Gedenktag - Zum 27. Januar sind im Kreis keine Aktionen geplant / Engagement der Frankfurter Eintracht und der Lilien geht über diesen Tag hinaus „Beitrag des Fußballs zur Demokratie“

Von 
Claudio Palmieri
Lesedauer: 
Beim Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98 sollen Regenbogen-Armbänder auf die gesellschaftliche Verpflichtung des NIcht-Vergessens hinweisen. © SV Darmstadt 98

Ried. Für die Amateurvereine bricht Eberhard Schulz, der Sprecher der Initiative „!Nie wieder-Erinnerungstag im deutschen Fußball“, im Gespräch mit dieser Redaktion eine Lanze. Kurz nach Beginn der Flüchtlingskrise etwa, berichtet er, seien knapp 75 Prozent der Bewerbungen für den Julius-Hirsch-Preis des DFB von Amateurvereinen gekommen, die sich für Geflüchtete stark gemacht hätten. „In den Amateurvereinen wird verstanden, dass sie eine wichtige Aufgabe für die Vermittlung von Werten haben“, meint Schulz.

AdUnit urban-intext1

Der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 gedenkt Fußball-Deutschland am Mittwoch zum 17. Mal. Mit dem „Erinnerungstag im deutschen Fußball“ tritt die von DFB und DFL unterstützte Initiative „gegen Rassismus, Antisemitismus und jegliche Form der Diskriminierung“ ein. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf der sexuellen Vielfalt.

Termin fällt in Fußballpause

Schulz, der auch als Jury-Mitglied des Julius-Hirsch-Preises wirkt, ist bewusst, dass die Schreiben der Initiative nicht selten nur als weitergeleitete Mail an der Basis ankommen – wenn überhaupt. Im Fußballkreis Bergstraße scheint das nicht anders zu sein. Und offenbar nicht nur dort. „Darüber ist heute nicht geredet worden. Ich habe auch keine Informationen dazu“, sagte Reiner Held, der Kreisfußballwart Bergstraße, nach der virtuellen Verbandsvorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbands (HFV) am Samstag, auf dem die mögliche Fortführung der Runde im Vordergrund stand. Auch mehreren Ried-Vereinen, bei denen diese Redaktion nachfragte, lagen keine offiziellen Informationen zum Erinnerungstag vor.

Schon in den Jahren vor der Pandemie habe es im Kreis keine Aktionen zum 27. Januar gegeben, weiß Held. Der Bürstädter macht dabei ein praktisches Problem aus. Für gewöhnlich falle der Erinnerungstag in die fußballfreie Zeit zwischen den letzten Hallenturnieren und dem Start der Wintervorbereitung. Da es im Corona-Winter 2020/21 keine Zusammenkünfte gebe, gebe es auch „nichts, wo man das Erinnern öffentlich zeigen könnte“. So weit will Schulz aber gar nicht gehen. „Oft reicht es, wenn Vereine einen Text von ‚Nie wieder’ auf ihre Homepage stellen“, merkt er an.

AdUnit urban-intext2

Der HFV veröffentlichte am Dienstag ein Statement zum Erinnerungstag. In der Februar-Ausgabe seines Magazins „Hessen-Fussball“ wird der Verband ausführlich auf die Thematik eingehen – und speziell auf den diesjährigen Schwerpunkt der „!Nie wieder“-Initiative. So kritisiert die Petition „Liebe kennt keine Pause“ die Haltung Katars. Im Gastgeberland der WM 2022 steht Homosexualität unter Strafe.

Zu mehr Vorab-Präsenz tragen Hessens Profivereine bei. Am Erinnerungstag werde das Frankfurter Stadion in den Regenbogenfarben beleuchtet sein, kündigt Eintracht Frankfurts Sprecher Jan Strasheim an. Auch eine besondere Kapitänsbinde sei geplant. Darüber hinaus starteten die Fanbetreuung und das Eintracht-Museum am Dienstagabend die zweite Auflage der Programmreihe „Spurensuche“. Bei der Online-Veranstaltung zum Thema „Die Vereinsführer der Eintracht im Nationalsozialismus“ war Max Aigner, Autor der Studie „Vereinsführer – Vier Funktionäre von Eintracht Frankfurt im Nationalsozialismus“, zu Gast.

AdUnit urban-intext3

Darmstadt 98 greift das Thema sexuelle Vielfalt schon länger auf. „Wir haben immer wieder Aktionen, um dieses Thema offen anzusprechen und Diskriminierung jeglicher Art zu verurteilen“, teilt Vereinssprecher Jan Becher mit. Mit Alexander Arnold beschäftigt der Zweitligist einen Anti-Homophobie-Beauftragten. Zum Training haben die Lilien-Spieler auch schon Regenbogenarmbänder getragen. Beim Heimspiel gegen Heidenheim in der Vorsaison hatten die Südhessen Eckfahnen im Regenbogen-Design, die von der Mannschaft unterschrieben und zu Gunsten eines queerfeministischen Fußballvereins in Kamerun versteigert wurden.

AdUnit urban-intext4

Der kommende Spieltag stehe im Zeichen der Erinnerung an alle Opfer des Nationalsozialismus, erklärt Becher. Auf den diesjährigen Schwerpunkt der Nie-wieder-Initiative wollen die Lilien in einem Text auf ihrer Homepage und im Stadionmagazin explizit hinweisen.

In welcher Form auch immer erinnert wird: Wichtig ist wohl, dass überhaupt erinnert wird. „Das“, lobt Eberhard Schulz, „ist ein Beitrag des Fußballs zum Gelingen von Demokratie“.

Info: Weitere Informationen unter niewieder.info

Freier Autor Geboren 1987 in Viernheim. Aufgewachsen in Bürstadt. Lebt in Mainz. Seit 2009 freier Mitarbeiter in den Redaktionen Sport, Lokales (Bürstadt/Biblis/Lampertheim), Online, Kultur. Spezialgebiete im Sport: Eintracht Frankfurt, SV Waldhof, Fußball, American Football, Tischtennis, Judo, Basketball (Albert-Schweitzer-Turnier). Online: Social Media und der DEL-Liveticker. Weitere Autorentätigkeiten unter anderem für das ZDF und 11 FREUNDE.