Schlüssel zur Fessel

Von 
Detlef Drewes
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Die Corona-App ist keine elektronische Fußfessel. Und auch kein Spion auf dem eigenen Mobiltelefon. Im Gegenteil: Die Software fürs Handy ist so etwas wie ein Schlüssel, um die Zwangsjacke der Kontaktbeschränkungen wieder abzulegen und die Infektionsketten zu durchbrechen.

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Bedenken in Richtung Datenschutz und Sicherung der Privatsphäre, über die reichlich debattiert wird, sind berechtigt. Aber sie überzeugen nicht. Schwarzmaler werden einmal mehr die Gefahr beschwören, dass niemand wirklich sicher sein könne, ob nicht doch persönliche Bewegungsmuster aufgezeichnet oder gewonnene Informationen nicht doch irgendwo gespeichert werden.

Der Einstieg ausgerechnet der beiden Großkonzerne Apple und Google, die nicht gerade für ihren zurückhaltenden Umgang mit persönlichen Daten bekannt sind, mag diese Befürchtungen bestätigen. Doch deren Mitarbeit ist nötig, damit die App im Alltag technisch reibungslos läuft.

Zweifler sollten sich tatsächlich klarmachen, dass diese App ein konkreter Beitrag ist, um Leben und die persönliche Freiheit zu retten – weil sie in der Lage ist, Infektionsketten deutlich schneller zu stoppen als die bisherige mühsame Arbeit der Behörden. Deshalb muss sie nicht nur schnell kommen, sondern auch von möglichst vielen genutzt werden. Dennoch kann auch eine technisch gute und politisch sinnvolle digitale Überwachung instrumentalisiert werden. Die Bundesregierung hat, ebenso wie die Spitzen vieler anderer Länder, stets die Freiwilligkeit betont.

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Auch wenn die Epidemiologen eine Beteiligung von mindestens 60 Prozent der Bevölkerung fordern, damit die Wirkung breit und die Sicherheit für jeden Einzelnen hoch ist, darf doch niemand unter Druck gesetzt werden, sich der Beobachtung zu unterwerfen.

Die Versuchung dazu ist groß: Arbeitgeber könnten ihre Mitarbeiter zwingen, die App zu installieren, um wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Der Reiz, größere persönliche Bewegungsfreiheit an die Nutzung der App zu koppeln, ist da. Solchen Druck darf es nicht geben, wohl aber Überzeugungsarbeit.

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Jeder muss sich fragen lassen, ob die Solidarität mit denen, die zu den Risikogruppen gehören, nicht mindestens genauso wichtig oder wichtiger ist als die Einstellung, sich nicht einer solchen Erfassung durch die App zu unterwerfen. Und dass individuelle Freiheit unter Umständen auf dem Rücken anderer erkauft wird.

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Wir brauchen diese Corona-App mehr denn je, wir sollten sie nutzen.

Korrespondent