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Dieser Beitrag entstand in freundlicher Zusammenarbeit mit dem externen Autor Christiaan Eewyk

Die wichtigsten Do’s und Dont’s bei Trachtenmoden

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Cannstatt liegt nur knappe 100 Kilometer von Mannheim entfernt und damit eines der größten traditionellen Volksfeste Europas. Bis zur Münchner Wiesn sind es zwar einige Fahrstunden mehr, dafür kann das Oktoberfest aber für sich in Anspruch nehmen, in ganz Deutschland und weit darüber hinaus zahlreiche gleichnamige Ableger inspiriert zu haben.

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Rechnen wir dann noch Menschen hinzu, die aus aktuellen modischen Gründen und/oder persönlicher Verbundenheit zum süddeutschen Raum dafür infrage kommen, so sind vor allem alpenländische Trachten für Sie und Ihn schon seit einigen Jahren ein echter Hit in Sachen Mode – und gehören eigentlich in jeden gut ausgestatteten Kleiderschrank.

Allerdings: Hinter dieser Traditionsbekleidung stecken oft viele Jahrhunderte der Entwicklung. Dementsprechend gehören sie zu den detailliertesten Kleidungsstücken überhaupt – mit zahlreichen besonderen Merkmalen, die beispielsweise auf den Status der Trägerin hinweisen. Insofern gibt es „Trachten“ und es gibt Trachten. Dazwischen liegen einige Do’s und Dont’s die alle, die letzteres tragen möchten, unbedingt kennen und beachten sollten.

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Don’t: Trachten als Kostüm ansehen

Vor allem die große Beliebtheit des Oktoberfestes hat in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass vieles, was damit verbunden ist, eine ziemliche Inflation erfuhr. Alpenländische Trachten gibt es deshalb wohl als einzige deutsche volkstümliche Bekleidung mittlerweile in jedem Kostümgeschäft – wo sie neben ähnlich fragwürdigen Verkleidungen wie „Indianer“ für äußerst nachteilige Denkmuster, die sogenannte kulturelle Aneignung, sorgen.

Tatsache ist: Alpenländische Trachten sind eine traditionelle volkstümliche Bekleidung, die für eine spezielle Bevölkerungsgruppe mit distinktiver Kultur steht. Bereits aus Respekt vor dieser dahinterstehenden Kultur sollte niemand so etwas als bloße Verkleidung aus demselben Shop erwerben, wo einen Gang weiter Piraten- und Tierkostüme hängen. Denn dadurch erfährt die Einzigartigkeit eine dramatische Entwertung und werden Trachten sogar in den Köpfen einer breiten Bevölkerung ins Lächerliche gezogen.

Außerdem gibt es in solchen Geschäften wirklich nichts, was in Sachen Materialien, Qualität und Details echten Trachten auch nur nahekäme; es handelt sich schlicht um davon inspirierte Kostüme. Deshalb eine Bitte: Es ist sehr schön, wenn Menschen aus anderen Regionen alpenländische Kultur zu schätzen wissen. Das sollte sich dann aber in einer echten kleidungstechnischen Wertschätzung ausdrücken und nicht zur bloßen Kostümierung verkommen.

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Do: Trachten von spezialisierten Händlern kaufen

Trachtenkleidung ist extrem regionalspezifisch. Gerade im alpenländischen Raum kann sie sich deshalb in Details von Landkreis zu Landkreis (und oftmals noch kleinteiliger) unterscheiden. Allein vom Tirolerhut gibt es beispielsweise ein gutes Dutzend Varianten, die sich teils sehr deutlich unterscheiden und nicht mehr dem entsprechen, was Laien sich unter dieser Kopfbedeckung vorstellen. Wer nicht wirklich seit Jahren tief in dieser Materie steckt, dem fällt es gleichsam sehr schwer, eine wirklich korrekte Tracht zu erwerben und der begeht unheimlich leicht Fehler aus Unwissenheit.

Insbesondere (aber nicht ausschließlich) bei der so detaillierten Trachtenmode für Damen sollte deshalb unbedingt auf einen erfahrenen Händler gesetzt werden. Einer, der weiß, auf welche Punkte es ankommt und der gleichzeitig alle Teile, die für ein komplettes und regional stimmiges Outfit vonnöten sind, aus einer Hand anbieten kann.

Daraus ergeht auch ein weiteres Do: Gute Tracht ist etwas, das man sich problemlos für viele Jahrzehnte kaufen kann. Dementsprechend sollte man gewillt sein, dafür durchaus Geld auszugeben. Dafür gibt es dann aber ein echtes Qualitätsprodukt, wie es selbst von Trachtenvereinen gewählt werden würde.

Don’t: Geschlechtsspezifische Details vermischen

Wohl mancher Leser hat schon in der Mannheimer Innenstadt einen Junggesellenabschied gesehen, bei dem der Bräutigam Frauenkleidung trug – vielleicht sogar ein „Dirndl“. Doch vor allem andersherum ist es auf vielen alpenländisch angehauchten Volksfesten mittlerweile (leider) üblich, Trachtenkleidung geschlechtsübergreifend zu nutzen. Besonders prominent bei Frauen in Lederhosen.

An diesem Punkt befinden wir uns wieder beim Thema Kostümierung und kulturelle Aneignung: Trachten sind durch ihre lange Geschichte ganz klar entlang von Geschlechtertrennlinien konzipiert. Ganz gleich, wie man anderweitig zu diesem Thema steht, man sollte erneut aus Respekt vor der Kultur diese Tatsache akzeptieren und mittragen.

Freilich mag eine knapp geschnittene Krachlederne tatsächlich an vielen Frauen hervorragend aussehen – je nach Länge ist sie ja tatsächlich das lederne, hosenträgerbewehrte Äquivalent zu Hotpants – dennoch sollte nach Möglichkeit die Trennung geachtet werden. Auch so gibt es beim traditionellen Dirndl genügend Möglichkeiten, darin nicht minder „knackig“ auszusehen.

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Do: Die vielen versteckten Botschaften respektieren

Trachtenmode entstammt einer Zeit, in der der Umgang zwischen Mann und Frau noch längst nicht so frei und unbeschwert stattfand, wie es heute selbst in äußerst konservativen Alpenregionen längst der Fall ist. Angesichts dessen haben sich verschiedene Botschaften entwickelt, die aus der Trachtenkleidung hervorgehen und Eingeweihten vieles verraten können.

Die wichtigsten Positionen, die jeder kennen sollte:

  • Dirndl-Farbe: Hier gibt es die wenigsten Botschaften. Jedoch sollte es zumindest bei traditionellen Veranstaltungen kein schwarzes / anderweitig sehr dunkles Dirndl mit weißer Bluse sein – früher waren die Bedienungen an dieser Farbkombination zu erkennen.
  • Dirndl-Schleife: Sie ist hingegen ein sehr wichtiges Kommunikationselement für den Beziehungsstatus, je nachdem, wo die Schleife sich befindet:
    Mitte: Traditionell Jungfrau, heute genutzt für „Keine Angabe des Beziehungsstatus“.
    Links: Single (allerdings nicht zu verwechseln mit „zum Anbaggern freigegeben“).
    Rechts: Traditionell verheiratet, heute generell vergeben.
    Hinten: Verwitwet oder Bedienung.
  • Lederhosen-Beinlänge: Weniger ein Code, sondern vielmehr die Definition, in welchem Umfeld die Krachlederne getragen werden sollte:
    Kurz/Überknie: Die strenggenommene „Casual-Lederhose“ für die Freizeit außerhalb besonderer Anlässe, wird aber mittlerweile auch zu solchen getragen.
    Lang/Kniebund: Insbesondere mit Stickverzierungen eine Krachlederne für festliche Anlässe. Also genau richtig für volkstümliche Feiern.

Bei den Hosenträgern der Lederhose kommt es allerdings darauf an: Vor allem regionalspezifisch sind sie kein Muss und werden sowieso eher für schlankere Männer empfohlen.

Don’t: Trachten unvollständig tragen

Selbst auf dem Oktoberfest, wo es viele eigentlich besser wissen müssen, sieht man sogar bei ansonsten einwandfreier Tracht  viele Fehler hinsichtlich des „Drumherums“, das erst in Gänze ein vollwertiges Outfit ausmacht. High-Heels zum Dirndl, irgendwelche modernen Leder-Halbstiefel zur Krachledernen oder ein Bolero statt eines Schultertuchs – die Liste ist wirklich lang.

Da allerdings gilt „eine Tracht ist nur dann komplett, wenn alles (Sichtbare) dazu passt“, sollte man sich keinesfalls nur mit Dirndl und Krachlederner begnügen und ansonsten künstlerische Freiheit walten lassen.

Fangen wir unten an: Zum Dirndl wie zur Krachledern gehören Haferlschuhe – allerdings sind moderne (= bequemere) Variationen durchaus gestattet. Weiter gehören insbesondere bei der Lederhose passende Strickstrümpfe hinzu. Ist sie ganz kurz, werden diese gegebenenfalls „geschoppt“, also heruntergeschlagen. Bei der Kniebundhose hingegen gehen die Strickstrümpfe übers Knie, es bleibt also keine Haut sichtbar.

Das Hemd sollte für einen wirklich traditionellen Look weiß mit einigen Verzierungen sein, wenngleich es bei Freizeit-Tracht auch das bekannte kleinteilige Karomuster tut. Gerne können Hemden mit niedrigem Stehkragen verwendet werden. Abgerundet wird der Look bei kühlem Wetter immer mit einem Janker aus Filz, Loden oder Strick.

Fürs Dirndl ist eine weiße, gerne reich mit Spitze an den Ärmeln verzierte Bluse äußerst empfehlenswert. Wenn Jacke, dann sollte es eine passende aus Strick sein. Alternativ ein nicht minder wärmendes Schultertuch aus Wolle, das unbedingt zur Dirndl-Farbe passen sollte.

Übrigens: Natürlich gehört auch eine regionalspezifisch passende Kopfbedeckung dazu. Zumindest wenn es wirklich klassisch sein soll.

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