Erwartungen an Trumps Präsidentschaft - Mitglied des Vorstandes der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien und Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte, Universität Mannheim Philipp Gassert: "Kein Respekt vor nichts und niemandem"

Lesedauer: 

Trump wird Trump bleiben. Er wird sich auch künftig keinen Regeln unterwerfen, weder der Politik, noch der Diplomatie, noch des simplen Anstands. Er zwingt allen sein Nullsummenspiel auf, kennt nur Gewinner und Verlierer. Er spaltet Amerika und die Weltgemeinschaft noch tiefer. Das "Bild"-Interview widerlegt, wer (wie ich) auf eine pragmatische Wende hoffte.

AdUnit urban-intext1

Warum auch sollte er sich ändern? Die Strategie des gezielten Tabubruchs hat Erfolg: Er hat die Schlacht ums Weiße Haus gewonnen, erfahrene Wahlprognostiker entwaffnet. Er revolutioniert die politische Kommunikation via Twitter. Er legt sich ungestraft mit Geheimdiensten und Bürgerrechtsikonen an. Europas Populisten, Putin und Netanjahu jubeln, Weltkonzerne kriechen zu Kreuz, die Republikaner treten ins Glied.

Trump hat keinen Respekt vor nichts und niemandem, schon gar nicht vor seinem Amt. Er ist politisch so naiv wie historisch ahnungslos, unterschätzt, dass Amerikas Weltmachtrolle auf Institutionen wie Nato und WTO basiert. Er pfeift auf diplomatische Gepflogenheiten, greift EU und Kanzlerin direkt an. Man male sich sein Agieren auf dem G7-Gipfel aus! Das kann nicht gut enden.

Wie lange kommt er damit durch? Wann holt ihn die soziale Realität ein? Wird ihn der Apparat einhegen können? Er unterläuft Strukturen mittels sozialer Medien, kann dabei irreparabel schaden (siehe Brexit), Amerika "kleiner machen". Vielleicht verliert er bald die Lust oder kommt anders zu Fall: Das wäre das optimistische Szenario.

Mehr zum Thema

Prominente zu Trump-Präsidentschaft "Trump erschreckt uns"

Veröffentlicht
Von
und Alexander Jungert
Mehr erfahren