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Pandemie - Urlaubsplanung ist in diesem Corona-Sommer kompliziert – es gibt widersprüchliche Einstufungen von Ländern

Wirrwarr bei den Reiseregeln

Von 
Miguel Sanches
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Die Risikoeinstufung von europäischen Nachbarländern durch die Bundesregierung macht Reisenden die Urlaubsplanung in diesem Sommer besonders schwer. © dpa

Berlin. Auf Madeira beträgt die Inzidenz 40, zwei Flugstunden von der Atlantikinsel entfernt, in der Algarve, schon 366. Die regionalen Differenzierungen halfen nichts. Die Bundesregierung stufte Portugal pauschal binnen vier Wochen erst zum „einfachen Risikogebiet“, dann zum „Virusvariantengebiet“ hoch und zuletzt zum „Hochinzidenzgebiet“ herunter – zum Ärger der Touristen, die je nach Einstufung in Quarantäne gehen oder Buchungen stornieren mussten.

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Im größten Bundesland Nordrhein-Westfalen haben die Schulferien gerade begonnen, weitere neun Länder folgen. Das Beispiel Portugal macht ein Grundproblem der Saison deutlich: Wer blickt bei den Reiseauflagen noch durch? Und das, obwohl die Inzidenzen vergleichsweise relativ niedrig sind und die Impfquoten steigen. Die Delta-Variante des Virus verbreitet sich freilich so rasant, dass auf staatliche Einstufungen weniger denn je Verlass ist. Beispiel Zypern: Am 7. Juni lag die Inzidenz auf der Mittelmeerinsel bei 45,3 – am Donnerstag bei 532,4.

Nun rächt sich das mechanische, nur scheinbar transparente Verfahren, mit dem die Bundesregierung Woche für Woche Staaten kategorisiert. Nur auf den ersten Blick sind die Kriterien neutral. Ab einer Inzidenz von 50 gilt ein Land als Risikogebiet, ab 200 als Hochinzidenzregion – mit einer mindestens fünftägigen Quarantäne als Folge. Aber „anhand weiterer qualitativer und quantitativer Kriterien“ kann laut Robert-Koch-Institut (RKI) im zweiten Schritt festgestellt werden, „ob trotz eines Unter- oder Überschreitens der Inzidenz ein besonders erhöhtes beziehungsweise nicht besonderes erhöhtes Infektionsrisiko begründet ist“.

Spanien war bisher kein Risikogebiet (nur einzelne Teile wie das Baskenland), Portugal hingegen ein Hochinzidenzland. Dabei ist die Inzidenz dort mit 161,6 niedriger als in Spanien (190,4). Es sind solche Widersprüche, die es Reisenden erschweren, einen Urlaub zu planen. Beschwerlich sind Reisen in Hochinzidenzgebiete wie Russland, Großbritannien oder Portugal. Denn Urlauber müssen nach ihrer Rückkehr in Quarantäne gehen und können sich frühestens nach fünf Tagen „freitesten“. Das ist für Arbeitnehmer, die nicht zu Hause arbeiten können, ein Problem. Kinder riskieren, den Schulstart zu verpassen.

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Spanien kurz vor der Hochstufung

Weitere europäische Staaten laufen ernsthaft Gefahr, schon in Kürze hochgestuft zu werden, weil sie den 200er-Wert gerissen haben wie Zypern oder kurz davor stehen wie Spanien (Inzidenz über 190). Nach den Informationen unserer Redaktion plant die Regierung bereits heute, Zypern zum „Hochinzidenzgebiet“ und ganz Spanien zum „einfachen Risikogebiet“ zu erklären.

Am krassesten ist der Trend in Großbritannien, wo die Inzidenz bei über 280 liegt. Mitte des Monats sollen dort alle Corona-Auflagen fallen, selbst die Maskenpflicht. Die britische Regierung kalkuliert mit explodierenden Zahlen von täglich 50 000 oder noch mehr Neuansteckungen.

In Portugal liegt der Anteil der Delta-Variante bei 89 Prozent, in Deutschland seit Mittwoch bei 59 Prozent. Das ist der Grund, warum die Bundesregierung die zunächst für „mindestens zwei Wochen“ angekündigte Einstufung Portugal als Virusvariantengebiet nur eine Woche durchgehalten hat – die Abschottung machte keinen Sinn mehr. Wie es heißt, hatte es überdies umgehend Klagen gegen die Einstufung gegeben.

Planungsunsicherheit droht bei Touren in Staaten mit zwar aktuell noch erträglichen Inzidenzen, aber alarmierenden Aussichten. In den Niederlanden beträgt die Inzidenz 67,2. Die Zahl der Neuansteckungen lag in den vergangenen sieben Tagen allerdings bei 11 480 – in der Vorwoche waren es noch 4120 gewesen. Tendenz steigend. Vergleichbar ist die Perspektive in Griechenland. Inzidenz: 81,6. Die Zahl der Fälle in den letzten sieben Tagen: 8504.

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Überall steigende Fallzahlen

In Dänemark stieg die Inzidenz auf 55,9, die Fallzahlen in den letzten sieben Tagen um 114 Prozent (von 1498 auf 3208). Weder Dänemark noch Griechenland werden von der Bundesregierung als einfache Risikogebiete geführt. Und in den Niederlanden wiederum nur die Karibikinsel Sint Maarten. In Frankreich liegt die Inzidenz noch bei 28,7. Doch auch in Frankreich zog die Zahl der Neuinfizierungen in den vergangenen sieben Tagen gegenüber der Vorwoche von 12 979 auf 19.364 um 49 Prozent an.

Es ist zu befürchten, dass sich die Delta-Variante in West-Ost-Richtung weiter verbreiten wird – Portugal, Spanien, Frankreich. Unproblematischer muten da die Bedingungen in Österreich, Italien und Kroatien an. Sie haben erstens niedrige Inzidenzen – 6,6 in Österreich, 9,6 in Italien, 14,9 in Kroatien – und verzeichnen zweitens einen (noch) milden Anstieg der Zahl der Neuinfektionen. Da dürften Touristen in diesem Sommer vor überraschenden Einstufungen durch die Bundesregierung sicher sein. Bedingt gilt das auch für die Türkei mit einer Inzidenz von 40,6, aber zuletzt stagnierenden bis sinkenden Zahlen.

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