Seckenheim - Bagger beschädigt Wasserleitung im Norden des Stadtteils / Versorgung rund 23 Stunden unterbrochen „Ich habe einfach die Suppe von Montag aufgewärmt“

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Torsten Gertkemper
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An diesem Ort, der Einmündung der Brettener in die Zähringer Straße, hatte ein Bagger die in vier Metern Tiefe liegende Leitung beschädigt. © Gertkemper

So etwas hat Margarethe Maier (Name von der Redaktion geändert) selten erlebt. „Überall auf der Straße war Wasser, ich bin nicht mehr auf die andere Seite gekommen“, erzählt die Seckenheimerin. Sie wohnt direkt neben der Baustelle in der Zähringer Straße. Dort hatte ein Bagger am Dienstag eine Wasserleitung beschädigt. Das Rohr ging zu Bruch, Wasser floss über die Straße. Doch damit nicht genug: Kurze Zeit später lief bei ihr kein Wasser mehr aus dem Hahn. „Kein Wasser haben – solche Erzählungen kennt man eigentlich nur von seinen Eltern“, sagt Maier.

Beschädigung durch Bagger Wasserversorgung in Seckenheim stundenlang unterbrochen

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Rund 200 Haushalte im Norden Seckenheims waren laut MVV zeitweise von dem Wasserrohrbruch betroffen. Nach Angaben eines Sprechers war eine sogenannte Spundwand für den Wasserrohrbruch verantwortlich. Solche Bauteile werden verwendet, um eine Baugrube seitlich abzustützen. Als der Bagger diese Wand in den Boden trieb, erwischte er dabei die Leitung.

Schaden und Notfall

Die beschädigte Wasserleitung hatte einen Durchmesser von 35 Zentimetern.

Damit hat sie nach Angaben der MVV eine mittlere Größe.

Der Schaden wurde behoben, indem die Bauarbeiter das Rohr auf einer Länge von einigen Metern austauschten.

Für Notfälle bietet der Energie- und Wasserversorger unter 0800/290 10 00 eine kostenlose Hotline an. Sie ist 24 Stunden besetzt - auch an Sonn-und Feiertagen. Sie können Betroffene auch bei Gasgeruch und Stromausfall anrufen. tge

Bauarbeiten bei Nacht

Wie Anwohner und MVV übereinstimmend berichteten, versuchten Bauarbeiter in der gesamten Nacht auf Mittwoch, das Rohr abzudichten. Nach Angaben des Energieversorgers war das Problem gegen 12 Uhr mittags behoben. „Anschließend wurde die Leitung unter Beachtung der Vorgaben der Trinkwasserhygiene gespült und befüllt und damit die Versorgung wieder komplett hergestellt“, so der Sprecher weiter. Gegen 14 Uhr seien alle Haushalte wieder mit Wasser versorgt gewesen. Während der Reparatur war die Leitung allerdings abgestellt – seit Dienstag, 15 Uhr. Die Reparaturarbeiten seien „besonders aufwendig“ gewesen, so die MVV. Der Grund: Der Graben hatte eine Tiefe von rund vier Metern.

Besonders die Anwohner unmittelbar an der Baustelle bekamen die Folgen des Wasserrohrbruchs zu spüren. „Ich habe die Nacht nur zwei Stunden geschlafen“, berichtet Ismail Aglikat. Er wohnt nicht weit von der Baugrube entfernt. Der Bagger sei schon recht laut gewesen, erzählt er. Auch Margarethe Maier tat sich mit dem Schlafen schwer. „Auf der anderen Seite, die Leute machen hier auch nur ihre Arbeit“, sagt die Anwohnerin.

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Während der Reparaturarbeiten wurden die betroffenen Anwohner über einen Hydranten in der Zähringer Straße mit Wasser versorgt. Einige kamen mit dem Kanister vorbei. Das war allerdings nicht für alle eine machbare Lösung, so auch für den katholischen Kindergarten in der Sinsheimer Straße. Für Personal und Kinder war das fehlende Wasser eine „absolute Ausnahmesituation“, berichtet Juliane Hauck. Sie ist Kindergarten-Geschäftsführerin der katholischen Gesamtkirchengemeinde und mit für die Verwaltung der Einrichtung zuständig.

Am Mittwoch war das Kinderhaus St. Adalbert in der Sinsheimer Straße zunächst geschlossen. Die meisten Kinder blieben zu Hause oder wurden von den Eltern mit zur Arbeit genommen. Zehn Kinder seien in einem Partnerkindergarten untergekommen, so Hauck. Insgesamt waren 62 Kinder, davon 20 unter drei Jahren, von der Störung betroffen. „In dem Haus wird gekocht, Kinder müssen gewickelt werden. All das ist ohne eine funktionierende Wasserversorgung unmöglich“, erklärt Hauck die vorübergehende Schließung. Am heutigen Donnerstag laufe der Betrieb aber wieder normal.

Pragmatische Lösungen

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Auch für die anderen Anwohner war die Zeit ohne Wasser nicht einfach. „Wenn man Dusche und Toilette nicht benutzen kann, ist das schon extrem ärgerlich“, sagt Aglikat. Andere versuchen, dem Ganzen noch etwas Positives abzugewinnen, so zum Beispiel Teodozja Weniger. Die gebürtige Polin konnte gerade noch eine kleine Schüssel mit Wasser füllen, als sie merkte, dass immer weniger aus dem Hahn kam. Weil kein Wasser da war, konnte sie nicht kochen. „Aber das ist gar nicht so schlecht. Ich habe einfach die Suppe von Montag aufgewärmt und hatte deshalb sogar weniger Aufwand“, erzählt die 80-Jährige mit einem Schmunzeln.

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Info: Mehr Bilder unter morgenweb.de/seckenheim

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Redaktion Redaktion Neckar-Bergstraße, zuständig für Ilvesheim und Friedrichsfeld