Neckar-Bergstraße - Fibernet und Gemeinde Heddesheim investieren 1,5 Millionen Euro in Ausbau / 90 Prozent Fördermittel erwartet Glasfaser im Gewerbegebiet mit kostenlosen Anschlüssen

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Hans-Jürgen Emmerich
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Thomas Heusel (v.l.), Bürgermeister Michael Kessler und Frank Bartmann mit Leerrohren für Glasfaserkabel vor dem Rathaus in Heddesheim. © EMmerich

Das Gewerbegebiet in Heddesheim soll spätestens bis Oktober 2020 flächendeckend mit Glasfaseranschlüssen versorgt sein. Das haben Bürgermeister Michael Kessler und Vertreter des Zweckverbands Fibernet Rhein-Neckar am Montag bei einer Pressekonferenz im Rathaus mitgeteilt. Insgesamt müssen dafür rund 1,5 Millionen Euro investiert werden.

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„Ein spannendes Projekt“, formuliert Kessler und freut sich, dass nun endlich Licht am Ende des Tunnels ist. Licht ist in diesem Falle wörtlich zu nehmen, denn das schnelle Internet per Glasfaser nutzt genau dieses zur Übertragung von Daten. „Schneller als Lichtgeschwindigkeit geht nicht“, erläutert Diplom-Ingenieur Frank Bartmann, Leiter Vertrieb und Kundenbetreuung im Zweckverband High-Speed. Das Netz, das jetzt entstehe, ist gigabitfähig, kann also weitaus schneller übertragen als herkömmliche DSL-Leitungen.

Knackpunkt ist nicht nur die höhere Datenmenge, wie Bartmann erklärt, sondern die Reaktionszeit: „Per Glasfaser können Sie ruckelfrei TV schauen und Filme herunterladen.“ Dieser Performancegewinn gegenüber DSL sei wesentlich effektiver als die Erhöhung der Geschwindigkeit von beispielsweise 30 Mbit/Sekunde in den Gbit-Bereich.

„Ich bin glücklich, dass das Projekt bei uns beginnen kann“, sagt Bürgermeister Kessler. Denn für das Gewerbegebiet sei schnelles Internet von entscheidender Bedeutung. „Hier gibt es fast 5000 Arbeitsplätze“, betont er. Bis zu 300 Gewerbetreibende könnten hier das Angebot nutzen, hat man bei Fibernet berechnet. Sie alle erhalten in diesen Tagen Post vom Zweckverband und der Gemeinde. In dem Brief werden sie über die Ausbaupläne informiert und erhalten auch gleich ein Antragsformular für einen Hausanschluss. Und das tatsächlich zum Nulltarif.

Der Bund hilft

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Dank eines speziellen Förderprogramms des Bundes rechnen Gemeinde und Zweckverband mit Zuschüssen in Höhe von bis zu 90 Prozent der förderfähigen Kosten. Am Ende werden also 75 bis 80 Prozent der 1,5 Millionen Euro von Bund und Land zurückfließen, so rechnet Thomas Heusel, operativer Leiter von Fibernet, vor. Ein Vorteil, der an die Endverbraucher weitergegeben werden soll. Sie können sich jetzt kostenlos das Glasfaserkabel bis ins Haus legen lassen. Normalerweise wären dafür heutzutage mindestens 1200 Euro zu zahlen.

„Wir wollen uns um eine hohe Anschlussquote bemühen“, betont Bürgermeister Kessler und wirbt: „Es wäre ein großer Fehler, sich jetzt nicht anzuschließen.“ Denn der Anschluss ist kostenlos, jedoch nicht mit einer Verpflichtung verbunden, die Dienste des Fibernet-Partners Netcom BW in Anspruch zu nehmen. Für diesen Netzbetreiber können sich die Gewerbetreibenden später entscheiden, genauso wie für einen Mitbewerber wie Telekom oder Unitymedia. Denn auch sie dürfen das neue Glasfasernetz nutzen – wenn sie wollen. Fibernet ist gesetzlich dazu verpflichtet, ihnen das Netz zur Verfügung zu stellen – gegen Bezahlung, versteht sich. „Wir würden die Telekom herzlich willkommen heißen, sie kommt bloß nicht“, schränkt Heusel ein.

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Heddesheim ist das erste von 14 ausgewählten Gewerbegebieten im Rhein-Neckar-Kreis, in denen das Glasfasernetz jetzt gebaut werden soll. Aus dem Verbreitungsgebiet dieser „MM“-Ausgabe gehören außerdem Hirschberg und Schriesheim dazu. Der Zweckverband Fibernet Rhein-Neckar war bereits 2014 gegründet worden, weil keine flächendeckende Glasfaserversorgung durch private Telekommunikationsunternehmen in Sicht war, Er schafft nur die passive Struktur, „also alles, was keinen Strom benötigt“, wie Heusel erklärt. Alles andere macht der Netzbetreiber.

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Am Ende ist die Arbeit des Verbands allerdings noch lange nicht. Bis tatsächlich flächendeckend in allen Städten und Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises Glasfaser bis ins Haus liegt, werden nach Einschätzung von Kessler mindestens noch 20 Jahre ins Land gehen. Wo zuerst ausgebaut wird, sei letztlich eine politische Entscheidung: „Da wird man ringen müssen um die Abfolge.“ Heddesheim jedenfalls will dank seiner guten Versorgung innerhalb der Gemeinde hier den anderen den Vortritt lassen.

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Redaktion Aus Leidenschaft Lokalredakteur seit 1990, beim Mannheimer Morgen seit 2000.