Indien - Ausgangssperre hat dramatische Auswirkungen / Tote durch Hunger und Erschöpfung / NGOs beraten über Pandemie-Folgen Sorge um Folgen in Indien

Von 
Stefanie Ball
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Der indische Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi gehörte zu den Teilnehmern des virtuellen "Ashoka"-Gipfels. (Archivbild) © Christian Ditsch/epd-bild/imago-images

Mannheim. 150 Kilometer musste das zwölf-jährige Mädchen laufen, um von den Chili-Feldern, auf denen es arbeitete, nach Hause zu gelangen. Sie war nur noch eine Stunde von ihrem Heimatdorf entfernt, als sie zusammenbrach. Passanten versuchten, das Kind wiederzubeleben, doch es starb. Nicht am Coronavirus, das auch in Indien das Leben zum Stillstand gebracht hatte. Sie war verdurstet. In ihrer Hand hatte sie ein Bund Chilis, sie wollte es ihrer Familie mitbringen.

Unternehmer-Netzwerk "Ashoka“

  • "Ashoka“ ist ein Netzwerk, das soziale Unternehmer weltweit verbindet; jedes Jahr werden neue Projekte, die innovative Ideen verfolgen, als „Fellows“ finanziell gefördert.
  • Gegründet wurde „Ashoka“ 1980 in den USA. Seit 2003 gibt es auch „Ashoka Deutschland“.
  • Benannt wurde es nach einem indischen Herrscher, der nach langer, blutiger Eroberungspolitik sich der Friedensförderung verschrieb. 
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„Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, müssen jetzt in der Krise und danach Priorität haben“, sagt Kailash Satyarthi aus Indien, der sich seit Jahrzehnten für die Rechte von Kindern engagiert. Der 66-Jährige hat im Kampf gegen Kinderarbeit eine weltweite Bewegung aufgebaut, 2014 war ihm dafür der Friedensnobelpreis verliehen worden.

Die Ausgangssperre ist für viele Menschen in Indien zu einer Falle geworden. Weil Busse und Bahnen nicht mehr fahren, mussten Tagelöhner zu Fuß in ihre Heimatdörfer zurückkehren. Zahlreiche Menschen starben so wie das Mädchen dabei an Hunger und Erschöpfung. Sie sind Opfer der Krise, ihre Not ist durch die Krise aber auch (wieder) in den Mittelpunkt gerückt. Das zumindest hofft Satyarthi, und mit ihm hoffen das viele andere, die am Mittwoch zu einem virtuellen Covid-19-Gipfel zusammengekommen sind, um über die Folgen der Pandemie zu beraten.

Initiator der Online-Konferenz ist „Ashoka“, eine gemeinnützige US-amerikanische Organisation, die weltweit Sozialunternehmer fördert sowie Menschen dazu ermuntert, selbst ein „Changemaker“ zu sein, Änderungen herbeizuführen. Das Netzwerk aus aktuellen und ehemaligen Stipendiaten - benannt nach dem Herrscher Ashoka im antiken Indien, der bis heute für seine friedfertige und gerechte Politik verehrt wird - ist in mehr als 90 Ländern aktiv, seit 2003 auch in Deutschland.

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Konfrontiert mit einer Pandemie, die die ganze Welt erfasst hat, haben viele Unternehmer und Nichtregierungsorganisationen auf die Krise längst reagiert. 20 von ihnen können auf dem „Ashoka“-Gipfel ihre Ideen den mehr als 1400 Teilnehmern aus aller Welt präsentieren - und auf Sponsoren hoffen. Die Aktivitäten reichen von einem Comic zur Bedeutung des Händewaschens über eine App, die auf einfache Weise die komplexe Krise erklärt, bis hin zu einem Faktenchecker, der sich der Flut falscher Nachrichten in Zeiten von Corona entgegenstemmt.

„Krise der Zivilisation“

Dass die Welt nach Corona eine andere sein wird, sein muss, darin waren sich alle einig. „Die Coronakrise ist nicht nur eine Gesundheitskrise, sie ist auch eine Krise der Zivilisation“, sagt Nobelpreisträger Satyarthi und fordert: „Wir müssen das Mitgefühl globalisieren und eine Lieferkette der Dankbarkeit aufbauen.“ Not und Leiden auf der Welt müssten beendet werden, und das gelinge nur mit einem Gefühl globaler Verbundenheit und Verantwortung.

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Das gemeinnützige Start-up „The Good Lobby“ (Die gute Lobby) will Entscheidungen in Nach-Corona-Zeiten jedoch nicht nur der Politik überlassen, sondern fordert mehr Bürgerbeteiligung. „Die politischen Entscheidungsträger wurden von der Pandemie völlig überrascht und waren nicht in der Lage, eine gemeinsame Antwort auf die Krise zu finden. Gleichzeitig wurden drakonische Corona-Maßnahmen erlassen, die bei den Menschen zu einem Gefühl der Machtlosigkeit geführt haben“, kritisiert Gründer und Direktor Alberto Alemanno.

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Als in Indien aufgrund der Coronakrise die Fabriken schlossen, wurden die Kinder, die dort illegal beschäftigt waren, einfach auf die Straße gesetzt. Sie waren sich selbst überlassen oder der Gnade Fremder. Nobelpreisträger Satyarthi hofft, dass diese moderne Form der Sklaverei nach Überwindung der Pandemie ein Ende hat. „Wir müssen an die Menschlichkeit glauben, dann gehen wir gestärkt aus der Krise hervor.

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