Parallelen zu Christchurch gezogen

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dpa
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Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern zieht nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle Vergleiche zum Attentat auf zwei Moscheen in Christchurch mit mehr als 50 Opfern. In beiden Fällen wollten die Täter die Angriffe live in sozialen Netzwerken veröffentlicht sehen.

Einzeltäter

  • Ob Altenheim, Museum, Schule oder Synagoge – nicht nur in Deutschland werden jüdische Institutionen häufig zum Ziel antisemitischer Einzeltäter.
  • Poway (USA), 2019: Am letzten Tag des jüdischen Pessachfestes wird eine Frau in einer Synagoge erschossen. Es gibt drei Verletzte. Der Tatverdächtige – ein junger Weißer – steht derzeit vor Gericht.
  • Pittsburgh (USA), 2018: Ein Rechtsradikaler erschießt in der „Tree of Life“-Synagoge elf Menschen – das bisher folgenschwerste antisemitisch motivierte Verbrechen in der Geschichte der USA.
  • Brüssel (Belgien), 2014: Im Jüdischen Museum tötet ein französischer Islamist vier Menschen und wird bald darauf festgenommen. Anfang 2019 beginnt der Prozess in Brüssel.
  • Overland Park (USA), 2014: Ein Antisemit erschießt in einem jüdischen Gemeindezentrum und einem jüdischen Seniorenheim drei Menschen. Keines der Todesopfer ist jüdischen Glaubens.
  • Toulouse (Frankreich), 2012: Vor einer jüdischen Schule tötet ein Franzose algerischer Herkunft drei Kinder und einen Lehrer. Einige Tage zuvor hatte er drei Soldaten umgebracht. Polizisten erschießen den islamistischen Attentäter.
  • München (Deutschland), 1970: Brandanschlag auf ein jüdisches Altenheim, sieben Menschen sterben. Der oder die Täter werden nicht gefunden, 2017 stellt die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen endgültig ein. 
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„Nach dem 15. März in Christchurch war uns sehr wohl bewusst, dass es durchaus wahrscheinlich ist, dass sich diese Art von Streaming (Live-Übertragung im Internet) eines so schrecklichen Ereignisses wiederholen könnte“, sagte Ardern am Donnerstag im Radio New Zealand.

Bündnis der Internetriesen

Ardern verwies in diesem Zusammenhang auf erste Erfolge der neuseeländischen Initiative „Christchurch Call for Action“. Dabei geht es darum, Staaten und Tech-Unternehmen für den Kampf gegen terroristische und extremistische Inhalte im Netz zu gewinnen. „Das von uns entwickelte Notfallprotokoll beginnt Wirkung zu zeigen. Unternehmen kommunizieren miteinander, um sicherzustellen, dass sich das Video (aus Halle) nicht online verbreitet“, sagte sie.

Internetgiganten wie Amazon, Facebook oder Google hatten in den Monaten nach Christchurch mit mehreren Staaten ein Bündnis gegen solche Online-Inhalte geschmiedet. Sie stellten mehr konkrete Schritte sowie Investitionen in Aussicht, betonten aber, dass es hier um komplexe Probleme gehe, bei denen die gesamte Gesellschaft gefordert sei. dpa

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