AfD - Jörg Meuthen muss um seine Wiederwahl als Parteivorsitzender fürchten / Taktisches Verhältnis zu den Rechten Zwischen den Flügeln

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Peter Reinhardt
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Für seine Wiederwahl als AfD-Chef muss Jörg Meuthen aktuell um eine Mehrheit bei der Basis kämpfen. © dpa

Berlin/Offenburg. Wenn es eng wird, setzt Jörg Meuthen gerne sein Lausbubenlächeln auf und gibt sich ganz harmlos. So ist es auch am Sonntag beim TV-Sommerinterview. Fragen nach dem Klimawandel tut der 58-Jährige als „Klimahysterie“ ab. Und zum rechtsnationalen „Flügel“ fällt ihm ganz Erstaunliches ein. „Der Flügel ist nicht Teil der AfD“, sagt Meuthen da. Vielleicht ist ihm entgangen, dass der Flügel-Wortführer Björn Höcke gleichzeitig AfD-Landeschef in Thüringen ist.

Steile Karriere

  • Der Weg an die Spitze einer rechtspopulistischen Partei war für Jörg Meuthen nicht vorgezeichnet. Vor 58 Jahren wurde er in Essen als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er studierte Volkswirtschaft, schrieb eine Doktorarbeit über die Kirchensteuer und wurde 1997 Professor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl.
  • Als junger Wissenschaftler sympathisierte Meuthen mit der FDP, landete aber nach der Bundestagswahl 2013 bei der AfD. Schon nach ein paar Monaten war er Mitglied im Landesvorstand, im Juli 2015 wurde er Landeschef im Südwesten und praktisch gleichzeitig Bundesvorsitzender.
  • Privat ist Meuthen seit Juni 2018 zum dritten Mal verheiratet. Aus erster Ehe hat er drei Kinder, aus der zweiten zwei. (pre)
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Meuthen würde gerne Ende November als Parteichef wiedergewählt werden. Das könnte ihm aber ausgerechnet Höcke streitig machen. Der steht vor seinem größten Erfolg, wenn Brandenburg und Sachsen am 1. September sowie Thüringen acht Wochen später ihre Landtage neu wählen. In allen drei Bundesländern kann die AfD mit Rekordergebnissen rechnen, überall stehen Flügel-Vertreter an der Spitze. Bei der Vorstandswahl könnten sie dann mehr Macht einfordern.

Der Preis für die AfD wäre hoch. In den Westländern, wo schon jetzt fast überall der Richtungsstreit tobt, könnte ein rechtslastiger Bundesvorstand Wähler vergraulen. Ob Meuthen als Mann der Gemäßigten in diesem Umfeld wieder eine Mehrheit bekommt, ist unsicher.

Einen Vorgeschmack auf die neuen Verhältnisse hat Meuthen schon in seinem Heimatkreis bekommen. Die Mitglieder im Kreisverband Ortenau lassen den Europaabgeordneten bei der Wahl der Delegierten für den Bundesparteitag durchfallen. Meuthen darf die künftige Führung gar nicht mitwählen. Der Landtagsabgeordnete Stefan Räpple spricht von einem „klaren Zeichen, dass er sich innerparteilich anders positionieren muss“. AfD-Landeschef Bernd Gögel führt die Schlappe auf mangelnde Basisarbeit zurück. Aber auch Gögel geht davon aus, dass die Wahl wiederholt werden muss. Es seien mehr Stimmen gezählt worden, als Mitglieder anwesend waren.

Ausfälle werden verharmlost

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Dabei bemüht sich Meuthen darum, Höcke und seine Freunde nicht zu verprellen. Er fordert zwar „klare Kante gegen Rechtsextreme“. Aber den Appell der 100 Gemäßigten gegen den Personenkult um Höcke unterschreibt er nicht. Zugleich verharmlost er immer wieder Ausfälle Höckes und seiner Anhänger. So hat er sogar „ein bisschen Verständnis“, wenn die Bundestagsabgeordnete Verena Hartmann nach dem Tod eines Achtjährigen auf dem Frankfurter Hauptbahnhof den Satz schreibt: „Frau Merkel, ich verfluche den Tag ihrer Geburt.“

Eigentlich ist Meuthen für die AfD Gold wert. Als ehemaliger Professor mit einem bildungsbürgerlichen Hintergrund ist er das freundliche Gesicht einer Partei, die immer wieder durch rechtspopulistische Grenzverletzungen für Aufregung sorgt. Dieser Bedeutung verdankt der gebürtige Essener seinen Aufstieg an die Spitze.

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Nach dem Abschied von Parteigründer Bernd Lucke holte sich die damals als rechts geltende Vorsitzende Frauke Petry 2015 Meuthen als Co-Chef an ihre Seite. Das Kalkül: Der charmante Professor sollte die gemäßigten Wähler binden. Was Meuthen aber nicht davon abhält, die Nähe zu Höcke zu suchen. Ohne Unterstützung aus dessen Lager wären die 72 Prozent, die ihn 2017 als AfD-Chef bestätigen, nicht möglich gewesen.

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Wenn es hart kommt, stoßen Meuthens Fähigkeiten zur innerparteilichen Konsensbildung aber schnell an Grenzen. Als AfD-Landtagsfraktionschef kann er im Sommer 2016 die Spaltung seiner Mannschaft nicht verhindern.

Die ersten zwei Jahre steht Meuthen als AfD-Sprecher im Schatten Petrys. In der zweiten Amtszeit dominiert sein Co-Vorsitzender Alexander Gauland die öffentliche Wahrnehmung. Spöttern gilt Meuthen deshalb schon als der „ewige Zweite“.

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