Fußball - Beim Bundesliga-Schlusslicht Schalke würde mit einem Sieg über schwächelnde Dortmunder die Stimmung immens steigen Derby-Videos als Heißmacher

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dpa
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Schalkes Torhüter Ralf Fährmann hätte nichts gegen ein Ergebnis wie am 27. September 2014. Damals gewannen die Königsblauen gegen die Borussen um den damaligen Kapitän Mats Hummels mit 2:1. © dpa

Gelsenkirchen. An sein erstes Profi-Spiel für den FC Schalke 04 kann sich Ralf Fährmann noch genau erinnern. „Das war bei den Zecken“, sagt der Torhüter und lacht. 2008 war das, bei einem 3:3 nach 3:0-Führung. Am Samstag bestreitet der 32-Jährige sein inklusive Supercup zwölftes Derby gegen Borussia Dortmund. Doch das 98. droht zunächst das letzte Revier-Derby in der Bundesliga zu werden.

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Für den Ur-Schalker Fährmann bedeutet es aber viel mehr eine große Chance, mit einem Sieg ungeahnte Emotionen freizusetzen und das Klassenerhalt-Wunder von Schalke vielleicht doch noch zu schaffen. Deshalb habe er ein paar Videos von alten Derbys in den Mannschaft-Chat geschickt, berichtet Fährmann: „Um die Jungs heißzumachen, damit wir hoffentlich ein geiles Derby liefern.“

In der Tat könnte ein Erfolg des abgeschlagenen Letzten gegen den auf höherem Niveau ebenfalls taumelnden BVB einen Stimmungs-umschwung bei den Schalkern bewirken, die sich zuletzt trotz gegenteiliger Beteuerungen irgendwie schon mit ihrem Schicksal abgefunden schienen. „Gerade, weil das Derby von so vielen Emotionen geprägt ist, kann ein Sieg dort einen höheren Stellenwert bekommen als ein normaler Sieg“, sagt Fährmann: „Es wäre ein super Einstieg in eine Serie.“ Außerdem könne man „den Fans etwas zurückgeben. Sie haben es verdient“.

Gross verweist auf eigene Bilanz

Trainer-Routinier Christian Gross verweist derweil auf eine gute Derby-Bilanz. „Ich habe in der Schweiz, Ägypten oder Saudi-Arabien wunderbar intensive Spiele erlebt“, sagte der 66-Jährige: „Mir gefallen solche Spiele. Und meistens ging ich als Sieger vom Platz.“

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Dass die Fans am Samstag fehlen, findet Gross noch bedauerlicher als sonst. „Aber ich bin sicher: Während diesen 95 Minuten wird es vor den Fernsehern so lautstark zugehen wie selten.“ Im Stadion setzen die Fans ein imposantes Zeichen. Auf Idee des Waltroper Fan-Clubs „Blau-Weißes GEsocks“ werden rund 7000 blau-weiße T-Shirts über den Sitzschalen in der Arena hängen, dazu wurden 58 Banner verschiedener Fan-Clubs aufgehängt.

Besondere Fan-Aktion

„Wir wollen zeigen, dass wir immer noch dahinterstehen“, sagte Fan-Club-Präsident Dirk Knüvener bei Sky: „Wir können nicht anfeuern, nicht meckern und unser Bier nicht durch die Gegend schmeißen, wenn wir in der Kurve stehen. Das geht einem ordentlich auf den Zwirn. Ich glaube, deswegen ist das so gut angekommen.“ Nach Informationen der „Waltroper Zeitung“ bewahrte der Großauftrag zudem die betreffende T-Shirt-Druckerei vor der drohenden Insolvenz.

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Er finde die Aktion „grandios“, sagte Gross. Marketing-Vorstand Alexander Jobst stellte derweil fest: „So wenig Derby-Fieber wie im Moment hatten wir seit Jahren nicht. Es würde uns aber allen guttun, wenn wir die Schwarz-Gelben schlagen könnten.“

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Aber auch für den BVB, der unter der Woche in der Champions League mit 3:2 beim FC Sevilla gewann, könnte ein Sieg eine Initialzündung bei der Aufholjagd für eine erneute Königsklassen-Qualifikation sein. Dem anderen etwas zu verderben, ist für beide zudem immer eine besondere Motivation. So reden sie in Dortmund immer noch vom 2:0 im Jahr 2007, das am vorletzten Spieltag Schalkes Meistertitel verhinderte. Und auf Schalke vom 4:2 am 31. Spieltag vor zwei Jahren, das den BVB letztlich auch den Titel kostete.

Doch irgendwo zwischen Spott und Konkurrenz mischt sich in diesem Jahr auch Mitleid. Sogar beim Ex-Dortmunder Kevin Großkreutz, der zu Spieler-Zeiten erklärte, er hasse Schalke „wie die Pest“ und sein Sohn käme „ins Heim“, wenn er Schalke-Fan werde. Nun gab er sich bei Sky ganz handzahm. „Ich bin kein Mensch, der noch mal drauftritt, wenn einer auf dem Boden liegt. Ich kenne das Ganze von mir selber“, sagte der Weltmeister von 2014. Er versicherte: „Das Derby würde im Ruhrpott fehlen.“ Und er machte den Schalkern Mut: „Mit einem guten Lauf ist noch alles möglich“. dpa