Oberärztin Stephanie Nitsch: "Noch sind wir in der abwartenden Haltung"

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mig
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Ein großer Teil meines Lebens dreht sich zurzeit um das Coronavirus. Nicht nur, weil meine drei Kinder zu Hause natürlich fragen, warum sie nicht zur Schule und in den Kindergarten gehen können. Sondern hauptsächlich, weil ich als Intensivmedizinerin auf unserer COVID-19-Station im Einsatz bin. Aktuell behandeln wir dort acht beatmungspflichtige Patienten. Das ist noch relativ gut zu schultern.

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Noch sind wir in der abwartenden Haltung. Seit Fasching überlegen wir, wie wir uns auf das vorbereiten können, was da auf uns zukommt. Wir haben unseren Intensivbereich zweigeteilt: in eine COVID-19-Station und eine Station für die andern Fälle, die es ja weiterhin gibt, etwa Hirnblutungen oder schwere Unfälle.

Serie "Die Krise und ich"

In der Serie stellen wir Personen vor, die vom Coronavirus und den Auswirkungen besonders betroffen sind.

23 Patienten konnten wir vorher parallel behandeln, jetzt haben wir die Kapazität ausgebaut auf insgesamt 36. Dazu haben wir auch Kollegen aus anderen Bereichen bei uns eingearbeitet.

Die Bilder, die man aus Italien oder Spanien sieht, sind natürlich schockierend. Niemand, der hier im Klinikum arbeitet, hat je so eine Situation erlebt, in der die medizinische Versorgung für einzelne Patienten nicht mehr gewährleistet werden kann. Und ich hoffe sehr, dass wir so etwas auch nie erleben werden.

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Aber man muss ehrlicherweise sagen: Zurzeit kann niemand ausschließen, dass es auch bei uns zu solchen Situationen kommt.

In normalen Zeiten sind unsere Kapazitäten schon ausgelastet. Und jetzt kommt noch einmal eine Vielzahl an Patienten oben drauf. Das könnte das System tatsächlich überlasten. Aber noch ist es nicht soweit.

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Worunter Angehörige und Patienten dagegen jetzt schon leiden, ist das generelle Besuchsverbot. Es ist medizinisch gesehen wegen der Ansteckungsgefahr völlig richtig. Aber für die Betroffenen, die sich nicht mehr persönlich begegnen und austauschen dürfen, ist das ein großes Thema. Und ich befürchte, dass es ein noch größeres werden wird – wenn auch hier die ersten Patienten sterben werden und selbst die engsten Angehörigen nicht mehr Abschied nehmen können.

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Stephanie Nitsch, 39, Oberärztin, Mannheim

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