Neckar-Bergstraße - Der Schriesheimer Sebastian Cuny (SPD) kandidiert zwar erstmals für den Landtag, ist jedoch ein seit vielen Jahren erfahrener Kommunalpolitiker Sebastian Cuny: Aus dem Gemeinderat in den Landtag

Von 
Konstantin Groß
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Ein Vormittag im Februar. Sonnenschein, trotzdem vier Grad minus. Gleichwohl sind die Fenster des Raumes zum Kanzelbach hin weit geöffnet. Corona lässt grüßen. So sitzen wir an verschiedenen Enden eines langgezogenen Tisches. In Sichtweite des Gastgebers liegt sein Laptop, daneben Post, oben drauf das Anschreiben eines regionalen Fernsehsenders mit der Bitte um ein Vorstellungsvideo. „Derzeit ist alles Wahlkampf“, sagt der Gastgeber.

Sebastian Cuny in Schriesheim unterwegs mit dem Rad – natürlich einem roten. © Marcus Schwetasch
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Der Gastgeber, das ist Sebastian Cuny. Im Gegensatz zu den Bewerbern von Grünen und CDU sitzt der Sozialdemokrat noch nicht im Landtag. Doch dort will er hin. „Was ich mal werden möchte“, so eine Frage, die er sich auf seiner Website selbst stellt. „Landtagsabgeordneter“, lautet die Antwort in Schreibschrift.

Zur Person

Name: Sebastian Cuny

Alter: 42 Jahre

Ausbildung: St. Raphael Gymnasium Heidelberg, Studium der Politikwissenschaften sowie der Neueren und der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Mannheim, Fernstudium PR-Management

Beruf: Selbstständiger PR-Berater (u. a. Mitinitiator des Schriesheimer Einkaufsgutscheins „Strahler“)

Ehrenamtliches Engagement: viele Jahre im Förderkreis Partnerschaft Schriesheim-Uzès

Familie: verheiratet, ein Sohn (6)

Politik: Mitglied des Gemeinderates der Stadt Schriesheim, Sprecher der SPD-Fraktion, stellvertretender Kreisvorsitzender SPD Rhein-Neckar

Wohnort: Schriesheim

Telefon: 06203/43 09 100

E-Mail: anliegen@sebastian-cuny.de

Social Media: www.facebook.com/cuny.sebastian, www.instagram.com/seb.cuny, www.twitter.com/scuny

Website: sebastian-cuny.de -tin

An der B 3/Kreuzung zur Talstraße – zentraler geht es wirklich nicht in Schriesheim – steht ein Großplakat mit seinem Konterfei. „Schon seltsam, sich so zu sehen“, schmunzelt er. Doch irgendwie ist dieser Standort an seinem Wohnhaus auch symbolisch. Politik prägt nicht nur aktuell das Leben von Sebastian Cuny, sondern schon sehr lange.

„Seit Kindesbeinen an wurde bei uns in der Familie über Politik gesprochen“, berichtet er. Ort dafür ist der samstägliche Familienkaffee bei der Oma in Edingen-Neckarhausen. „Da waren durchaus verschiedene Richtungen vertreten.“ Die seiner Eltern allerdings in der Minderheit.

In der Jugend „Presseclub“

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Der Vater, Franzose, der durch seinen Aufenthalt in der Region seine Frau findet, ist glühender Anhänger des sozialistischen Präsidenten Mitterrand. Mit seinem Sohn schaut er jeden Sonntag den „Presseclub“ und „interpretiert das zu Hörende in sozialdemokratischem Sinne“, wie Cuny schmunzelnd formuliert. Die Mutter vermittelt dem Einzelkind den Wert des Teilens; Solidarität heißt das auf sozialdemokratisch.

Im Gymnasium gewinnt Cunys politische Haltung Kontur. Es ist die Endzeit von Helmut Kohl, dessen Behäbigkeit ihn nervt. Wie dynamisch wirkt dagegen Gerhard Schröder! Mit 16 tritt Cuny der SPD bei. Im Ortsverein nimmt ihn die Vorsitzende Irmgard Mohr freundlich auf, Stadtrat Karl-Heinz Schulz unter seine Fittiche. Man ist froh, dass jemand das damals brisante Thema „Kommunale Jugendarbeit“ für die SPD authentisch vertreten kann. 1996, mit 18, organisiert er eine Infoveranstaltung zum Thema Jugendgemeinderat im Ratssaal; sie wird Keimzelle des heutigen Gremiums.

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Dann geht es Schlag auf Schlag: 1999 erste Kandidatur, 2004 Wahl zum Gemeinderat, Ortsvereinsvorsitzender, Fraktionschef. Doch einem ambitionierten wie talentierten politischen Kopf reicht das bald nicht. Die nächste Stufe lockt, die Landespolitik. 2010 kandidiert Cuny als Ersatzbewerber für Gerhard Kleinböck, wird dessen Mitarbeiter. Er verfasst Pressemitteilungen, bereitet parlamentarische Anfragen und Anträge mit vor, von der Schule bis zum Verkehr. „So kam ich in nahezu alle landespolitischen Themen rein.“ Als sich bei den Genossen im Wahlkreis der Wunsch nach Generationswechsel artikuliert, wirft Cuny seinen Hut in den Ring. Es knirscht im Gebälk, für alle Beteiligten sind es emotional harte Zeiten. „Ohne meinen Ehemann hätte ich dies nicht durchgestanden“, bekennt Cuny.

Auf dem Spielplatz ohne Handy

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Die Befürchtung der Anhänger und die Hoffnung der Gegner, die SPD sei danach gelähmt, tritt nicht ein. „Das Engagement ist groß“, sagt Cuny, auch bei Ortsvereinen, die ihn anfangs nicht unterstützen: „Sonst hätte ich doch gar nicht 70 000 Flyer unter die Leute bringen können.“

Vor allem helfen ihm sein Mann und sein Sohn: „Flyer austragen ist Familiensache.“ So hat der Wahlkampf das Familienleben verändert. Der Sohn ist vormittags in der Notbetreuung. In diesen fünf Stunden muss Cuny das meiste wegarbeiten, und dann abends, wenn der Kleine schläft. Zwischendurch will er sich ihm ganz widmen, schaltet beim Spielen sogar das Handy ab: „Aber man hat doch ein schlechtes Gewissen, einen wichtigen Wahlkampf-Anruf zu verpassen“, bekennt er.

Dieser Wahlkampf ist ohnehin ungewohnt. Einer fast ohne persönliche Kontakte. Infostände sind zwar erlaubt, doch Cuny entscheidet sich dagegen: „Wir als Politik können nicht den Menschen Kontaktverbote auferlegen und selbst Aktivitäten starten, mit denen wir mit möglichst vielen in Kontakt treten wollen.“ Cuny weiß, dass er mit dem Kampf um das Direktmandat nicht viel zu tun haben wird. Dennoch, das ist seine Botschaft, jede Stimme für ihn zählt. Es gibt die Zweitauszählung, bei der es darauf ankommt, wie viele Stimmen jeder Kandidat hat. Das ist Cunys Chance. Eine realistische.

Von dem Amt hat er klare Vorstellungen: „Ein Abgeordneter ist vor allem Türöffner.“ Er soll Anliegen von Bürgern und Kommunen in Stuttgart vorbringen. So beim aktuellen Thema Verkehrslärm: „Hier kann Landespolitik konkret etwas tun.“

Und dann gibt es ja noch die großen Landes-Themen. Etwa die SPD-Forderung nach Gebührenfreiheit für Kinderbetreuung: „Da stehe ich 1000-prozentig dahinter.“ Der Sozialausschuss wäre daher das Gremium, in dem er als Abgeordneter gern Mitglied wäre. Und als Halbfranzose natürlich auch im Europaausschuss.

Am Wahltag will er mit seiner Familie einen Ausflug machen. Gegen 21, spätestens 22 Uhr steht fest, ob er es geschafft hat. Sein Vater in Frankreich, inzwischen Macron-Anhänger, ist schon jetzt voll des Stolzes auf seinen Sohn. Seine Mutter lebt nicht mehr, doch sie hat den Beginn der Karriere ihres Sohnes noch verfolgen können. Mit seiner Wahl würde sich für Cuny ein Kreis schließen.

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