"Badisch-württembergische Win-win-Situation"

Von 
Jan Kotulla
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Ein Teil der Kooperation: die Mannheimer Adler.

© dpa

Marcus Kuhl kann gar nicht alle Namen aufzählen: "Über 60 Spieler", so schätzt der frühere Manager und heutige Sportkoordinator der Mannheimer Adler, "haben über die Ausbildungsstation Heilbronn eine Profikarriere gestartet." Falken-Trainer Rico Rossi pflichtet bei: "Es macht mich stolz, wenn ich allein die aktuelle Adler-Mannschaft betrachte: Jungs wie Frank Mauer, Denis Reul, Felix Brückmann oder Marc El-Sayed haben sich in der Deutschen Eishockey Liga durchgesetzt, nachdem sie sich bei uns in Heilbronn in Ruhe weiterentwickeln konnten." Vor acht Jahren, als die Zusammenarbeit vereinbart wurde, ahnte noch keine Seite, wie groß der Nutzen für beide Partner ausfallen würde.

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"Die Kooperation war aus der Not heraus geboren", erinnert sich Marcus Kuhl. Der DEL-Rekordmeister aus der Quadratestadt suchte händeringend eine Möglichkeit, wie man die Talente, die dem bundesweit beachteten Jungadler-Projekt entwachsen waren, an den Profisport heranführen könnte. "Mit 17 oder 18 Jahren wäre solch ein Schritt für 98 Prozent der Spieler zu groß gewesen. Es ging darum, die Jungs nicht zu verbrennen. Sie sollten sich den Spaß am Eishockey bewahren und Erfahrungen sammeln", benennt Rossi die Zielsetzung. Der Kanadier weiß, wovon er spricht, von 2002 bis 2004 war er Co-Trainer bei den Adlern.

Die Falken standen vor ganz anderen Schwierigkeiten. "Heilbronn war zahlungsunfähig und Falken-Geschäftsführer Ernst Rupp versuchte einen Neuanfang in der Oberliga", blickt Kuhl zurück. "Wir haben uns zusammengesetzt und eine gute Lösung gefunden: Wir haben Heilbronn kostenlos Spieler zur Verfügung gestellt und auch Rico Rossi zwei Jahre lang bezahlt, so dass sich die Falken wieder konsolidieren konnten", zählt der Mann der ersten Stunde auf. Das funktionierte. Innerhalb von zehn Monaten wurden die Verbindlichkeiten um die Hälfte auf rund 700 000 Euro reduziert und bereits im ersten Jahr der Zusammenarbeit feierten die Falken die Süddeutsche Meisterschaft.

Keine Rivalität

"Unsere Talente haben in der Oberliga und später in der 2. Bundesliga Eiszeit bekommen und herzerfrischendes Eishockey gespielt", hat Kuhl die Kooperation nie bereut: "Es hat sich ein gutes Verhältnis entwickelt." Der 56-Jährige kennt Rivalitäten, wie die zwischen den Adlern und den Frankfurt Lions, doch von Vorbehalten zwischen Badenern und Schwaben habe er nichts mitbekommen: "Ich würde diese Kooperation als badisch-württembergische Win-win-Situation bezeichnen".

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Wenn es nach Kuhl und Rossi geht, könnte man in der Zukunft zwar noch Kleinigkeiten verbessern, "aber eigentlich passt alles", erklären beide. "Zumindest bei uns. Leider fehlt mittlerweile ein Kooperationsvertrag zwischen den Ligen, der es uns bislang ermöglicht hat, dass Falken für ein paar Spiele bei den Adlern eingesetzt werden durften, danach aber wieder nach Heilbronn zurückkehren konnten", ärgern sich Sportkoordinator und Trainer gemeinsam darüber, dass der guten Zusammenarbeit Steine in den Weg gelegt werden.

Redaktion Sportredakteur