Neckar-Bergstraße - Initiative „Maria 2.0“ beteiligt sich auch in der Region an bundesweiter Aktion / Frauen fordern vollständige Teilhabe Katholikinnen schlagen Thesen an die Kirchen

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Hans-Jürgen Emmerich
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An 31 Türen der katholischen Kirchen im Dekanat Mannheim haben Frauen der Initiative „Maria 2.0“ ihre sieben Thesen angeschlagen. © Elisabeth Kohm

Mannheim. So wie es einst Martin Luther im Jahre 1517 an der Schlosskirche zu Wittenberg getan haben soll, haben es am Sonntag Frauen der Reformbewegung Maria 2.0 getan. Bundesweit befestigten die Katholikinnen ihre Thesen an die Türen der Kirchen, allerdings nur sieben, und nicht 95 wie der Reformator.

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„Wir hängen unsere Thesen für eine lebendige Kirche an Dom- und Kirchentüren“, heißt es dazu in einer Erklärung der Initiative. Ziel sei es, auf die „eklatanten Missstände in der katholischen Kirche“ hinzuweisen und die Forderungen nach Reformen „hin zu einer zukunftsfähigen, geschwisterlichen und vielgestaltigen Kirche“ zu untermauern.

In Mannheim war Elisabeth Kohm aus Neckarhausen aktiv, zusammen mit zwei weiteren Frauen und einem der Ehemänner. Insgesamt 31 Kirchen im Dekanat sollten berücksichtigt werden, und zwar von Samstagnachmittag bis Sonntagmorgen. Mit ihrer Aktion schaffte es die bundesweit tätige Initiative auch in die Tagesschau und die Tagesthemen. „Mit diesem Echo sind wir sehr zufrieden“, freut sich Kohm. Soweit sie bislang sagen kann, blieben die Plakate mit den Thesen auch fast überall hängen. „Außer in Seckenheim, aber da haben wir schon wieder Ersatz angebracht“, erklärt sie.

„Ein Riesenkraftakt“

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Kinderspiel, war in Wirklichkeit „ein Riesenakt“, wie Kohm erklärt. Denn die Thesen sollten in ganz Deutschland und teilweise auch in Österreich und in der Schweiz fast auf die Stunde genau überall gleichzeitig angeschlagen werden. Neben den Kirchen in Mannheim und in der Seelsorgeeinheit St. Martin mit Edingen und Neckarhausen waren auch Gotteshäuser in Heidelberg und an der Bergstraße einbezogen. „In Zukunft wollen wir uns noch stärker vernetzen“, kündigt Elisabeth Kohm an. Das gelte sowohl für das Bistum Freiburg als auch für die Region zwischen Neckar und Bergstraße.

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Im Mittelpunkt der Thesen steht die Forderung nach Zugang aller Menschen in der katholischen Kirche zu allen Ämtern. Die Macht soll zudem geteilt werden: „Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.“ Taten sexualisierter Gewalt sollen umfassend aufgeklärt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Dabei kritisiert die Initiative: „Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.“ Auch bunt wünschen sich die Frauen von Maria 2.0 ihre Kirche: „Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend.“ Schließlich fordern die Katholikinnen die Abschaffung des Pflichtzölibats, ein verantwortungsvolles und nachhaltiges Wirtschaften nach christlichen Prinzipien: „Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.“

Info: Mehr zur Initiative: www.mariazweipunktnull.de

Redaktion Aus Leidenschaft Lokalredakteur seit 1990, beim Mannheimer Morgen seit 2000.