Schriesheim - Startschuss für das schriftliche Abitur / 96 Prüfungskandidaten am Kurpfalz-Gymnasium Das schriftliche Abi hat begonnen

Von 
Gerlinde Gregor
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Noch ein paar aufmunternde Worte, dann geht es los mit dem Aufsatz: Die Abiturienten schreiben ihre Prüfungen in der Schulsporthalle. © Gerlinde Gregor

Das Abitur 2020 wird mit Sicherheit in die Geschichte eingehen, wahrscheinlich als das „Corona-Abi“. Und das aus gutem Grund: Einmal mussten die schriftlichen Prüfungen aufgrund der Pandemie um gut vier Wochen verschoben werden. Zum anderen waren die Prüflinge während der heißen Phase des Lernens auf sich allein gestellt.

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Obendrauf kommt der Umstand, dass es diesmal am Kurpfalz-Gymnasium keine feierliche Verabschiedung mit Musik und Dankesreden geben wird, und dass die Absolventen auf ihren Abiball verzichten müssen. Voraussichtlich werden sie ihre Reifezeugnisse unspektakulär und wahrscheinlich auch ohne einen freundschaftlichen, warmen Händedruck im Zimmer des Schulleiters ausgehändigt bekommen.

Doch davor liegen gleichwohl die Prüfungen. Sie begannen am Mittwoch traditionell mit dem Fach Deutsch. Auch wenn einige der Prüflinge nach wochenlangen Schulschließungen aufgrund der Pandemie mit äußerst gemischten Gefühlen in die Klausur gingen, waren doch die meisten der 96 Abiturienten recht gelassen. So standen einige noch ziemlich entspannt vor der Schulsporthalle, plauderten und lachten. Abstand halten war bei dieser Prüfung angesagt, nicht aus Furcht, man werde verleitet, beim Nachbarn abzuschreiben, sondern vielmehr wegen der strengen Corona-Hygieneauflagen.

Nun doch kein „Faust“

Die Tische standen genau auf den vorgeschriebenen Abstand ausgerichtet, darauf befanden sich neben einem Namensschild ein Rechtschreib-Lexikon und die Schullektüren. Daneben hatte der eine oder andere derartige Mengen an Lebensmitteln aufgebaut, dass sie schon fast für einen mehrtägigen Wanderausflug gereicht hätten. Fünf Lehrer patrouillierten durch die Reihen und sammelten die letzten Handys ein.

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Während sie noch auf den Startschuss warteten, überlegten manche Prüflinge laut, welches ihr bevorzugtes Thema wäre. „Ich werde die Gedichtinterpretation nehmen“, hatte sich einer bereits entschieden mit Blick auf Goethes Faust, eine der Pflichtlektüren. „Faust und den goldenen Topf mag ich nicht“, erklärte er kategorisch und benannte beide Werke als langweilig. Ein weiterer hatte sich bereits auf eine Erörterung festgelegt: „Da kann ich so richtig meine Gedanken fließen lassen“. Kurz vor dem Startzeichen begrüßte Schulleiter Jürgen Sollors die Prüflinge, machte sie mit einigen Regularien bekannt und wünschte allen gutes Gelingen mit den aufmunternden Worten, „viel Erfolg, viel Glück und bleibt entspannt“.

315 Minuten hatten die Prüflinge Zeit, sich mit einem der fünf Themen auseinanderzusetzen, die die Abteilungsleiterin im Fach Deutsch, Demet Üstünel-Hartbauer, vorstellte. Einige waren nun schon enttäuscht, gehörte doch „der Faust“, den sie sich mühevoll erarbeitet hatten, gar nicht zu den gestellten Aufgaben und konnte nun wieder vom Pult verschwinden.

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Recht anspruchsvoll war dagegen der Literaturvergleich, der E.T.A. Hoffmanns „Goldenen Topf“ ebenso einbezog wie Hermann Hesses „Steppenwolf“; hier ging es um einen Vergleich der jeweiligen Protagonisten und um ein Zitat von Wilhelm Raabe. Weiter standen zwei Gedichte zur Auswahl wie auch die Interpretation einer Kurzgeschichte. Wer wollte, konnte sich auch an der Ausarbeitung eines Essays versuchen, musste sich dafür aber zunächst durch mehrere Seiten an Material arbeiten.

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Das fünfte Thema bestand schließlich aus einer Text-Analyse. Üstünel-Hartbauer zeigte sich nach einem Überblick über den Stoff zuversichtlich: „Die Themen sind alle gut zu bewältigen.“ Sie bescheinigte, dass alle Schüler mit einem guten Rüstzeug in die Prüfung gegangen seien.

Kommende Woche geht es weiter

Den „Steppenwolf“ nannte sie schon recht anspruchsvoll, weshalb die Abiturienten im Frühjahr, noch vor der Corona-Krise, eine Lesung im Heidelberger Stadttheater besuchten. Zudem hätten die Abschlussklassen in den vergangenen Tagen sämtliche Themen nochmals durchgearbeitet, die in der letzten Klausur abgefragt wurden. „Diese konnte man als eine Generalprobe für das Abitur nennen“, so die Deutschlehrerin. Die Prüfungswoche ist für die Oberstufenschüler damit vorbei, denn wegen des Feiertags geht es erst in der kommenden Woche weiter. Dann sind Mathe und Englisch an der Reihe.

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