Ecuador - Protestwelle wegen erhöhter Spritpreise Regierung sucht Dialog

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dpa
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Quito. Nach zehn Tagen anhaltender Proteste in Ecuador haben die Regierung und die Führung der indigenen Völker erstmals einen Dialog eingefädelt. Beide Seiten vereinbarten ein erstes Treffen für Sonntagabend (Ortszeit), teilten die UN-Vertretung in Ecuador und die Bischofskonferenz mit, die eine Vermittlungsrolle im Konflikt übernommen haben.

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Staatschef Lenín Moreno bestätigte seine Bereitschaft zum Dialog. Gleichzeitig hielt er die am Samstag verkündete Ausgangssperre in Quito „bis auf weiteres“ aufrecht, um den Ausschreitungen gewalttätiger Demonstranten Einhalt zu bieten.

Dieselpreis mehr als verdoppelt

Moreno sei bereit, das kontroverse Dekret der Streichung der Subventionen zu revidieren, das die zehn Tage andauernde Protestwelle entfachte, erklärte der Bürgermeister von Quito, Jorge Yunda, nach einem Treffen mit dem Präsidenten am Samstag. Die Regierung hatte bis dahin stets die Maßnahme als unwiderruflich bezeichnet. Sie ist Teil der Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) für einen Kredit von 4,2 Milliarden Dollar. Das Andenland befindet sich in einem finanziellen Engpass, um den Verpflichtungen der hohen Auslandsschuld nachzukommen, die 45 Prozent des Bruttoinlandprodukts entspricht.

Die Konföderation der indigenen Völker Ecuadors (Conaie) erklärte sich ihrerseits bereit, in direktem Dialog mit Moreno über die „Aufhebung oder Revidierung“ des Präsidentendekrets zur Abschaffung der Subventionen zu sprechen. Bislang hatte die Conaie die Wiedereinführung der Subventionen zur Senkung der Spritpreise zur Bedingung für eine Aufnahme von Gesprächen gemacht. Die Erhöhung des Diesel-Preises um über 100 Prozent bedeute eine untragbare Last für die indigenen Bauern.

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Rund 25 Prozent der Ecuadorianer leben in Armut. Unter der ländlichen Bevölkerung erreicht der Anteil 45 Prozent. dpa