AdUnit Billboard
Klima: 2 - Fliegende können CO-Emissionen kompensieren

Ablasshandeloder gutes Modell?

Von 
tmn
Lesedauer: 

Berlin. Das Modell klingt vernünftig: Nach einer Flugreise kompensiert man die ausgestoßenen Emissionen durch eine Spende an eine Organisation, die Projekte zur CO2-Einsparung unterstützt. So wird die eigene Belastung des Klimas woanders wieder wettgemacht. Aber ist das so einfach? Oder ist die CO2-Kompensation nur eine Art moderner Ablasshandel, der das eigene schlechte Gewissen beruhigen soll? Antje Monshausen von Tourism Watch bei „Brot für die Welt“ stellt klar: „Erst kommt reduzieren, dann kommt kompensieren.“ Weniger zu fliegen, ist also der bessere Schritt. Experten taxieren das jährlich klimaverträgliche CO2-Budget auf maximal zwei Tonnen pro Kopf. „Damit komme ich nach New York, aber nicht mehr zurück“, sagt Monshausen.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Viele Ziele auf Landweg erreichbar

Für Vielflieger ist die CO2-Kompensation aus Sicht der Expertin also durchaus eine Art Ablasshandel. „Damit sollte man nicht legitimieren, einfach weiterzumachen wie bisher. Dieser Eindruck wäre fatal.“ Anders sehe es aus, wenn der Flug unvermeidbar ist. Für Monshausen sind Flugreisen vermeidbar, wenn auch ein weniger klimaschädigendes Verkehrsmittel zum Einsatz kommen könnte. Zum Beispiel die Bahn. „Die meisten Städte in Europa sind auf dem Landweg erreichbar“, sagt die Expertin. „Das bedeutet aber oft, die Reise anders zu gestalten. Nach Rom kommt man zum Beispiel auch mit dem Nachtzug, aber das lohnt sich nicht für ein Wochenende, sondern eher für mindestens eine Woche. Dann kann man schon den Weg zum Ziel machen und beispielsweise zwei Nächte in München bleiben.“

Auf Flugreisen werden CO und andere Treibhausgase ausgestoßen. © dpa

Wer doch fliegt, der kann immerhin kompensieren. Dabei sollte man sich aber bewusst sein: „Wenn ich CO2 für einen Flug kompensiere, mache ich die CO2-Wirkung damit nicht ungeschehen. Ich sorge lediglich mit einer Spende dafür, dass woanders Projekte gefördert werden, die CO2 einsparen“, erklärt Monshausen. Und hier gebe es neben seriösen Anbietern wie Atmosfair oder Klima-Kollekte auch viel Greenwashing. Ein Beispiel: „Angebote, bei denen Bäume gepflanzt werden, sind ungeeignet, um damit Flugreisen zu kompensieren“, sagt Monshausen.

Dietrich Brockhagen ist Geschäftsführer von Atmosfair, einer Klimaschutzorganisation mit dem Schwerpunkt Reise. Über die Webseite können Urlauber eine Kompensation für die Treibhausgase zahlen, die sie bei ihrer Reise verursacht haben. Die Zahlung fließt dann zum Beispiel in die Förderung von Solarenergie durch Photovoltaikanlagen in Dörfern, die gar nicht ans Stromnetz angeschlossen sind.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

„Manche nennen das Ablasshandel, weil sie sich um die Zahlung drücken wollen. Für mich ist die Frage eher: Kaufe ich mich dadurch frei?“, sagt Brockhagen. Es gebe zwei Optionen: „Entweder Sie bleiben zu Hause, dann gibt es das Problem nicht. Wenn Sie aber geflogen sind, ist die Kompensation der CO2-Emissionen das Beste, was sie fürs Klima tun können.“ tmn

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1