Untragbar

Steffen Mack zu den Vorwürfen gegen den Abgeordneten Jörg Tauss

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Der Fall Jörg Tauss lässt sich auf eine Frage reduzieren. Nicht die, ob die Staatsanwaltschaft Karlsruhe mit dem Bundestagsabgeordneten korrekt umgesprungen ist (anscheinend nein). Sondern, ob das bei ihm gefundene kinderpornografische Material seinen persönlichen Neigungen diente. Kein bisschen, sagt Tauss. Er habe vielmehr auf eigene Faust "einen Schweinestall ausmisten" wollen. Auch dann wäre er schuldig - aber nur ungeheurer Naivität.

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Als Medienpolitiker musste Tauss wissen, auf welch dünnes Eis man sich bei Recherchen über Kinderpornografie begibt. Manche Journalisten bekamen deswegen schon heftigen Ärger mit Staatsanwälten. Tauss glaubte sich durch seine Immunität als Abgeordneter geschützt. Das war nicht nur juristisch eine groteske Fehleinschätzung. Wie wollte er im Falle einer Entdeckung öffentlich plausibel machen, rein aus beruflichem Interesse zu handeln, wenn es dafür keinen einzigen Zeugen gibt, keinen Kollegen, Anwalt, Mitarbeiter?

Ob er sein Mandat behalte, solle nun die Öffentlichkeit entscheiden, sagt Tauss. Da komme es auch auf die Presse an. Gut, dann klare Worte: Als Bundestagsabgeordneter ist Tauss untragbar geworden.