Statistik: Der von Familienministerin von der Leyen im Februar verkündete Geburtenanstieg für das Jahr 2008 ist widerlegt Wirbel um weniger Babys

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Dagmar Unrecht

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Mannheim. Mit viel Getöse hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) Mitte Februar ihren aktuellen "Familienreport" vorgestellt und darin trotz "konjunkturell rauer Zeiten" für das Jahr 2008 ein Geburtenhoch prognostiziert - zu voreilig, wie sich nun herausstellt. Denn nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden ist die Zahl der Geburten für das Jahr 2008 rückläufig. So wurden zwischen Januar und November 2008 - die Zahlen für Dezember werden erst in einem Monat vorliegen - knapp zwei Prozent weniger Babys geboren als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Allein in den Monaten Oktober und November 2008 gab es rund 7700 beziehungsweise 6400 Geburten weniger als in den Vergleichsmonaten 2008.

Die Bundesfamilienministerin hatte sich bei der Vorstellung ihres Berichts am 16. Februar auf Schätzungen des Statistischen Bundesamtes bezogen, die lediglich die Monate Januar bis September 2008 berücksichtigten. Bis zu 690 000 Kinder seien 2008 geboren worden, freute sich die Ministerin damals, leider zu früh. Nur einen Tag später, am 17. Februar, veröffentlichte das Statistische Bundesamt die Zahlen für Oktober 2008, die mit einem Rückgang von knapp 12 Prozent ein dickes Minus bei der Geburtenentwicklung ausweisen - ein klarer Hinweis auf einen negativen Trend für das Jahr 2008. Da war von der Leyens lautstarke Freude über die zahlreichen Babys noch nicht verhallt. Noch dazu hatte die CDU-Politikerin die angeblich neu erwachte Gebärfreudigkeit indirekt auch ihrer eigenen Familienpolitik zugeschrieben, unter anderem der Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007.

"Diese Informationen lagen uns damals nicht vor", erklärte Jens Flosdorff, Sprecher des Bundesfamilienministeriums, angesichts des unglücklichen "Timings" gegenüber unserer Zeitung. "Das Statistische Bundesamt ist eine unabhängige Behörde und legt darauf auch Wert", fügte er hinzu und klang dabei nicht besonders erfreut. Im Übrigen müsse man mit der Interpretation vorläufiger Monatszahlen auch vorsichtig sein, betonte der Sprecher.

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Nach Auskunft des Statistischen Bundesamtes war die Veröffentlichung der brisanten Oktober-Zahlen einen Tag nach der Familienreport-Vorstellung der Ministerin "reiner Zufall". Schließlich würden Werte aus 16 Bundesländern ermittelt, da könne man nicht genau vorhersagen, wann alle Daten verfügbar seien. Die offizielle Geburtenrate für das Jahr 2008 wird von den Statistikern in Wiesbaden erst im Sommer veröffentlicht. Für das Jahr 2007 ermittelte die Behörde eine durchschnittliche Kinderzahl je Frau in Deutschland von 1,37 - nach 1,33 im Jahr 2006.

Nach Einschätzung des Rostocker Zentrums für Demografischen Wandel, das die Geburtenentwicklung so zeitnah wie möglich abzubilden versucht, lag die Geburtenrate im November 2008 bei 1,21 Kindern pro Frau für Gesamtdeutschland. Eine steigende Tendenz für 2008 vermag in Rostock niemand zu erkennen.