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Ukraine

Selenskyi kündigt Vergeltung an

Bei einem Raketenangriff werden Dutzende Gefangene in einem Lager getötet – Russland weist die Verantwortung dafür zurück

Von 
dpa
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Kiew. Nach der Tötung Dutzender ukrainischer Kriegsgefangener in einem von Russland kontrollierten Lager hat Präsident Wolodymyr Selenskyj Vergeltung angekündigt. Es handele sich um ein vorsätzliches russisches Kriegsverbrechen, sagte der Präsident in einer Videobotschaft. Erneut forderte er die Weltgemeinschaft auf, Russland offiziell als Terrorstaat einzustufen. Das russische Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte am Wochenende die Namen von 50 getöteten und 73 verletzten Gefangenen. Sie waren in einem Gefängnis in dem Ort Oleniwka inhaftiert gewesen, der bei Donezk auf dem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet liegt. In der Baracke war in der Nacht auf Freitag angeblich eine Rakete eingeschlagen.

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Das Lager ist auf einem Satellitenfotozu sehen © Uncredited/Maxar Technologies/dpa

Menschen sollen Donezk verlassen

Russland schiebt den Treffer auf die präzisen Himars-Mehrfachraketenwerfer aus den USA, die die ukrainische Armee einsetzt. Die Angaben beider Seiten waren nicht sofort verifizierbar; erste Analysen von Bildern und Videos weckten aber Zweifel an der russischen Version. „Das verfügbare optische Material scheint die ukrainische Darstellung eher zu stützen als die russische“, schrieb das US-Institut für Kriegsstudien (ISW), ohne sich endgültig festzulegen. „Russland soll Dutzende ukrainische Kriegsgefangene getötet haben“, sagte der EU-Außenbeauftragte Josep Borell. Medien zeigten Bilder von einem ausgebrannten Schlafsaal mit Leichen. Auch vor dem Gebäude, dessen Decke große Löcher aufwies, lagen viele mit Planen abgedeckte Körper.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) wartete vergeblich auf Zugang zum Lager. Bis Sonntagnachmittag habe es keinen Zugang zu dem Ort gegeben, sagte ein Sprecher in Genf. Das russische Verteidigungsministerium sagte dagegen in Moskau, es habe das IKRK zu einem Besuch eingeladen.

Selenskyj rief wegen der massiven Angriffe der russischen Armee im Osten des Landes die Menschen zum Verlassen des Gebiets Donezk auf. „Im Donbass sind Hunderttausende Menschen, Zehntausende Kinder, viele lehnen es ab zu gehen“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache. Er appellierte eindringlich an die Bewohner des Donbass, sich für eine Flucht zu entscheiden. „Glauben Sie mir“, sagte er flehentlich. „Je mehr Menschen aus dem Donezker Gebiet gehen, desto weniger Leute kann die russische Armee töten“, sagte er.

In der Nacht zum Sonntag, dem 158. Tag des Krieges, beschoss die russische Armee zahlreiche ukrainische Städte mit Raketen. In Mykolajiw im Süden sprach Bürgermeister Olexander Sjenkewytsch vom wahrscheinlich heftigsten Beschuss seit Beginn des Krieges. Dabei seien der Besitzer einer großen ukrainischen Getreidehandelsfirma und seine Frau getötet worden. In der Schiffsbauerstadt soll den Angaben zufolge die Hälfte der einst knapp 500 000 Einwohner ausharren.

Auf der von Russland 2014 annektierten Halbinsel Krim wurden in der Hafenstadt Sewastopol am Sonntag die traditionellen Feiern zum Tag der Marine abgesagt. In anderen Regionen Russlands wurde gefeiert, in St. Petersburg nahm Präsident Wladimir Putin daran teil. Grund für die Absage sei ein Drohnenangriff auf das Stabsquartier der Schwarzmeerflotte, schrieb der Gouverneur von Sewastopol, Michail Raswoschajew, im Nachrichtenkanal Telegram. Bei der Explosion im Hof der Kaserne seien sechs Menschen verletzt worden. Den angeblichen Angriff schrieb er der Ukraine zu, deren Marine aber dementierte. dpa

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