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Corona - Das Robert Koch-Institut will für die Beurteilung der pandemischen Lage Krankenhausfälle und Impfquoten einbeziehen

Welche Zahlen wichtig werden

Von 
Miguel Sanches
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Berlin. Die Inzidenz, die Kennziffer für die Neuansteckungen mit Sars-CoV-2, verliert für Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) „zunehmend an Aussagekraft“. Auf welchen Indikator es im kommenden Herbst und Winter mehr denn je ankommen wird, verrät eine vom Robert-Koch-Institut (RKI) angekündigte Studie. Als „zusätzlichen Leitindikator“ schlagen die Experten laut „Bild“ die „Hospitalisierung“ vor – den Anteil der Corona-Infizierten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das wäre die Kurskorrektur, die seit Monaten angemahnt wird, zuletzt am Samstag vom saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) im Gespräch mit unserer Redaktion.

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Die Impfquote soll laut RKI künftig ein Corona-Bewertungskriterium sein. Ein Student an der Uni Mainz lässt sich impfen. © dpa

Wenn es so kommt, dann ist es nicht mehr entscheidend, wie viele Menschen sich infizieren. Wichtig bei der Bewertung der Pandemie wird dann, wie viele Menschen schwer erkranken. Dass die „Bild“ die RKI-Pläne („Geheimpapier“) bereits lüftet, dürfte deren offizielle Veröffentlichung beschleunigen, womöglich schon am heutigen Dienstag, wenn Kanzlerin Angela Merkel (CDU) das Institut besucht. Ein Überblick über alte und neue Zahlen, auf die es künftig bei der Bewertung der Pandemie ankommt.

Der R-Wert

Zu Beginn des Ausbruchs der Pandemie stand der R-Wert im Fokus. Die Zahl gibt an, wie viele andere Menschen eine mit dem Coronavirus infizierte Person durchschnittlich ansteckt. Liegt R bei eins, wird von einem Infizierten eine weitere Person infiziert. Schon bald gerieten allerdings andere Kriterien in den Vordergrund.

Die Inzidenz

Sämtliche „Lockdowns“, aber auch das zeitweilige „Notbremsen“-Gesetz sowie die „Quarantänepflicht“ für Reisende wurden bislang sehr stark nach der Inzidenz reguliert beziehungsweise mit ihr begründet. Sie war die Orientierungsgröße schlechthin, das „Maß aller Dinge“, wie sich Kritiker ärgerten. Hohe Inzidenzen führten in der Vergangenheit zu Einschränkungen, niedrige Zahlen zu Lockerungen.

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Für einen Arzt wie Peter Liese ist es klar, dass die Inzidenz „natürlich in einem anderen Licht erscheint“, je mehr Leute geimpft sind. Weil die Erkrankungen dann glimpflicher verlaufen. „Eine Inzidenz von 50 im Herbst würde nicht die gleichen Einschränkungen rechtfertigen wie im letzten Jahr“, erläuterte der CDU-Europaabgeordnete im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die Hospitalisierung

Bei der Einordnung der Pandemie kommt es zunehmend darauf an, wie viele Menschen so schwer erkranken, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Bisher lautete die Erfahrung: Steigt die Zahl der Infizierungen, landen mit einem gewissen zeitlichen Abstand auch mehr Menschen im Krankenhaus. Das ist aber nicht zwingend, weil immer mehr Menschen immun sind. Entweder sind sie genesen oder geimpft. In Großbritannien steigen die Infektionszahlen drastisch an, die Hospitalisierungszahlen ziehen aber nicht nach.

Die Intensivbettenbelegung

Womöglich ist bei der Beurteilung der Belastung des Gesundheitssystems die Zahl der Patienten auf Intensivstationen aussagekräftiger als die Hospitalisierungsrate. Die Zahl der Betten ist begrenzt und die Behandlung personalintensiv. Noch relevanter ist der Anteil der Covid-Patienten. In einer Stadt wie Berlin liegt er bei 3,6 Prozent, im Frühjahr waren es zwischen 20 und 30 Prozent. Gesundheitsminister Jens Spahn verpflichtete nun die Krankenhäuser, mehr Details zu Covid-19-Fällen zu melden, etwa Alter, Art der Behandlung, Impfstatus. „So können wir zeitnah abschätzen, wie hoch die Belastung für das Gesundheitssystem wird und wie gut die Impfungen wirken“, twitterte er.

Die Todesfälle

Ein umstrittenes Kriterium ist die Zahl der Todesopfer, für das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, besser bekannt als Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), war sie im Februar die „Unstatistik“ des Monats. Klar ist, dass in den letzten 24 Stunden deutschlandweit zwei Corona-Tote gemeldet wurden. Seit Ausbruch der Krise registrierte das RKI 91 233 Todesfälle. Aber an der Frage, ob die Menschen an oder mit Corona gestorben sind, scheiden sich die Geister, zumal infizierte Altbetagte vielleicht doch an anderen Ursachen verstorben sind.

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Die Impfquote

Ein Schlüsselkriterium wird künftig die Impfquote. 58,5 Prozent der Bürger haben die erste Dosis bekommen, 42,6 Prozent sind vollständig geimpft und gelten als immun. Das bedeutet nicht, dass sie das Virus nicht weitergeben können. Ebenso wenig bietet es eine Gewähr, dass sie nicht erkranken. Wohl geht man davon aus, dass die große Mehrheit der Infizierten nicht mehr schwer erkranken wird. Wenn die Inzidenzen steigen, die Zahl der hospitalisierten Erkrankten aber nicht im gleichen Maße, dann sieht der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, einer vierten Corona-Welle „sehr gelassen“ entgegen.

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