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LUFTSCHIFF Steiler Aufstieg, tiefer Fall

Vor und während des Ersten Weltkriegs wurden südlich von Mannheim 22 LUFTSCHIFFE gebaut. VON KONSTANTIN GROSS

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Am 17. Oktober 1911 ist es soweit: Kurz vor 17 Uhr ziehen Soldaten der Mannheimer Kaiser-Wilhelm-Kaserne unter lauten „Hurra!“-Rufen das Gefährt aus dem Hangar. Um 17 Uhr ertönt das Kommando „Loslassen!“, und die 23 Tonnen schwere Konstruktion erhebt sich dank der 240 PS starken Motoren majestätisch in die Luft. Der Start des ersten Schütte-Lanz-Luftschiffes, 131 Meter lang und 18 Meter breit, ist geglückt.

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Wer heute an Luftschiffe denkt, dem kommt vor allem der Name Zeppelin in den Sinn. Sein größter Konkurrent dagegen, der Ingenieur Johann Schütte, der südlich von Mannheim wirkt, ist weitgehend vergessen. Dabei ist seine Innovation durchaus revolutionär. Statt wie Graf Zeppelin mit Aluminium, baut Schütte das Gerippe des Ballons aus Holz. Dadurch soll das Luftschiff leichter, wendiger und damit sicherer werden. Doch zur Verwirklichung seiner Ideen braucht er Geld. Das kommt von Karl Lanz, Inhaber der größten Landmaschinen-Fabrik Europas und Flug-Fan.

1909 schließen Lanz und Schütte einen Vertrag. Lanz finanziert die Arbeiten und stellt das Gelände zur Verfügung: 100 Hektar südlich von Mannheim (heute dort: der Rheinauer See), damals Gemarkung der Gemeinde Brühl. Hier entsteht ein 138 Meter langer Hangar. In Spitzenzeiten sind hier 1450 Arbeiter und 300 Angestellte tätig.

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Doch das Luftschiff bleibt ein Ladenhüter, Graf Zeppelin ist einfach erfolgreicher. Der einzige Abnehmer ist das Militär. Als 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, besitzt die Armee bereits ein Luftschiff, bis 1918 sind es 20. Der strategische Nutzen der schwerfälligen Gefährte ist jedoch gering, mehr als Schrecken zu verbreiten, können sie nicht: Die SL 11 wirft zwar am 2. September 1916 zwei Tonnen Bomben auf London ab, wird aber am Tag danach von einem englischen Flieger abgeschossen.

Ihre ausschließlich militärische Nutzung wird dieser Technologie denn auch zum Verhängnis. Denn der Versailler Friedensvertrag untersagt Deutschland Luftstreitkräfte. So wird die Werft von den Franzosen bis Ende 1922 geschleift - das Aus nach 22 Luftschiffen. Damit ist die Geschichte der Firma Schütte-Lanz aber nicht beendet. Ihr Know-how, das sie beim Bau der Holzgerippe für die Luftschiffe entwickelt haben, nutzen die Beschäftigten fortan für zivile Holzprodukte. 1922 wird in den Brühler Werkstätten die Schütte-Lanz-Holzwerke AG gegründet. 2007 schließt auch diese ihre Tore.

An Konstrukteur Johann Schütte erinnert im Mannheimer Stadtteil Schönau eine Straße. An seinem Geburtsort Oldenburg wird diskutiert, die ihm gewidmete Straße umzubenennen. Grund ist seine spätere Verstrickung in den Nationalsozialismus.

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