Klimawandel: Experten halten Erwärmung um fünf Grad für möglich Prognose wird düsterer

Lesedauer: 

Kopenhagen. Wenige Monate vor dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen zeichnen die führenden Fachwissenschaftler ein stark verdüstertes Bild von der Zukunft der Erde. Der britische Ökonom Lord Nicholas Stern sagte gestern bei dem wissenschaftlichen Vorbereitungstreffen auf den Klimagipfel im Dezember, die Experten müssten den Menschen "laut und sehr deutlich erklären, was fünf Grad Erderwärmung bedeuten".

Gletscher schwinden schneller

AdUnit urban-intext1

Bisher galt eine Erwärmung der Durchschnittstemperaturen um etwa anderthalb bis zwei Grad bis Ende des Jahrhunderts als wahrscheinlich, falls die CO2-Emissionen massiv vermindert werden. Stern, früherer Berater der britischen Labour-Regierung, war 2006 mit einem nach ihm benannten Klima-Report bekanntgeworden, dessen Vorhersagen über die Kosten des Klimawandels als betont düster galten.

In Kopenhagen legten Experten neue Schätzungen vor, wonach sich der Meeresspiegel im Vergleich zu früheren Schätzungen bis 2100 wahrscheinlich um einen Meter oder mehr heben werde. Nach der jüngsten Schätzung des Weltklimarates IPCC von 2007 galt eine Anhebung um knapp die Hälfte als wahrscheinlich. Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf sagte: "Die Gletscher schmelzen viel schneller, als wir angenommen haben, und der Meeresspiegel steigt um 50 Prozent schneller."

Der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans-Joachim Schellnhuber, sagte, bei einer Erderwärmung um fünf Grad werde es in mehreren zentralen Bereichen ein komplettes "Umkippen mit Dominoeffekt" geben. Als Beispiel nannte der Klimaberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel das völlige Verschwinden des Regenwaldes am Amazonas und das Wegschmelzen der grönländischen Gletscher.

AdUnit urban-intext2

Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben schon derzeit etwa 150 000 Menschen in Entwicklungsländern aufgrund des Klimawandels, 85 Prozent davon sind Kinder. Die Gründe seien Hunger durch Missernten, Durchfallerkrankungen, Malaria und Überflutungen.