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Terror

Prozess zu Attentat von Nizza gestartet

Beim Lastwagen-Anschlag am 14. Juli 2016 starben 86 Menschen. Jetzt stehen die mutmaßlichen Helfer des Täters vor Gericht

Von 
Birgit Holzer
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Paris. Zwei Monate nach dem Ende des Prozesses um die Terroranschläge vom 13. November 2015 in Paris haben am Montag die Verhandlungen um ein weiteres Attentat begonnen, das das Land erschüttert hat: Am 14. Juli 2016 war der 31-jährige Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel mit einem 19-Tonnen-Lkw auf die Strandpromenade in Nizza in die Menge gerast. Er tötete 86 Menschen und verletzte mehr als 450.

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Gestartet war der Täter unmittelbar nach dem traditionellen Feuerwerk zum Nationalfeiertag, das knapp 30 000 Menschen zur Promenade gelockt hatte. Vier Minuten und 17 Sekunden nach Beginn der mörderischen Fahrt konnten Polizisten den Lastwagen stoppen und den bewaffneten Täter erschießen.

Zwei Tage später bekannte sich die Terror-Organisation „Islamischer Staat“ zu der Tat, ohne dass sich vorherige Kontakte mit dem Täter nachweisen ließen. Er ist nicht mehr da, um sich für seine Gräueltat zu verantworten und den 865 Nebenklägern gegenüberzustehen, die Nahestehende verloren haben oder Verletzungen und schwere Traumata davontrugen.

Angeklagt sind acht Personen. Sie sollen Lahouaiej Bouhlel mit der Lieferung von Waffen oder beim Mieten des Lasters unterstützt haben. Drei von ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, von dessen konkreten Plänen gewusst zu haben, ohne selbst als Komplizen oder als radikalisiert zu gelten. Ihnen drohen Gefängnisstrafen zwischen 20 Jahren und lebenslänglich. Bei vier der Angeklagten handelt es sich um Albaner, unter ihnen eine Frau, über die Lahouaiej Bouhlel Waffen bezog. Ihnen drohen Strafen von bis zu zehn Jahren Haft.

Zum Auftakt zeigten sich die Männer bereit, auf die Fragen der Justiz zu antworten. Mohamed Lahouaiej Bouhlel wurde als psychisch labil, brutal, ja pervers beschrieben, seine Ex-Frau und Mutter der drei gemeinsamen Kinder bezeichnete ihn als „Monster“. Den Lastwagen lenkte er Zeugenaussagen zufolge bewusst auf Kinder, Familien und Senioren. Eine Gerichtsverhandlung könne nichts wiedergutmachen, warnte Antoine Casubolo Ferro, der Anwalt von neun Opfern: „Sie leben mit den Narben und ihrem Schmerz. Ein Prozess hilft lediglich, Menschen, die für immer verletzt sind, zu stützen.“ Mehr als 2500 Betroffene wurden inzwischen von einem speziellen Fonds entschädigt. Terror-Prozesse finden in Frankreich seit 1986 grundsätzlich in Paris statt, doch die Verhandlungen werden zugleich in ein Kongresszentrum in Nizza übertragen. Mehr als die Hälfte der Nebenkläger stammt aus der Region an der Côte d’Azur. Rund 250 von ihnen wollen aussagen.

Die Urteile werden am 16. Dezember erwartet.

Korrespondent

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