Kriminalität - Krise nach Ermordung eines Georgiers in Berlin nimmt an Schärfe zu Russland weist deutsche Diplomaten aus

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dpa
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Schauplatz der diplomatischen Krise: die russische Botschaft in Berlin. © dpa

Moskau/Berlin. Nach dem mutmaßlichen Auftragsmord an einem Georgier in Berlin verschärft sich die diplomatische Krise zwischen Deutschland und Russland. Das russische Außenministerium ordnete am Donnerstag die Ausweisung zweier deutscher Diplomaten an, die nun sieben Tage Zeit haben, das Land zu verlassen. Dies sei eine Reaktion auf die „grundlose Entscheidung“ der Bundesregierung, zwei russische Mitarbeiter zu unerwünschten Personen in Deutschland zu erklären, hieß es.

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Bundesaußenminister Heiko Maas nannte die Moskauer Vergeltungsmaßnahme „völlig ungerechtfertigt“. „Diese Entscheidung sendet das falsche Signal“, sagte der SPD-Politiker im Bundestag. Erneut rief er die russischen Behörden auf, an der Aufklärung mitzuarbeiten. Man werde nun die Ermittlungen des Generalbundesanwalts abwarten. „Und wir werden uns auch weitere Schritte vorbehalten“, so Maas.

Hintergrund des Streits ist, dass die Bundesregierung Russland fehlende Kooperation bei der Aufklärung des Mords vorwirft. Der 40-jährige Georgier, der in der russischen Teilrepublik Tschetschenien aufseiten der Separatisten gekämpft haben soll, war am 23. August in Berlin erschossen worden. Der mutmaßliche Täter, ein Russe, wurde gefasst. Er sitzt in Untersuchungshaft.

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt staatliche Stellen in Russland oder in der Teilrepublik Tschetschenien, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Die Behörde hat deshalb die Ermittlungen übernommen. Zudem wurden wegen der fehlenden Kooperation in der vergangenen Woche zwei russische Diplomaten ausgewiesen. Die Mitarbeiter der russischen Botschaft bekamen ebenfalls sieben Tage Zeit, das Land zu verlassen.

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Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Vergeltungsmaßnahme bereits am Dienstag nach einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Rande des Ukraine-Gipfels angekündigt. Er hatte den Georgier als „Mörder“ bezeichnet und ihm die Beteiligung an zwei Anschlägen mit vielen Toten vorgeworfen. Deutschland beschuldigt er, Auslieferungsersuchen abgelehnt zu haben. Die Bundesregierung bestreitet, dass solche Ersuchen eingegangen sind. dpa