USA - Zur Amtseinführung von Joe Biden gleicht die Hauptstadt einem Hochsicherheitstrakt / Neue Attacken von Trump-Anhängern befürchtet Washington rüstet sich gegen den Mob

Von 
Dirk Hautkapp
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Washington. Von „Union Station“, dem schmucken Zentralbahnhof der amerikanischen Hauptstadt, bis zum Kapitol sind es zu Fuß keine 1000 Meter. Wer vom Zug kommt und am zweieinhalb Meter hohen Eisenzaun gegenüber die nötigen Ausweise besitzt, muss allerdings interne Kontrollposten, Betonbarrieren, Überwachungskameras sowie Hundertschaften von Militärs und Polizisten passieren, bevor schließlich der Ort in Sichtweite kommt, an dem Joe Biden am Mittwoch den Amtseid als 46. Präsident der USA ablegen wird.

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Nach den Ereignissen vom 6. Januar, als ein marodierender Mob Tausender Anhänger Donald Trumps den ungesicherten Kongress erstürmte, hat der Staat einen Hochsicherheitstrakt um die Herzkammer der Demokratie gelegt. 26 000 Nationalgardisten, dazu Tausende Stadtpolizisten, Secret-Service-Beamte, Kapitol-Polizisten, Nationalpark-Polizisten, US-Marshals und Hundertschaften von rund 15 anderen Institutionen werden im Einsatz sein.

Washington selbst wird am Festtag der Demokratie einer Geisterstadt gleichen. Das Gebiet zwischen Weißem Haus und Kapitol: komplett abgesperrt. Die „Mall“, auf der sonst über eine Million Schaulustige dem feierlichen Wachwechsel aus der Ferne beiwohnen, und der Obelisk, das Wahrzeichen der Stadt: wohl auch abgesperrt. Der öffentliche Nahverkehr: eingestellt. Geschäfte wie Restaurants: geschlossen. Der Luftraum: gesondert kontrolliert.

Reisende, die den Aufruf von Bürgermeisterin Muriel Bowser ignorieren, doch bitte zu Hause zu bleiben, müssen sich auf verschärfte Kontrollen einstellen. Der Mietwohnanbieter Airbnb hat Reservierungen im Großraum Washington storniert. Unter den Kunden seien „zahlreiche Personen“ entdeckt worden, die mit extremistischen Gruppen zu tun haben oder gar an den kriminellen Aktivitäten im Kapitol beteiligt waren, erklärte das Unternehmen.

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Nach Erkenntnissen der Site-Organisation in Maryland, die normalerweise den „Islamischen Staat“ oder die Taliban beobachtet, interpretieren einschlägige Gruppen den Sturm aufs Kapitol offenbar als Geburtsstunde einer Bewegung, die den Staat destabilisieren will. So wurde auf der kürzlich vom Netz genommenen Internetseite „Patriot Action for America“ dazu aufgerufen, „unter allen Umständen zu verhindern, dass Joe Biden ins Amt eingeführt wird“. Das FBI warnt vor Einzeltätern, die sich mit Waffen oder Sprengsätzen unter gewöhnliche Demonstranten mischen könnten.

Mit Einschüchterung versucht die Bundespolizei, die Pläne zu durchkreuzen. 200 Verdächtige, so Christopher Wray, seien bereits identifiziert und würden beobachtet. „Wir wissen, wer ihr seid“, sagte der Polizeichef. Die Abschreckung zeigt erste Wirkung. Die Organisatoren des „Million Militia March“, bei dem Zehntausende bewaffnete Trump-Anhänger rund um den 20. Januar in der Hauptstadt Flagge zeigen wollten, haben abgesagt: „Bleibt Washington so weit es geht fern“, heißt es in einem aktuellen Aufruf.