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Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit Franziska Nickolaus

Gefährdet der Glücksspielstaatsvertrag Fußballwetten?

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Abbildung 1: Die Sportwette ist nicht in Gefahr. Allerdings wird es nach dem 1. Juli zu einigen Änderungen im Angebot kommen. © besteonlinecasinos

Nein, keine Sorge! Mit dieser Entwarnung kann sich der Puls passionierter Fußballfans und Fußballwetter erst einmal regulieren, denn: Fußballwetten auf die deutsche Nationalmannschaft oder auf eine andere Mannschaft sind in der Europameisterschaft auch weiterhin möglich – selbst wenn sich mitten im wochenlangen Großevent die rechtlichen Rahmenbedingungen ändern.  Die Rede ist vom Glücksspielstaatsvertrag, der zum 1. Juli neu aufgelegt wird. Damit soll die rechtliche Grauzone ausgehebelt werden, die es seit nunmehr zehn Jahren in Deutschland gibt. Bisher waren nur Lizenzen aus Schleswig-Holstein „legal“. Zudem waren Glücksspiel- und Wettanbieter aus Malta und Gibraltar „geduldet“, weil sie nach Europarecht agierten.

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Der neue Glücksspielstaatsvertrag – das gilt für Wettanbieter in Deutschland

Wettanbieter in Deutschland haben künftig Glück im Unglück. Einerseits dürfen sie – ab 1. Juli – ganz legal Wetten und Glücksspiele anbieten, andererseits müssen sie sich an eine lange Liste von Vorgaben halten. Bereits in der Übergangsphase, die seit einigen Monaten über die Glücksspielszene verhängt wurde, haben zahlreiche Buchmacher sich um eine Lizenz bemüht – und diese auch erhalten. Damit soll sich der illegale Grauschleier, der sich bis dato über das Glücksspiel in Deutschland gelegt hat, im besten Fall lichten. Anbieter hoffen darauf, dass die offiziell lizenzierten Wett- und Glücksspielanbieter mit deutscher Lizenz auch so wahrgenommen werden, wie sie sind – nämlich besonders seriös und vertrauenswürdig. Die Liste der Vorgaben, die Anbieter künftig zu erfüllen haben, ist nämlich lang.

Das gilt künftig für Anbieter des Glücksspiels:

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Die Anbieter müssen proaktiv das Risiko der Spielsucht minimieren

Wie Wettanbieter in Deutschland eben diese Vorgabe aus dem Glücksspielstaatsvertrag umsetzen sollen, steht im neuen Glücksspielstaatsvertrag. An dieser Stelle unterscheiden sich die Regelungen für klassische Glücksspielanbieter, also beispielsweise für Betreiber von Online-Casinos, von den Regularien, die für Wettanbieter gelten. Live-Glücksspiele und Tischspiele wie Poker und Blackjack sind tabu. Die bergen das größte Suchtpotential. Wetten dürfen hingegen weiterhin auf Live-Events platziert werden. Allerdings könnte es zu Einschränkungen bei einigen Detailwetten kommen, wie beispielsweise beim Angebot von Über- und Unter-Wetten, heißt es seitens der Anbieter, die ihre passionierten Wettfans bereits jetzt mit den neuen Regelungen vertraut machen möchten. Entfallen könnten auch Wetten auf Formel 1, Radsport, eSports, MMA sowie auf Gesellschaft, Politik und TV-Events.

Die Anbieter müssen das Verlustrisiko regulieren

Das bedeutet in der Praxis, dass es künftig monatliche Einzahlungslimits gibt, die auf 1.000 Euro gedeckelt sind – und zwar nicht nur bei einem Anbieter, sondern über alle Glücksspielanbieter hinweg. Wer 1.000 Euro eingezahlt hat – quasi auf ein zentrales Zocker-Konto – darf das Geld erst im Folgemonat wieder aufladen. So soll der Einsatz reguliert werden, der zum Glücksspiel aufgewendet wird. Der Totalverlust oder das unbedachte Erhöhen des Einsatzes sollen so verhindert werden. Wer über einen deutlich höheren Verdienst verfügt und dieses Einkommen auch verbindlich nachweisen kann, könnte eine individuelle Erhöhung erwirken, heißt es seitens der Sportwettenanbieter.

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Die Anbieter müssen Spieler sperren

Eng verbunden mit dem zentralen Zocker-Konto ist die Sperrdatei. Auf diese „gesperrte Liste“ können sich die Spieler selbst setzen, wenn sie Sorge darüber haben, in die Spielsucht abzurutschen oder wenn gar die Teilnahme an einem Selbsttest das Ergebnis hervorgebracht hat, dass die Gefahr einer Spielsucht naheliegend ist. Der Sperr-Button ist dann für einen Zeitraum von 24 Stunden aktiv und verhindert, dass unüberlegt weitergezockt wird. Spieler, die sich selbst gesperrt haben, oder Spieler, die aufgrund von zeitgleich laufenden Glücksspielen gesperrt wurden, werden so der legalen Möglichkeit beraubt, unkontrolliert und unüberlegt weiter zu spielen. Auch Jugendliche sollen via Sperrdatei davor bewahrt werden, ins Glücksspiel abzurutschen.

Diese Anbieter bekommen eine Lizenz

Darlehen im Zusammenhang mit dem Glücksspiel anzubieten, ist tabu. Stattdessen müssen die Anbieter, die eine Lizenz nach dem neuen Glücksspielvertrag haben möchten, ein Sozialkonzept und ein Sicherheitskonzept nachweisen. Ihr Firmensitz muss sich in einem EU-Land befinden. Zudem müssen sie ihre Zuverlässigkeit nebst Inhaberverhältnissen nachweisen. Langfristig betrachtet wird sich die Liste der Sportwettenanbieter mit Sitz in Schleswig-Holstein, auf Malta oder Gibraltar sicherlich ändern. Nach dem alten Glücksspielsvertrag waren nur deren Lizenzen gültig. Künftig gibt es eine unbegrenzte Anzahl an Lizenzen – der Blick auf den Sitz des Anbieters reicht nun nicht mehr aus. Stattdessen ist es gut und sinnvoll, der Vorauswahl eines versierten Sportwetten-Profis zu folgen.

Der Glücksspielstaatsvertrag – eine Grauzone von zehn Jahren

Der Glücksspielstaatsvertrag hält – historisch betrachtet – die Politiker bereits seit dem Jahr 2011 auf Trab. Damals scherte das Bundesland Schleswig-Holstein aus und schlug einen eigenen Weg ein – mit eigenen Glücksspiellizenzen. Hinzu kamen Angebote aus Gibraltar und Malta. Das EU-Recht machte dies möglich. Seitdem gab es unzählig viele Diskussionen und Gespräche darüber, wie das Glücksspiel auf legale, lizenzierte Beine gestellt werden könnte – und zwar mit einheitlichen Regeln für ganz Deutschland.

Erst im Mai 2020 legten die Verantwortlichen dann dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie den Glücksspielstaatsvertrag vor, den nun in wenigen Tagen Gültigkeit erlangen soll. Bis August 2020 galt die Stillhalte- und Einspruchsfrist. Anschließend wurde das Gesetz unterzeichnet und ratifiziert. Kritische Stimmen gibt es dennoch. So warnte ein Psychologe im Gespräch mit der Deutschen-Presse-Agentur vor der steigenden Popularität, die das Glücksspiel durch die Legalisierung erfahren wird. Übrigens: Ganz ohne Sonderwege geht es offensichtlich auch diesmal nicht. Stattdessen sorgt die Abstandsregelung in Baden-Württemberg, die vorsieht, dass Spielhallen mindestens 500 Meter von Kinder- und Jugendeinrichtungen entfernt sein müssen, dafür, dass sich das Ortsbild mancherorts verändert.

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