Taktgefühl für Showgrößen

Sein Leben im Takt – ob auf der Bühne von Pur oder am Set von „Sing meinen Song“. Peter Wagner hat das richtige Händchen für die Musikinstrumente der Stars. Von Swenja Knüttel

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Konzentriert überprüft Peter Wagner an seiner Werkbank im pfälzischen Mechtersheim das Saxophon eines Kunden. Hier und da muss er ein wenig nachjustieren und schon kann er das Saxophon wieder in die Hände des Hobbymusikers zurückgeben. Peter Wagner ist Instrumentenmacher und hat sich inmitten der größten Krise, die die Unterhaltungsbranche je erlebt hat, selbstständig gemacht und eine eigene Werkstatt in der Pfalz eröffnet. „Corona hat vieles lahmgelegt“, so der 44-Jährige.

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Auch sein zweites Standbein als sogenannter Backliner kann der Familienvater nicht ausüben. „Trotzdem habe ich mir mit meiner eigenen Werkstatt einen Traum und keinen Plan B erfüllt“, so Wagner, der schon seit seiner Kindheit ganz eng mit der Musik verbunden ist. „Schon als Sechsjähriger habe ich mein erstes Instrument im Musikverein erlernt. Da ich Musik über alles liebe und handwerklich begabt bin, hatte ich meinen Berufswunsch schnell vor Augen. Ich wollte Instrumentenmacher werden und habe dann auch die Ausbildung dazu gemacht“, berichtet der gebürtige Speyerer.

Seit 1994 ist Wagner in diesem Bereich tätig und hat in einem großen Musikhaus die Werkstatt ausgebaut. Sein Gefühl für die Musik und sein Können haben ihm dann noch eine ganz andere Tür in der Branche geöffnet. Der Pfälzer ist mit den Größen der deutschen Musikszene on Tour und sorgt dafür, dass ihre Musikinstrumente bei den Konzerten einwandfrei funktionieren und richtig gestimmt sind. Angefangen hat es damals mit Juliane Neigel. „Durch sie bin ich in dieses Geschäft gekommen und wurde von immer mehr Musikern für ihre Tourneen engagiert“, berichtet Wagner.

Der Mann mit dem guten Gefühl für Sound und Rhythmus lässt sich ein auf einen beruflichen Spagat, zwischen Job im Musikhaus, Konzerttourneen und Familie. „Das geschah immer in Absprache mit meiner Frau, und wir haben stets versucht, alles miteinander zu verbinden, so kam die Familie auch öfter bei Konzerten vorbei und besuchte mich vor Ort“, erklärt der Familienvater. Besuche sind aber nur dann möglich, wenn die Konzerte in der Nähe der Heimat stattfinden. Manchmal geht es aber auch viel weiter weg. Sogar Südafrika stand schon auf der Einsatzliste des Backliners. Dort war er im Team von „Sing meinen Song“ und supportete unter heißer Sonne Keyboard, Gitarren und Trompeten der Musiker. „Dabei zu sein, war sehr spannend und aufregend, aber auch sehr anstrengend. Die Folgen werden innerhalb von kürzester Zeit abgedreht, und da war Schlafmangel angesagt. Mehr als fünf bis sechs Stunden hatten wir nicht. Daneben hat mir natürlich meine Familie gefehlt. Aber toll war es trotzdem“, resümiert der Instrumentenmacher, der damals für einen kranken Kollegen einsprang.

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Doch auch ohne seinen Einsatz bei „Sing meinen Song“ kann Peter Wagner inzwischen auf eine lange und illustre Liste von Stars zurückblicken kann, für die er gearbeitet hat. Er hat schon für BAP, Pur, Sarah Connor oder Grönemeyer die Instrumente vor deren Auftritten gestimmt. Viel hat er in dieser Zeit erlebt, Freundschaften sind dabei entstanden.

So ließ es sich Peter Wagner natürlich nicht nehmen, BAP-Urgestein Wolfgang Niedecken zu seinem 70. Geburtstag am 30. März einen Geburtstagsgruß aus der Pfalz zu senden. „Wir haben ein gutes Verhältnis, und auch mit Pur-Sänger Hartmut Engler stehe ich oft in Kontakt“, berichtet Peter Wagner. Hartmut Engler erkundigt sich seit der Pandemie regelmäßig bei seinen Crew-Mitgliedern wie es ihnen geht. „Wir hoffen natürlich alle, dass wir bald wieder durchstarten können“, sagt Wagner, der gerne wieder bei dem ein oder anderen Konzert dabei wäre.

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Einen Vierteltakt mehr

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Ein Wunschgedanke, der hoffentlich Richtung Sommer in diesem Jahr wieder Realität wird. Bis dahin hat der Spezialist, der sowohl Holz- als auch Blechblasinstrumente reparieren kann, auch nicht alltägliche Aufträge in seiner Werkstatt zu erledigen. „Die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz hat ein orientalisches Stück aufführen wollen. Dabei haben sie festgestellt, dass es dafür ein Vierteltakt mehr auf den Blasinstrumenten braucht“, berichtet der Pfälzer. Er baute ein zusätzliches Ventil ein und schon war das Problem gelöst.