Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit der externen Autorin Christine Richter

Was kosten Geschwindigkeitsüberschreitungen 2021?

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Bei Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit droht ein Bußgeldbescheid. © pixabay.com, Michael Gaida CCO Public Domain

Die Straßenverkehrsordnung schreibt klare Geschwindigkeitsbegrenzungen vor, an die sich alle Verkehrsteilnehmer halten müssen. Kommt es zu Geschwindigkeitsüberschreitungen können hierfür Bußgelder anfallen. Deren Höhe hängt davon ab, wie stark die Geschwindigkeitsbegrenzung überschritten wurde und ob das Vergehen innerorts oder außerorts stattgefunden hat. Mit einem Bußgeldrechner kann geprüft werden, welche Kosten auf einen zukommen. Sollte ein Bußgeldbescheid fehlerhaft sein, kann dagegen Einspruch eingelegt werden. Dieser Artikel erläutert die Auswirkungen von Geschwindigkeitsüberschreitungen und veranschaulicht, wie die anfallenden Bußgelder berechnet werden können.

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Geltende Geschwindigkeitsbegrenzungen

In Deutschland gelten unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten abhängig davon, ob es sich um eine Autobahn, eine Landstraße oder eine Straße innerorts handelt. Innerorts gelten grundsätzlich 50 km/h als Höchstgeschwindigkeit, es gibt aber auch Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigte Bereiche. Auf Straßen außerorts, die keine Autobahnen sind, gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Grundsätzlich gilt auf Autobahnen eine Richtgeschwindigkeit von 130 km/h. Hierbei handelt es sich aber nicht um eine Geschwindigkeitsbegrenzung im eigentlichen Sinn.

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Achtung: Auf rund 40 % der deutschen Autobahnen gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen. Diese sind beispielsweise auf Lärmschutzmaßnahmen oder Baustellen zurückzuführen.

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Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten ab dem ersten Verkehrsschild. Das bedeutet, dass das Strafmaß unverändert hoch bleibt, selbst wenn die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit nur wenige hundert Meter nach dem limitierenden Verkehrszeichen erfolgt. Die Argumentation, das eigene Fahrzeug sei zwischen dem Verkehrsschild und dem Blitzer nicht rechtzeitig hinunter zu bremsen gewesen, wird von den Gerichten nahezu immer abgelehnt. Sie gilt vielmehr als Anzeichen dafür, dass die gewählte Geschwindigkeit für die Sichtverhältnisse und die Verkehrslage viel zu hoch gewesen ist.

 

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Diese Kosten kommen auf einen zu

 Für verschiedene Geschwindigkeitsüberschreitungen gelten auf unterschiedlichen Straßen jeweils andere Bußgelder. Grundsätzlich gilt, dass Überschreitungen außerorts günstiger sind als innerorts, da die Überschreitung prozentual geringer ist und ein nicht so großes Gefahrenpotenzial besteht. Außerorts liegen die Bußgelder (Stand April 2021) zwischen 10 € und 600 €. Innerorts muss mit Bußgeldern in einer Höhe von 15 € bis 680 € gerechnet werden. Außerdem fallen je nach Geschwindigkeitsüberschreitung Punkte in der Verkehrssünderkartei an und es kann ein Fahrverbot ausgesprochen werden.

Mit einem Bußgeldrechner können sich Nutzer ein anfallendes Bußgeld online ausrechnen lassen. Ein solcher Rechner kennt die aktuellen Bestimmungen und lässt den Toleranzabzug mit in die Berechnung einfließen. Bei Geschwindigkeiten bis 100 km/h werden 3 km/h Toleranz abgezogen und bei Geschwindigkeiten ab 100 km/h 3% der gefahrenen Geschwindigkeit. Auf diese Weise sollen eventuelle Messfehler ausgeglichen werden, um niemanden zu Unrecht zu bestrafen.

 

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Geschwindigkeitsüberschreitungen außerorts

Bei einer Überschreitung der geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen bis 10 km/h fallen außerorts 10 € Bußgeld an. Bei steigender Geschwindigkeit erhöhen sich auch die Bußgelder. Wer die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mehr als 70 km/h überschreitet muss 600 € Bußgeld bezahlen. Während in den ersten Bußgeldstufen die Kosten moderat um jeweils 10 € ansteigen, erhöht sich das Bußgeld von der vorletzten auf die letzte Stufe bereits von 440 € auf 600 €. Höhere Geschwindigkeitsüberschreitungen sollen somit deutlich stärker bestraft werden.

Zusätzlich zum Bußgeld werden noch weitere Strafen verhängt. Ab einer Überschreitung von 21 bis 25 km/h fällt ein Punkt im Verkehrssünderregister an. Ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 41 km/h oder mehr sind es sogar zwei Punkte. Ab dieser Geschwindigkeitsüberschreitung fällt zudem ein Fahrverbot von einem Monat an. Bei einer Überschreitung von 61 bis 70 km/h beträgt das Fahrverbot 2 Monate und bei mehr als 70 km/h 3 Monate.

 

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Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts 

Innerorts fallen für dieselben Geschwindigkeitsüberschreitungen wie außerorts höhere Bußgelder an. Für eine Überschreitung bis 10 km/h müssen bereits 15 € bezahlt werden. Wer mit mehr als 70 km/h unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld von 680 € rechnen. In den unteren Stufen steigen die Preise ebenfalls recht moderat von 15 € auf 25 € auf dann 35 € an. Von der vorletzten Stufe mit 61 bis 70 km/h bis zur letzten Stufe steigt das Bußgeld bereit von 480 € auf 680 € an.

Die Vergabe von Punkten in Flensburg entspricht sich nahezu. Einzige Ausnahme stellt eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 31 bis 40 km/h dar. Außerorts fällt hierfür ein Punkt in der Verkehrssünderkartei an und ein einmonatiges Fahrverbot wird nur dann verhängt, wenn innerhalb von 12 Monaten zweimal Geschwindigkeitsüberschreitungen von 26 km/h oder mehr festgestellt werden. Innerorts fallen bereits zwei Punkte an und es wird in jedem Fall ein einmonatiges Fahrverbot verhängt.

 

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Sonderfälle

Die Straßenverkehrsordnung kennt verschiedene Sonderfälle, bei denen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen nicht nur Bußgelder, Punkte oder Fahrverbot als Strafe verhängt werden können. Das gilt beispielsweise dann, wenn Fahrer mit Handy am Steuer geblitzt werden. Außerdem wurde beispielsweise bei einer vorsätzlichen Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts bei illegalen Autorennen bereits mehrfach Anklage wegen Totschlags oder Mordes erhoben. Die Argumentation hierbei ist, das bei massiven Tempoverstößen innerorts mit einer Gefährdung von Leben gerechnet werden muss.

In spezifischen Verkehrssituationen können somit zusätzliche Strafen verhängt werden, die Bußgelder und Fahrverbote jedoch nicht ersetzen, sondern ergänzen. Insbesondere bei einer massiven Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer sind die Strafen teilweise erheblich. Außerdem wird bei Wiederholungstätern zu einem höheren Strafmaß gegriffen, in der Hoffnung, dass diese sich bessern mögen.

In diesen Situationen greifen Sonderregeln:

  • Handy am Steuer
  • illegale Autorennen
  • massive Gefährdung von Verkehrsteilnehmern
  • Trunkenheit am Steuer
  • Wiederholungstäter

 

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Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid einlegen

Immer wieder kommt es vor, dass Bußgeldbescheide fehlerhaft sind. In einem solchen Fall ist es oft nicht notwendig, die verhängte Strafe zu bezahlen. Stattdessen sollte Einspruch gegen den Bußgeldbescheid eingelegt werden. Es empfiehlt sich, sich hierfür eine professionelle Rechtsberatung an die Seite zu holen. Viele Bußgeldrechner geben einen ersten Eindruck davon, ob es sich für Betroffene lohnt, Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid einzulegen. 

In den unteren Bußgeldstufen wird tendenziell davon abgeraten, da die Kosten für den Einspruch in keinem Verhältnis zum jeweiligen Bußgeld stehen. Ab Geschwindigkeitsüberschreitungen von 21 km/h lohnt es sich jedoch zumeist, über einen Einspruch nachzudenken. Zunächst sollte jedoch von unabhängiger Stelle geprüft werden, ob ein Einspruch finanziell wirklich sinnvoll wäre.

 

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Hinweis: Nicht nur das Bußgeld ist bei der Frage entscheidend, ob Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid eingelegt werden sollte. Zusätzlich sollte in die Überlegungen einbezogen werden, ob durch die Geschwindigkeitsüberschreitung Punkte und Fahrverbote drohen und ob diese eventuell abgewendet werden können.

 

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Fazit

Die Kosten für Geschwindigkeitsüberschreitungen sind in der Bußgeldkatalog-Verordnung (BkatV) des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz klar aufgelistet. Betroffene können somit genau ermitteln, welche Kosten für sie durch eine Geschwindigkeitsüberschreitung entstehen. Ein Bußgeldrechner macht dieses Vorgehen besonders einfach und berücksichtigt verschiedene Kriterien wie den Toleranzabzug. Wie hoch die anfallenden Kosten sind, hängt unter anderem davon ab, ob die Geschwindigkeitsüberschreitung außerorts oder innerorts stattgefunden hat. Außerdem gibt es bestimmte Sonderfälle. Sollte ein Bußgeldbescheid fehlerhaft sein, ist es häufig lohnenswert, Einspruch dagegen einzulegen.