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Ukraine - Ex-Kanzler will Posten aufgeben, wenn Russland kein Gas mehr liefert / Treffen mit Putin im März

Schröder bietet sich als Vermittler an

Von 
Michael Fischer
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Gerhard Schröder (SPD), ehemaliger Bundeskanzler. © Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Altkanzler Gerhard Schröder kann sich einen Rücktritt von seinen Posten für russische Energiekonzerne offensichtlich nur für einen Fall vorstellen: wenn der russische Präsident Wladimir Putin Deutschland und der Europäischen Union das Gas abdreht. In einem am Samstag veröffentlichten Interview der „New York Times“ sagt er, dass er nicht mit einem solchen Szenario rechne. Sollte es aber doch dazu kommen, „dann würde ich zurücktreten“, fügt er hinzu – ohne explizit zu sagen, von welchen Posten.

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Schröder ist Aufsichtsratschef beim staatlichen russischen Energieriesen Rosneft und Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Pipeline-Gesellschaft Nord Stream. Außerdem ist er im zuständigen Handelsregister nach wie vor als Verwaltungsratspräsident der Nord Stream 2 AG eingetragen. Er steht in Deutschland massiv in der Kritik, weil er sich trotz des russischen Angriffs auf die Ukraine nicht von seinen Posten trennt. Vier SPD-Verbände, darunter der in Heidelberg, haben deswegen ein Parteiausschlussverfahren gegen Schröder beantragt.

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Veröffentlicht
Kommentar von
Julia Emmrich
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Schröder ist seit seiner Zeit als Kanzler (1998 bis 2005) eng mit Putin befreundet. In seinem ersten Interview seit Beginn des Ukraine-Kriegs macht er deutlich, dass er weiter bereit ist, diesen guten Draht zur Vermittlung zwischen Russland und der Ukraine zu nutzen. „Ich denke, dieser Krieg war ein Fehler und das habe ich auch immer gesagt.“ Man müsse nun so schnell wie möglich zu einer Friedenslösung kommen. „Ich habe immer deutsche Interessen vertreten. Ich tue, was ich kann. Wenigstens eine Seite vertraut mir“, sagt der frühere SPD-Chef.

„Initiative aus der Ukraine“

Wie groß das Vertrauen Putins in Schröder ist, zeigt der Ablauf des ersten Vermittlungsversuchs des Altkanzlers. Schröder war im März gut zwei Wochen nach Kriegsbeginn nach Moskau gereist, um mit Putin zu sprechen. Dem Bericht der „New York Times“ zufolge wurde er vom russischen Präsidenten im Kreml wie ein Staats- oder Regierungschef empfangen. So wie Scholz und der französische Präsident Emmanuel Macron wenige Wochen zuvor sprach er mit Putin an einem inzwischen berühmt gewordenen sechs Meter langen Riesentisch.

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Zu den Details des Gesprächs äußert sich der 78-jährige Schröder in dem Interview nicht und verrät nur so viel: „Was ich Ihnen sagen kann, ist, dass Putin daran interessiert ist, den Krieg zu beenden. Aber das ist nicht so leicht. Da gibt es ein paar Punkte, die geklärt werden müssen.“

Die Initiative für die Moskau-Reise ging laut Schröder von ukrainischer Seite aus, den Kontakt habe das Schweizer Medienunternehmen Ringier hergestellt. Der ukrainische Parlamentarier Rustem Umerow habe ihn vor der Reise nach Moskau bei einem Treffen in Istanbul über die ukrainischen Positionen informiert. Nach dem Gespräch mit Putin habe es ein weiteres Treffen mit Umerow gegeben, danach sei der Kontakt abgebrochen. Er sei aber bereit, mit beiden Seiten wieder zu sprechen, sagt Schröder der „New York Times“.

Die Deutschland-Korrespondentin der Zeitung traf sich nach eigenen Angaben zwei Mal mit Schröder in dessen Heimatort Hannover. Der Altkanzler habe sich in den beiden Gesprächen vom Krieg distanziert, aber nicht von Putin, schreibt die „New York Times“. 

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