Krisensicher in die Zukunft

Umdenken: Genossenschaftlich organisierte Weingüter statt Bankenabhängigkeit

Von 
soz
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Die Corona-Krise stellt viele Klein- und Familienbetriebe auf die Probe. Umsatzeinbrüche waren im vergangenen Jahr keine Seltenheit. Viele Weingüter wurden mit der Corona-bedingt wegfallenden Catering- und Eventbranche zum Umdenken angeregt. Eine ganz neue und krisensicherere Herangehensweise könnte die Weinbaubranche revolutionieren.

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Genossenschaftlich organisierte Weingüter könnten die Zukunftsperspektive sein – bisher ist das eine Seltenheit im Weinbau. Und damit sind nicht Winzergenossenschaften gemeint. Anders als bei Betrieben, die durch Bankenkredite finanziert sind, fungiert der Gewinn bei einem genossenschaftlich organisierten Betrieb nicht mehr als Hauptziel. Der Fokus verschiebt sich auf den Kunden. Neben drei bis vier förderfähigen Mitgliedern, können Kunden Anteile des Betriebs erwerben und finanzierende Mitglieder werden.

Wenn Gewinne nicht mehr im Vordergund stehen, könnten auch mal ökologische Maßnahmen in den Fokus rücken. © stock.adobe.com - jackfrog

Ziel des Ganzen ist der Erhalt des Weinguts. Der ehemalige Familienbesitz oder das Privatvermögen gehen komplett an die Genossenschaft. Ebenso kann kein Geld an bestimmte Personen ausbezahlt werden. Es geht dabei nicht mehr darum, Gewinne ins Maximum zu steigern, sondern auch ökologische oder personelle Maßnahmen zu ermöglichen. Jeder erwirtschaftete Euro kann so zurück in den Betrieb fließen – an die Stellen, an denen es benötigt wird.

Gerade natur- und umweltschützende Investitionen stehen bei bankenfinanzierten Betrieben oft hinten an, da diese zunächst nicht gewinnbringend sind.

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Ein ressourcenschonender Weinanbau nimmt bei Winzern und Kunden aber einen immer höher werdenden Stellenwert ein.

Wenn Mitinhaber nicht ausbezahlt werden, warum sollte ein Kunde also investieren? Als Anreiz für potenzielle Anteilserwerber könnte beispielsweise ein vergünstigter Weinpreis dienen. Zudem entsteht eine persönliche Bindung des Kunden zum Betrieb. Wie schön ist es, zu wissen, den eigenen Wein zu trinken?

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Da die Finanzierung nicht mehr dem Gewinn der Inhaber dient, sondern sich auf den Fortbestand des Betriebs, ökologische Maßnahmen und einen stabilen Weinpreis fokussiert, steigt bei vielen das Interesse und die Bereitschaft, Teil des Systems zu werden und es zu unterstützen.

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Zudem wird durch die genossenschaftliche Organisation eines Betriebs ein Innovationsstop verhindert. Hat sich zuvor die Entwicklung auf den oft holprigen Generationenwechsel von Winzer und Nachkommen beschränkt, erhalten die Inhaber auf diese Weise breit gefächerte Rückmeldung von den Genossenschaftsmitgliedern. Und zudem möglicherweise eine ganz neue Perspektive auf anstehende Entscheidungen. soz