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Afghanistan - Mehr als 1000 Soldaten suchen Zuflucht in Tadschikistan / Bundesregierung hat bisher 2400 Visa für schutzsuchende Ortskräfte erteilt

Tote bei nächtlichem Taliban-Überfall auf Militärstützpunkt

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dpa
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Der ehemalige US-Stützpunkt Bagram wurde an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Wegen des Vormarschs der Taliban fliehen immer mehr Soldaten. © dpa

Kabul/Duschanbe/Berlin. Im Westen Afghanistans haben militant-islamistische Taliban nach Behördenangaben mindestens 16 Soldaten getötet. Die Kämpfer hätten in der Nacht einen Stützpunkt in der Provinz Herat angegriffen, teilten örtliche Ratsmitglieder am Montag mit. Die Extremisten sind dort in vielen Bezirken aktiv und greifen häufiger Sicherheitskräfte an. Ein Viertel der Bezirke im Land haben die Taliban seit Beginn des Abzugs der internationalen Truppen Anfang Mai erobert.

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Allein am Wochenende nahmen sie nach Behördenangaben mindestens 28 Bezirke in mindestens acht Provinzen ein. Die USA kündigten indes an, den Abzug der eigenen Truppen bis Ende August abzuschließen. Die Bundeswehr hatte am vergangenen Dienstag ihre letzten verbliebenen Soldaten aus dem Norden des Landes ausgeflogen. Mehr als 1000 afghanische Soldaten sind aus Angst um ihr Leben vor den islamistischen Talibankämpfern in die zentralasiatische Ex-Sowjetrepublik Tadschikistan geflohen. Sie seien als Zeichen guter nachbarschaftlicher Beziehungen in der Nacht zum Montag ins Land gelassen worden, teilten die tadschikischen Grenztruppen in der Hauptstadt Duschanbe mit.

Sorge wegen Spannungen

Es war die bisher größte Zahl an Menschen innerhalb eines Tages, die sich in Sicherheit bringen wollten. Bereits in den Tagen zuvor waren Angehörige der afghanischen Regierungstruppen in der Provinz Badachschan vor den Taliban geflüchtet. Der tadschikische Präsident Emomali Rachmon zeigte sich bei einem Telefonat mit seinem afghanischen Kollegen Aschraf Ghani besorgt wegen der Spannungen in der Grenzregion. Tadschikistan hat mit der afghanischen Provinz Badachschan eine mehr als 900 Kilometer lange Grenze. Nach Angaben des Grenzschutzes in Duschanbe hat Tadschikistan weiter die Kontrolle. Besorgt wegen der Lage zeigte sich aber auch Russland.

Kontaktbüro noch nicht in Betrieb

Kremlsprecher Dmitri Peskow beklagte eine Destabilisierung in Afghanistan wegen des Abzugs der Truppen der USA und ihrer Verbündeten. Zur Frage möglicher zusätzlicher Kontingente für eine Verstärkung der in Tadschikistan stationierten russischen Streitkräfte sagte er, dies müssten das russische Militär und der Grenzschutz entscheiden.

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Die Bundesregierung hat zur Aufnahme schutzsuchender Ortskräfte aus Afghanistan bisher 2400 Visa erteilt. Die Lage vor Ort sei aber schwierig und ein geplantes Kontaktbüro der Internationalen Organisation für Migration (IOM) habe den Betrieb noch nicht aufgenommen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin. Trotzdem handele es sich um ein „sehr schnelles Verfahren“.

Das Schutzprogramm sei angelaufen, berichtete der „Spiegel“. Seit Ende Juni seien sechs Ortskräfte, die in Afghanistan für die Truppe gearbeitet haben, mit ihren Ehefrauen und Kindern in Deutschland angekommen. Aus Bundeswehrkreisen hieß es demnach, insgesamt seien bereits 23 Afghanen mit Linienmaschinen von Turkish Airlines aus Masar-i-Scharif ausgereist. In den kommenden Tagen würden rund 30 weitere Personen erwartet, die als gefährdet gelten. dpa

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