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Beruf

Introvertierte können auf dem Arbeitsmarkt punkten

Schüchterne sind zwar weniger gut im Small Talk, denken dafür aber oft analytischer und sind beharrlicher

Von 
Victoria Vosseberg
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Ruhe, bitte: Energie schöpfen Introvertierte, wenn sie Zeit für sich haben – auch am Arbeitsplatz. © Flamingo/Westend61/dpa

Bonn. Wahrscheinlich hat sich jeder schon mal geärgert, dass der Kollege, der als erstes und am lautesten etwas sagt, die Aufmerksamkeit der Führungskraft und des Teams bekommt – selbst wenn das Gesagte bestenfalls heiße Luft ist. Zumindest als introvertierte Person dürfte einem dieses Szenario bekannt vorkommen.

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Mittlerweile wissen Personalverantwortliche zwar durchaus, dass die Stilleren im Team genauso wichtige Beiträge zum Erfolg leisten. Trotzdem fällt es Introvertierten oft schwer, den angemessenen Respekt für ihre Leistung einzufordern.

Waren introvertierte Menschen nicht einfach diese schüchternen Eigenbrötler, die sich still in der hintersten Reihe verkriechen? Während Extravertierte die geselligen Stimmungskanonen sind? Ganz so einfach ist es nicht.

Reizarme Umgebung nötig

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„Kurz gesagt schöpft der Extravertierte Kraft aus der Gesellschaft von anderen Menschen, der Introvertierte hingegen aus dem Alleinsein“, sagt Sylvia Löhken, die bereits mehrere Bücher zu diesem Thema verfasst hat. „Trotzdem kennen beide ein Bedürfnis nach menschlicher Nähe und nach Rückzug, nur setzen sie das auf unterschiedliche Weise um.“

Dem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten Ralph Schliewenz zufolge kann man sich das am besten als zwei Pole auf einem Kontinuum vorstellen. „Alle Menschen liegen irgendwo dazwischen.“

Die Schaffenskraft Introvertierter kommt von innen, sie brauchen Zeit und insbesondere eine reizarme Umgebung und Ruhe. Extravertierte dagegen mischen gern überall mit und reden meist viel, „weil sie die Tendenz haben, zu sprechen, um zu denken und aus dem Kontakt mit ihren Kollegen Energie schöpfen“, sagt Petra Lienhop, die sich als Coachin unter anderem auf Selbstmarketing spezialisiert hat.

Das sei auch der Grund, warum Introvertierten Small Talk oft nicht besonders liegt. Sie wollen in der persönlichen Begegnung in die Tiefe gehen. Für Extravertierte sei Small Talk dagegen perfekt, um in Schwung zu kommen.

„Introvertierte lassen sich zudem emotional nicht immer so schnell mitreißen. Sie mögen zwar nicht überschwänglich ihre Begeisterung für einen Vorschlag zum Ausdruck bringen, doch ebenso wenig lassen sie sich direkt von negativen Gefühlen beeinflussen“, sagt Lienhop.

Typische Stärken

Bekommen ein introvertierter und extravertierter Kollege eine knappe Deadline vorgegeben, würde der Introvertierte tendenziell nüchtern bleiben und sich schon mal an die Bewältigung der Aufgabe machen, während sich der Extravertierte noch lange darüber aufregt.

Introvertierte zeichnen sich besonders durch ruhiges, konzentriertes Arbeiten und tiefgreifende Überlegungen aus, sagt Sylvia Löhken: „Analytisches Denken, Beharrlichkeit und Unabhängigkeit sind Stärken von Introvertierten.“ Darüber hinaus punkten sie mit gutem Risiko-Management und Einfühlungsvermögen. Sie können gut zuhören und beobachten. Auf der anderen Seite seien Introvertierte von schnelllebigen Arbeitskontexten oft überstimuliert, da bei ihnen dann eine Art Reizüberflutung einsetzt.

Erfolgstagebuch führen hilft

Sich selbst in den Vordergrund zu spielen, liegt Introvertierten oft nicht. Sie würden dazu neigen, ihre guten Leistungen regelrecht zu vergessen, sagt Petra Lienhop. „Deswegen tut es ihnen gut, an ihre Erfolge erinnert zu werden, durch einen Mentor oder Kollegen oder indem sie ein Erfolgstagebuch führen.“

Wichtig sei vor allem , die eigene Energie weise einzusetzen. Wo lohnt es sich, ins Außen zu gehen? Das kann ein Projekt sein, das sich introvertierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gezielt aussuchen oder eine Veranstaltung zu einem Thema, für das sie brennen. „Dort können sie sich bewusst präsentieren und dann wieder ihre leisen Stärken für sich sprechen lassen“, rät Sylvia Löhken. dpa

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