritt. Frau Neumann, Fußballer sprechen gerne vom „größten Spiel ihres Lebens“. Sie kommentieren am Donnerstag die EM-Partie Dänemark gegen Belgien – unter ganz besonderen Vorzeichen. Ist es für Sie das bisher größte und speziellste Spiel Ihrer Laufbahn? Claudia Neumann: Es ist definitiv ein sehr besonderes Spiel, auf jeden Fall. Es wird eine spezielle Herausforderung auf uns warten, ein Spiel der Gesten und Symbole, da kann auch ein bisschen Gänsehaut bis auf die Reportertribüne rüberwachsen. Zumal ich sehr empfänglich für solche emotionalen Dinge bin. Sie haben direkt nach dem Vorfall am Samstag das Folgespiel Belgien gegen Russland kommentiert. Wie haben Sie die dramatischen Szenen um Dänemarks Christian Eriksen mitbekommen? Neumann: Wir haben auf den Reporterplätzen oben die UEFA-Monitore, auf denen wir alle Spiele verfolgen können, die Eriksen-Szene hat uns natürlich restlos schockiert. Es war klar, dass das auch unser Spiel betreffen wird. Wir haben zunächst alle Kollegen und Kolleginnen in Mainz in Ruhe gelassen, wohlwissend, dass man jetzt erstmal alles rational sortieren muss. Die Idee, dass wir später erst im Infokanal beginnen, bevor wir nach Beendigung des Dänemark-Spiels im Hauptprogramm auf Sendung gehen, war aus meiner Sicht die richtige Entscheidung. Die Prozesse verliefen so zügig nacheinander, dass ich mir erst während des Kommentierens Gedanken gemacht habe, was ich eigentlich später wiederholen müsste, wenn wir den Kanal wechseln. Nun erwartet Sie am Donnerstag der knifflige Spagat zwischen Menschlichkeit und Fußball-Business. Haben Sie Angst? Neumann: Nein. Angst ist das falsche Wort, aber Respekt. Ich habe gestern ein bisschen reingeschaut, was die Kollegen der ARD im Nachgang gemacht haben, dabei habe ich Almuth Schult gehört, die erzählt hat, dass sie sich mehrere Male beim Weinen erwischt hat. Ariane Hingst, meine Co-Kommentatorin, hat am Samstag gleich gesagt: Die können nicht weiterspielen. Der Kopf von Profisportlern stehe in solchen Situationen kurz vor der Explosion. Das seien so extrem anspruchsvolle psychologische Faktoren. Aspekte, die wir Journalisten so genau kaum nachempfinden können. Aber es fühlte sich für mich schlüssig an in dem Moment. Ich werde am Donnerstag aufpassen müssen, mich selbst nicht zu sehr der emotionalen Schiene hinzugeben. Es geht schließlich nicht um meine Gefühle, sondern um die der Beteiligten. Was ist für eine TV-Kommentatorin die große Herausforderung bei diesem Spiel? Neumann: Eine vernünftige Mischung zu finden. Man muss das Spiel auch seriös rüberbringen, wenn der Ball rollt. Man darf nicht alles unterdrücken. Glücklicherweise geht es Christian Eriksen offenbar ganz gut, angesichts der ernsthaften Situation. Sie standen bei der WM 2018 extrem im Fokus, wurden harsch und unsachlich kritisiert, teilweise beleidigt. Was hat das mit Ihnen gemacht? Neumann: Nichts Besonderes, wenn ich ehrlich bin. Ich habe das eingeordnet im gesamtgesellschaftlichen Kontext. Viele Leute sagen: Natürlich macht das was mit einem, aber ich könnte es nicht konkret benennen. Für mich ist es eine Geschichte von gestern. Ich lasse das nicht an mich heran, jedenfalls nicht persönlich. Gab es in den vergangenen Jahren weitere Angriffe? Neumann: Ich lese nach wie vor nichts, nur wenn mich jemand darauf anspricht, bekomme ich Kenntnis. Der Reflex, nach Spielen ins Netz zu schauen, ist mir wirklich fremd. War er immer schon, heute sogar in 100-prozentiger Konsequenz. Lesen Sie überhaupt noch in sozialen Netzwerken? Neumann: Soziale Netzwerke interessieren mich dann, wenn ich irgendwo etwas recherchiere. Aber nicht in dem Sinne, dass ich mir von einem kleinen Teil erzählen lasse, wie ich mich zu verhalten habe. Welche Form von Kritik oder Feedback ist für Sie hilfreich? Neumann: Jede, die konstruktiv ist. Das kann von Fachleuten kommen, von TV-Kennern oder Fußball-Experten, aber auch von ganz normalen Zuschauern. Ich bekomme auch gelegentlich eine E-Mail mit positiven aber auch mit kritischen Anmerkungen. Wenn die vernünftig formuliert sind, sind die Leute in der Regel überrascht, dass ich tatsächlich zurückschreibe. dpa

    Mehr erfahren