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Ukraine-Krieg

Moskau und Kiew werfen sich Beschuss von Gefangenen vor

Gegenseitige Anschuldigungen nach Angriff auf Lager mit mehr als 40 Toten und über 75 Verletzten. Handelt es sich um eine Operation unter falscher Flagge?

Von 
dpa
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Ukrainische Soldaten feuern eine Haubitze M777 in der Region Charkiw ab.

Moskau/Kiew/Charkiw/Mykolajiw. Nach dem Beschuss eines Kriegsgefangenenlagers mit mehr als 40 Toten im Donezker Separatistengebiet in der Ukraine geben sich Moskau und Kiew gegenseitig die Schuld. „Es ist offensichtlich ein bewusster Beschuss und der Wunsch, diejenigen Vertreter, darunter des Asow-Regiments, zu vernichten, die angefangen haben, Geständnisse abzulegen“, behauptete der prorussische Separatistenführer Denis Puschilin. Der ukrainische Generalstab seinerseits sprach von einer gezielten „Provokation, für die Russland verantwortlich ist“. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen.

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Jüngsten Angaben aus Donezk zufolge stieg die Opferzahl im Gefängnis bei Oleniwka inzwischen auf 53 Tote. Mehr als 75 Insassen des Gefangenenlagers seien verletzt worden. In Moskau hat das Ermittlungskomitee inzwischen ein Strafverfahren „im Zusammenhang mit dem Schlag der ukrainischen Nationalisten“ wegen verbotener Kriegsführung eingeleitet. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Baracke, in der die Soldaten – darunter viele Kämpfer des ukrainischen nationalistischen Asow-Regiments – gefangen gehalten wurden, sei von Raketenwerfern des Typs Himars beschossen wurden. Die USA hatten den Mehrfachraketenwerfer vor einigen Wochen an Kiew geliefert.

Die ukrainische Führung weist den Vorwurf zurück. So sprach der Präsidentenberater Michajlo Podoljak von einer „klassischen, zynischen und sehr durchdachten Operation unter falscher Flagge“. Der Generalstab wiederum betonte, dass es sich bei den Himars um Präzisionswaffen handle und die ukrainischen Soldaten keine zivilen Objekte bombardierten und „schon gar nicht Plätze, an denen wahrscheinlich gefangene Waffenbrüder festgehalten“ werden.

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In den ukrainischen Kriegsgebieten sind derweil nach Angaben örtlicher Behörden innerhalb von zwei Tagen mehr als ein Dutzend Zivilisten getötet und zahlreiche Menschen verletzt worden. Am Donnerstag seien acht Menschen getötet und 19 verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des ostukrainischen Gebiets Donezk, Pawlo Kyrylenko, am Freitag mit. Tote habe es bei russischem Beschuss der Orte Bachmut, Torezk, Orliwka, Hirnyk und Soledar gegeben. Am Freitag kamen demnach mindestens zwei Tote und sechs Verletzte in den Städten Slowjansk, Kramatorsk und Bachmut hinzu.

Zahlreiche Zivilisten getötet

In der östlichen Stadt Charkiw schlugen unterdessen nach Angaben der Gebietsverwaltung mehrere Raketen ein. Dabei seien zwei Menschen getötet und acht verletzt worden. In Mykolajiw, einer südlichen Hafenstadt, wurden Behördenangaben zufolge durch den Beschuss einer Bushaltestelle mindestens fünf Zivilisten getötet und weitere sieben Menschen verletzt. Auch in dem von russischen Truppen besetzten Teil des Donezker Gebiets seien Zivilisten unter Beschuss geraten. Örtliche Medien sprachen von einem Toten und mindestens 28 Verletzten. Die Angaben der Behörden zu den Opferzahlen ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine begann Ende Februar. Einer Zählung der Vereinten Nationen zufolge wurde seither mindestens 5200 Zivilisten getötet.

In Kiew hat ein Berufungsgericht das Strafmaß für einen russischen Kriegsverbrecher gesenkt. Die lebenslange Freiheitsstrafe wurde auf 15 Jahre reduziert, teilte das Gericht mit. Das komplette Urteil werde Anfang August veröffentlicht. Der 21-Jährige war im Mai nach einem Geständnis als erster russischer Kriegsverbrecher in der Ukraine verurteilt worden. Ende Februar hatte der Soldat einen 62-jährigen Zivilisten erschossen. Russland war kurz zuvor in die Ukraine einmarschiert. Der russische Angriffskrieg geht inzwischen in den sechsten Monat. dpa

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