Natur Auwaldzecke breitet sich im Land aus

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dpa
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Bis vor wenigen Jahren galt vor allem der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) als Übeltäter. Inzwischen wurde das FSME-Virus nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) jedoch auch in Auwaldzecken nachgewiesen. © Patrick Pleul

Baden-Württemberg. Dermacentor reticulatus. Das klingt ein wenig nach dem großen Bruder des Terminators, jener ballernden Mensch-Maschine aus den gleichnamigen Hollywood-Blockbuster. Aber weit gefehlt. Denn hinter dem lateinischen Namen versteckt sich die sogenannte Auwaldzecke, ein kleines und dennoch nicht waffenloses braunes Krabbeltier, das vor allem für Hunde und Pferde, ein wenig aber auch für den Menschen zum gefährlichen Begleiter wird. Und das nicht nur in der bislang als Zeckenzeit bekannten Phase ab März oder April, sondern rund ums Jahr und im ganzen Land.

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Denn der größte Freund der Auwaldzecke - auch Winterzecke genannt - ist der Klimawandel. Es wird wärmer. Das kommt der Buntzeckenart schon seit längerem sehr entgegen. Sie sucht im Gegensatz zu ihren seit Jahren etablierten Verwandten schon bei Temperaturen um die vier Grad aktiv nach Wirten, die sie stechen könnte. Und damit steigt das Risiko für Menschen, früher im Jahr an Erregern zu erkranken, die durch Zecken übertragen werden - etwa an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), auch wenn die Gefahr insgesamt noch sehr klein ist.

Zahl der FSME-Fälle in Baden-Württemberg mehr als verdoppelt

In Baden-Württemberg sind im vergangenen Jahr laut Landesgesundheitsamt 351 Menschen an FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) erkrankt. "Das sind mehr als doppelt so viele wie im Jahr zuvor und die höchste Anzahl der registrierten Infektionen seit dem Jahr 2001", sagte eine Sprecherin des LGA in Stuttgart der Deutschen Presse-Agentur. Die Krankheit wird durch Zeckenbisse übertragen und kann unter anderem mit einer Hirnhautentzündung einhergehen.

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2019 waren nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart im gesamten Jahr 172 FSME-Erkrankungen gemeldet worden. Außer dem Stadtkreis Heilbronn sind in Baden-Württemberg nach wie vor alle Stadt- und Landkreise FSME-Risikogebiete.

Eine Impfung wird Menschen empfohlen, die sich in der Natur aufhalten und ein Risiko für Zeckenstiche haben. Sie sollte frühzeitig vor dem Sommer beginnen, weil zwischen den insgesamt drei Impfterminen genügend Zeit verstreichen muss. In Risikogebieten wie Baden-Württemberg und Bayern werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen. Für die Behandlung der FSME gibt es dagegen keine Medikamente.

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Die meisten FSME-Infizierten bleiben zwar beschwerdefrei. Aber in schweren Fällen kann diese Viruserkrankung zu einer Gehirnentzündung und zu einer Schädigung des Rückenmarks führen. Bis vor wenigen Jahren galt vor allem der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) als Übeltäter. Inzwischen wurde das FSME-Virus nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) jedoch auch in Auwaldzecken nachgewiesen. Forscher beobachten beide.

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Auch die Corona-Pandemie hat etwas damit zu tun, dass die Gefahr durch die Zecken insgesamt steigt. "Bedingt durch die empfohlenen Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 haben sich Menschen in Ihrer Freizeit häufiger im Freien aufgehalten und hatten somit ein erhöhtes Expositionsrisiko", heißt es beim Landesgesundheitsamt (LGA) in Stuttgart.

Kann bei Hunden und Pferden zum Tode führen

FSME ist von wenigen Landkreisen abgesehen vor allem in Süddeutschland bis hinein nach Hessen, Thüringen und Sachsen verbreitet. Gegen diese Krankheit gibt es eine Impfung, nicht jedoch gegen die in ganz Deutschland verbreitete Borreliose.

Die Zeckenexpertin Ute Mackenstedt von der Stuttgarter Uni Hohenheim hatte nach den ersten Funden von Hyalomma-Zecken und der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) in Deutschland vor knapp zwei Jahren dazu aufgerufen, verdächtige Zecken einzusenden. So wurden nach ihren Angaben bislang rund 9000 Exemplare eingeschickt und untersucht, darunter auch Auwaldzecken. Sticht die Zecke dagegen Hunde oder Pferde, kann sie noch eine unliebsame Überraschung mit im Gepäck haben. Denn neben den üblichen Krankheiten, die von Zecken übertragen werden, ist sie Überträger der Babesiose oder "Hundemalaria", einer Erkrankung, die man früher nur aus dem Ausland kannte. Sie verursacht hohes Fieber, außerdem kann sie rasch zum Tode führen, weil sie die roten Blutkörperchen zerstört.