Fußball - Neben dem Kampf um den Bundesliga-Verbleib trüben Querelen um den Aufsichtsrat die Stimmung beim FSV Mainz 05 „Baustelle ist groß genug“

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Karl Reichwein
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FSV-Sportdirektor Martin Schmidt hat keinen leichten Job. © dpa

Mainz. Der FSV Mainz 05 erlebt wieder unruhige Tage, wie man sie dank der Rückkehr des Trios Christian Heidel, Martin Schmidt und Bo Svensson überwunden glaubte. Doch auf das jüngste Durcheinander hatten Sportvorstand, Sportdirektor und Cheftrainer sowie die sportliche Krise beim Tabellen-17. der Fußball-Bundesliga keinen Einfluss. Auslöser war die Entscheidung der Wahlkommission, zur Wahl des Aufsichtsrats nur zwölf von 26 Bewerbern zuzulassen – 16 hätten kandidieren dürfen. Ex-Präsident Harald Strutz hatte dies als „Intriganten-Stadl“ kritisiert.

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Unter anderem strich die Kommission vier aktuelle Mitglieder des Kontrollgremiums von der Liste, darunter die Managerin der Bundesliga-Handballerinnen, Eva Federhenn, und den Comedian Sven Hieronymus. Das führte zunächst zu heftigen Reaktionen bei den Fans – vor allem, weil die Wahlkommission ihre Entscheidung laut Satzung nicht begründen muss und auch nicht begründete. Dabei war das Quartett nebst einigen anderen Durchgefallenen zum ursprünglich geplanten Termin im Oktober noch zugelassen. Dies sorgte für Aufregung und Aufruhr, so dass Vereinsvorstand und Aufsichtsrat die Notbremse zogen und die für kommenden Dienstag terminierte virtuelle Mitgliederversammlung absagten.

Heimspiel gegen Union Berlin

„Nach den uns vorliegenden juristischen Einschätzungen hat unsere Wahlkommission satzungskonform gehandelt und entsprechend anhand inhaltlicher Kriterien entschieden“, sagt Vereinschef Stefan Hofmann. „Wir haben aber auch registriert, dass es hierzu andere Auffassungen gibt.“ Die Wahlen müssten ein Ausdruck eines gemeinsamen Weges und eine unumstrittene Legitimation für die Gewählten sein und „dürfen unseren Verein auf keinen Fall entzweien“. Deshalb solle es nun eine Klarstellung des Satzungstextes geben. Gewählt werden dürfte nun vermutlich erst im Sommer. Ein Großteil der Fankritik, in die via „Bild“ auch Ehrenpräsident Strutz einstimmte, richtet sich gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Detlev Höhne. Ihm wird vorgeworfen, die Wahlkommission beeinflusst oder unter Druck gesetzt zu haben, um unliebsame Aufsichtsräte loszuwerden. Höhne weist diese Vorwürfe zurück, auch andere Stimmen innerhalb des Vereins halten sie für unberechtigt. Unabhängig von der Satzungsänderung wird die bisherige Wahlkommission im Sommer nicht mehr für die Kandidatenauswahl zuständig sein: Die Amtszeit des Gremiums endet im April. Diese Querelen hätten auf die sportliche Arbeit keine Auswirkungen, sagte Sportdirektor Martin Schmidt. „Die Lizenzspielerabteilung ist eine Einheit für sich“, betonte der Schweizer. „Klar, man liest das, aber da man in diesem Aufgabenbereich nichts bewirken kann, ist es unsinnig, sich darum zu kümmern. Unsere Baustelle ist groß genug.“

Die sportliche Krise bei den Rheinhessen hält an, von daher zählt die volle Konzentration auf das Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen Union Berlin. Ungeachtet der sieben Punkte Rückstand auf einen Relegationsplatz hat Cheftrainer Bo Svensson die Hoffnung auf den Klassenverbleib. „Die Mannschaft lebt, und sie will“, sagte der Däne am Donnerstag. „Es wird in den nächsten Spielen Siegpflichten geben, aber zunächst muss die Leistung stimmen.“

Quaison fällt aus

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Den Mainzern wird jedoch Stürmer Robin Quaison wegen einer Knieprellung fehlen. Neuzugang Robert Glatzel hingegen könnte auflaufen, sofern sein Corona-Test zum Ende der fünftägigen Isolation am Freitag negativ ausfällt. dpa