Fußball - Roman Link, Spielertrainer des FV Biblis II, sieht eine Fortsetzung der Saison und eine erneute Wertung mit Auf- und Absteigern kritisch „Dann explodieren die ganzen Ligen“

Von 
Claudio Palmieri
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Biblis. Jugendspieler und Jugendtrainer, Kapitän und Coach der ersten Mannschaft, jetzt Spielertrainer der zweiten Mannschaft: Roman Link kennt den FV Biblis in- und auswendig. Im Interview spricht der 32-jährige Fitnessökonom über die vielschichtigen Herausforderungen, die die Pandemie mit sich bringt.

Die Arbeit beim FV Biblis ist für Roman Link eine Herzensangelegenheit. © Berno Nix
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Herr Link, haben Sie einen speziellen Draht zur FSG Bensheim?

Roman Link

Das Urgestein des FV Biblis wurde am 2. August 1988 in Mannheim geboren.

Nachdem der FVB im Herbst 2018 die zweijährige Zusammenarbeit mit ihm als Trainer der „Ersten“ beendete, spielte der Abwehrstratege für ein halbes Jahr bei Alemannia Groß-Rohrheim II. Ende 2019 beerbte der Linksfuß seinen Kumpel Sven Sauer als Spielertrainer der zweiten FVB-Mannschaft. cpa

Roman Link: Im Hinspiel hat sie uns eine empfindliche Niederlage zugefügt. Das ist eine junge, talentierte Mannschaft. Aber einen größeren Bezug habe ich nicht. Wieso?

Gegen die FSG geht es am Ostermontag. Freuen Sie sich schon?

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Link (lacht): Natürlich wollen wir versuchen, uns besser zu verkaufen. Aber ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass dieses Spiel stattfindet. Was passiert, wenn die Saison wieder abgebrochen wird? Wieder Mannschaften aufsteigen, aber keinen absteigen zu lassen – da explodieren ja irgendwann die ganzen Ligen.

Bei einem Abbruch läge die letzte regulär zu Ende gespielte Runde zwei Jahre zurück …

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Link: Dann müsste man sich überlegen, ob man einen anderen Modus einführt. Aber das ist in Amateurklassen immer sehr schwierig. Ein Patentrezept habe ich nicht. Ich fände es nur fahrlässig, die Runde auf Teufel-komm-raus zu Ende zu spielen. Der Amateurfußball ist dann doch das Unwichtigste, wenn man die privaten und beruflichen Sorgen vieler sieht. Das schlimmste Szenario wäre, dass sich ein Mannschaftskamerad oder ein Familienmitglied ansteckt und schwer erkrankt. Das würde sich niemand verzeihen. Man sollte nicht vergessen, was die Pandemie anrichtet oder schon angerichtet hat.

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Welche Probleme sehen Sie sonst?

Link: Es ist einfach schwierig, die Motivation hochzuhalten. Am Anfang war sie noch hoch. Jeder hat gehofft, dass es nach der Winterpause oder nach Weihnachten wieder gehen wird. Danach sieht es jetzt nicht aus. Auch die Ängste, die eintreten, sind ein Problem. Man hört intern immer wieder, dass Leute nicht mehr spielen wollen, solange die Zahlen so hoch sind. Die Leute am Ball zu halten und Sicherheit zu gewähren – das ist eine Mischung, die sehr schwer ist. Zumal man keine Erfahrung hat.

Wie ist gerade der Kontakt zu Ihrer Mannschaft?

Link: Beim ersten Lockdown wurde vieles noch mit Witz genommen, da gab es Bier- oder Liegestütz-Challenges in den Whatsapp-Gruppen. Jetzt hat die Häufigkeit abgenommen. Man ist in Kontakt, aber deutlich weniger.

Bei Gruppenligist FSG Riedrode gibt es keine Trainingspläne, weil ein Weitermachen nicht abzusehen sei. Wie sieht es beim C-Ligisten Biblis II aus?

Link: Ich sehe das genauso. Ich habe mir zwar etwas überlegt und wenn es schnell gehen muss, habe ich es auch parat. Aber in der Pandemie geht es nur über den eigenen Menschenverstand, sich einen Ausgleich zu schaffen, und das nicht speziell im Fußball.

Ziehen wir kurz sportlich Bilanz. Von fünf Partien hat Ihr Team vier verloren und eine wurde abgesagt.

Link: Wir haben oft unglücklich verloren, da war das Ergebnis deutlicher als der Spielverlauf. Eine Bilanz ist schwer. Generell sind wir auf der Suche nach neuen Spielern, weil die Mannschaftsstärke die ganze Zeit ein Problem war.

Käme ein Abbruch gelegen?

Link: Wird die Runde abgebrochen, besteht die Gefahr, dass Leute, die nur noch eine Saison dranhängen wollten, abspringen. Aber im Großen und Ganzen glaube ich, dass es für uns ein Vorteil sein kann, weil sich auch die erste Mannschaft mit zwei, drei Leuten verstärken könnte.

Sie sind seit Dezember 2019 zurück in Biblis. Als Trainer des 1b-Teams kommen Sie seitdem auf fünf Ligaspiele. Zehrt das an Ihnen?

Link: Die Motivation ist da, der Verein liegt mir immer noch am Herzen. Die Konstellationen für die Zukunft müssen aber mit dem Vorstand besprochen werden. Wir müssen schauen, wie es überhaupt mit dem Fußball weitergeht und ob eine zweite Mannschaft zustande kommt, sollten zu viele Spieler wegen Corona keine Lust mehr haben. Vielleicht kommen ja auch 20, 30 Leute dazu, wenn sich die Lage entspannt. Vieles ist möglich.

Freie Autorenschaft Geboren 1987 in Viernheim. Aufgewachsen in Bürstadt. Lebt in Mainz. Seit 2009 freier Mitarbeiter in den Redaktionen Sport, Lokales (Bürstadt/Biblis/Lampertheim), Online, Kultur. Spezialgebiete im Sport: Eintracht Frankfurt, SV Waldhof, Fußball, American Football, Tischtennis, Judo, Basketball (Albert-Schweitzer-Turnier). Online: Social Media und der DEL-Liveticker. Weitere Autorentätigkeiten unter anderem für das ZDF und 11 FREUNDE.