Protest Junge Frauen kreiden verbale sexuelle Belästigung an

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dpa
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Melina Crispin, Aktivistin, schreibt mit Kreide einen anzüglichen Kommentar "#Stoppt Belästigung Ok, darf ich Sie dann mal besteigen? catcallsofmainz" auf einen Bürgersteig in der Innenstadt. Frauen aus Hessen und Rheinland-Pfalz kämpfen gegen verbale sexuelle Belästigung. © Andreas Arnold

Rheinland-Pfalz/Hessen. "Ok, darf ich Sie dann mal besteigen?", schreibt Melina Crispin in großen Buchstaben mit gelber Kreide auf die Straße mitten in der Mainzer Innenstadt. Dazu: "#Stoppt Belästigung." Später fotografiert die Studentin aus Mainz ihr Werk und veröffentlicht es auf der Foto-Plattform Instagram. "Ankreiden" nennen die jungen Frauen aus Mainz und Trier, Wiesbaden, Offenbach oder Frankfurt ihre Aktion. Das Ziel: Verbale sexuelle Belästigungen, sogenannte "Catcalls", öffentlich machen. Denn die Sprüche und Kommentare spielen sich zwar in aller Öffentlichkeit ab, werden aber dennoch oft überhört und übersehen.

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Ihren Ursprung hat die "Chalk Back"-Bewegung, also das "Ankreiden", in New York. Hier entstand auch der englische Begriff für das Phänomen "Catcalling", das sich zwar meist gegen Frauen richtet, im Grunde jedoch jeden treffen kann. Dazu gehören neben unerwünschten Kommentaren und Gesten auch Pfiffe oder anzügliche Geräusche und Hupen oder Anfassen.

Mittlerweile sammeln weltweit vorwiegend junge Frauen sexuelle Anfeindungen über Instagram. Allein in Rheinland-Pfalz gibt es derzeit vier Accounts, in Hessen sind es acht, die ehrenamtlich betreut werden. Weil sie immer wieder Nachrichten mit sexuellen Übergriffen, Vergewaltigungen oder Stalking erhalten, arbeiten sie mit den Frauennotrufen in ihren Städten zusammen oder verweisen an Beratungsstellen wie etwa Pro Familia, Zora in Wiesbaden oder Wildwasser in Darmstadt.

"Es geht darum, ein Zeichen zu setzen und abzuschrecken", meint dagegen Crispin aus Mainz. Zudem könne es Frauen in ihrem Selbstverständnis bestärken, glaubt Marlene Zimmer, die den Frankfurter Catcalls-Account betreut. Sie wünscht sich mehr Bewusstsein für das Thema, es sei kein Luxusproblem von Frauen, die sonst keine anderen Sorgen hätten. 

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