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Nach der Flut - Etliche Hindernisse drohen die rasche Sanierung der zerstörten Dörfer zu bremsen – das reicht vom Ausschreibungsverfahren für die Arbeiten bis zum Personalmangel in den Bauämtern

Widrige Umstände könnten Wiederaufbau verzögern

Von 
Alexander Sturm, Erich Reimann
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Anwohnerinnen gehen durch völlig verwüstete Straßen in Altenahr. © dpa

Berlin/Düsseldorf. Verwüstete Häuser, aufgerissene Straßen und eingestürzte Brücken: Der Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist eine Herkulesaufgabe. Bund und Länder haben zwar schon umfangreiche Finanzhilfen in Aussicht gestellt, und im Bundesverkehrsministerium tagte schon eine Taskforce für die Reparatur kaputter Brücken, Gleise, Straßen und Mobilfunkmasten.

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Doch eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt: Der Wiederaufbau wird eine Aufgabe mit vielen Hindernissen. Und vor allem: Er wird einige Zeit brauchen. Alleine bei der Deutschen Bahn und bei Straßen rechnet der Bund mit mindestens rund zwei Milliarden Euro Schäden, wie es aus Regierungskreisen hieß.

„Nach der Elbflut 2002 hat es etwa drei Jahre gedauert, bis die größten Schäden behoben waren, und fünf Jahre, bis die betroffenen Gebiete wieder ordentlich aussahen“, sagte Reinhardt Quast, Präsident des Zentralverbands des Deutsches Baugewerbes (ZDB) der Deutschen Presse Agentur. Um den Wiederaufbau zerstörter Häuser, Straßen und Brücken trotz hoch ausgelasteter Bauunternehmen und Materialengpässen zu stemmen, sei ein Kraftakt von Politik und Wirtschaft notwendig.

Öffentliche Aufträge zurückstellen

„Bauunternehmen und Handwerker können ihre Kapazitäten auf 120 bis 130 Prozent hochfahren“, sagte Quast. Aufträge könnten umgeschichtet und Prioritäten auf Krisenregionen gelenkt werden. Ebenso müsse die Politik öffentliche Aufträge in anderen Bereichen zurückstellen und Behörden unbürokratisch helfen, indem sie etwa Duplikate von weggeschwemmten Bauunterlagen aushändigten.

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Auch der Oberbürgermeister der 2002 vom Jahrhunderthochwasser hart getroffenen sächsischen Stadt Grimma, Matthias Berger, stimmt die Menschen in den betroffenen Regionen darauf ein, dass sie Geduld haben müssen. „Die Politik wird Wort halten. Es wird Geld geben. Aber es wird dauern. Denn Bürokratie und Katastrophe verträgt sich nicht“, beschreibt der parteilose Politiker die Erfahrungen in Grimma. Auch er ist überzeugt: „Der Wiederaufbau wird Jahre dauern.“

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Tatsächlich gibt es so manche Hürde, die einem raschen Wiederaufbau im Wege steht. Das fängt schon bei der Auftragsvergabe an. „Wir müssen schauen, dass wir das ganze Thema Ausschreibung und Vergabe so niedrigschwellig wie möglich gestalten. Wenn wir die Bauarbeiten europaweit ausschreiben müssen, verlieren wir ein halbes Jahr alleine für Ausschreibung und das Vergabeverfahren“, warnt Alexander Handschuh vom Deutschen Städte- und Gemeindebund.

Ein weiteres Problem sei der Personalmangel in vielen kommunalen Bauämtern. „Da musste jahrelang gespart werden. Jetzt fehlt es an Bauingenieuren und das könnte den Wiederaufbau verlangsamen“, fürchtet Handschuh. Die aktuellen Engpässe auf dem Rohstoffmarkt bei Holz oder Stahl seien eine zusätzliche Hürde. „Und auch bei den Baukapazitäten könnte es Engpässe geben, gerade wenn wie etwa bei Brücken Spezialfirmen gebraucht werden“, warnt der Branchenkenner.

Dass viele Reparaturen mehr Zeit brauchen werden als wünschenswert, zeichnet sich schon ab. Der Versorger Energienetze Mittelrhein warnte, die Wiederherstellung der Gasversorgung im Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz könne im schlimmsten Fall Monate dauern. „Die Gasleitung ist komplett gerissen. Wirklich zerstört“, sagte Firmensprecher Marcelo Peerenboom. „Das heißt für die Bürger: kaltes Wasser, und wenn die Heizperiode kommt, auch kalte Wohnung.“

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Und die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Altenahr, Cornelia Weigand, sagte im „Bild live“-Polittalk: „Es sieht so aus, als ob die Infrastruktur so stark zerstört ist, dass es in einigen Orten vielleicht über Wochen oder sogar Monate kein Trinkwasser geben wird“. 

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