Polizei: Lob für Anwendung des neuen Amok-Konzepts "Rascher Einsatz hat sich bewährt"

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Joachim Rüeck

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Stuttgart. Der Amoklauf an der Albertville-Realschule hätte noch wesentlich mehr als 16 Todesopfer fordern können: Innenminister Heribert Rech zeigte sich überzeugt, dass der rasche Einsatz der Polizei am Tatort "eine weitere Tat-Eskalation verhinderte". Mit ihrem neuen Amok-Konzept sei die baden-württembergische Polizei "richtig und gut aufgestellt", sagte Landespolizeipräsident Erwin Hetger (Bild).

Polizisten, die zuerst an den Ort eines Amoklaufs kommen, sollen versuchen, den Täter unschädlich zu machen - und nicht mehr, wie früher, auf ein Spezialkommando warten. Die ersten Polizisten sind laut Rech "etwa zwei Minuten" nach Eintreffen des Notrufs an der Albertville-Realschule eingetroffen. Sie hätten noch Schüsse gehört, bevor der Amokläufer Tim K. auf sie feuerte und die Flucht ergriff. "Wenn Sie die nicht benutzte Munition sehen, die auf dem Boden lag" - angeblich mehrere hundert Schuss - "können Sie sich ausmalen, was hätte passieren können", so Hetger.

Seit 2007 bekommen die Polizisten im Südwesten ein Spezialtraining. Bis Ende 2009 sollen alle rund 15 000 Polizisten des Landes geschult sein. 150 speziell für Amokläufe ausgebildete Trainer stehen dafür bereit. Die Einheiten seien bereits flächendeckend absolviert worden, sagte Josef Schneider, Landeschef der Polizeigewerkschaft GdP. In 24 der jährlich 40 Einsatz-Übungsstunden geht es um Amokläufe: Video-Simulationen, Rollenspiele, psychologische und taktische Schulungen. Um die Stresssituation für die Polizisten möglichst realistisch nachzustellen, wird mit Farbmunition geschossen. Zuvor galt, eher defensiv vorzugehen und Spezialisten das Stürmen eines Gebäudes zu überlassen. Nun sollen im Ernstfall die ersten Polizisten am Tatort ran. "Die Beamten gehen da mit einem hohen Eigenrisiko in die Verantwortlichkeit", sagt Rech. Selbst der GdP-Chef stimmt zu, obwohl die Gewerkschaft dem Konzept anfangs wegen des hohen Risikos kritisch gegenüberstand: "Die Polizei kann nicht einfach draußen warten. 131 Amokdrohungen, so Hetger, habe es im Land seit dem Amoklauf in Emsdetten 2006 gegeben. Die jüngste für den heutigen Tag an der Pforzheimer Alfons-Kern-Schule sei nicht ernst zu nehmen.