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Südafrika - Gewalttätige Ausschreitungen stürzen das Land nach der Verhaftung von Ex-Präsident Zuma ins Chaos

Militäreinsatz im Kampf gegen Anarchie

Von 
Dpa
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Ein Polizist hält einen Mann fest, der in Johannesburg ein Geschäft geplündert hat. Wegen der Gewalteskalation in Südafrika kommen Soldaten zum Einsatz. © dpa

Durban. Brennende Blockaden, Schüsse, Chaos und machtlose Polizisten: In Südafrikas Wirtschaftszentrum rund um Johannesburg sowie in der östlichen KwaZulu-Natal-Provinz tobt seit Tagen die Gewalt. Es gibt Tote und Verletzte, brennende Einkaufszentren und blockierte Autobahnen und Fernstraßen. Sie bringen wichtige Logistikketten, aber auch Busse und Bahnen in Afrikas stärkster Wirtschaftsnation zum Stillstand. Die Gewaltbereitschaft schockiert. Am Montagabend erwähnte Präsident Cyril Ramaphosa in seiner Rede an die Nation insgesamt zehn Tote und vier verletzte Polizisten - bis zum Dienstagnachmittag lag die Zahl bereits bei über 40 Toten. „Anarchie“, titelte die Zeitung „The Citizen“.

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Plünderungen im TV zu sehen

Während Ramaphosas Rede an die Nation zeigte das TV im Laufband Live-Bilder aus einem Einkaufszentrum in Durban, in dem Menschen ungehindert mit Körben und anderen Behältern zum Plündern schlenderten. „Das sind nicht wir“, sagte ein ernst dreinblickender Präsident. Was als örtliche Proteste gegen die Inhaftierung von Ex-Präsident Jacob Zuma begann, hat sich längst verselbstständigt und eine neue Dynamik entfaltet. Es gab bisher rund 750 Festnahmen. Die geschätzten Schäden belaufen sich mittlerweile auf 1 Milliarde Rand (60 Millionen Euro), so Zikalala. Augenzeugen berichteten vor laufender Kamera über Menschen, die mit Mittelklassewagen vorfuhren und Kühlschränke, Betten, Kleider, Schuhe oder selbst Möbel wegschafften. Die Ordnungshüter mussten angesichts der krassen Überzahl machtlos zusehen oder vor Steinewerfern in Deckung gehen. Plünderer spielten Katz und Maus und kamen zurück, sobald die Polizisten weg waren.

Wichtige Verkehrsader in Gefahr

In den sozialen Medien organisierten sich – etwa in Durban – Nachbarschaftshilfen, um ein Überschwappen der Anarchie in die Wohngebiete zu verhindern. In der dortigen Provinz KwaZulu-Natal leben laut dem deutschen Konsulat knapp 5000 Deutsche und etwa die dreifache Anzahl an sogenannten „Springbock-Deutschen“ – deutschstämmigen Südafrikanern. „Unsere Community ist auf Standby – die brennen jetzt sogar Zuckerfarmen runter“, sagte Chris Schädle, der in dem Küstenort Salt Rock sein Restaurant „Siggi’s“ betreibt. In der Hafenstadt Durban liegt einen der wichtigsten Häfen des Kontinents – die Autobahn N3 ins Industriezentrum rund um Johannesburg ist daher eine der wichtigsten Verkehrsachsen des Landes. Nun ist sie angesichts der vielen abgefackelten Lastwagen auf unbestimmte Zeit geschlossen. Präsident Ramaphosa warnte davor, dass dadurch die Nahrungssicherheit wie auch die Impfkampagnen gegen Covid-19 nachhaltig gefährdet sind.

Der Präsident kämpft an mehreren Fronten: Einerseits muss er galoppierende Infektionszahlen bei der mittlerweile dritten Corona-Welle stoppen, andererseits seinen Afrikanischen Nationalkongress reformieren, der unter der Amtszeit seines Vorgängers Zuma zunehmend im Sumpf einer Klientel- und Günstlingsclique festsaß. Zumas Inhaftierung galt daher als Meilenstein für die junge Demokratie. Das Militär soll nun mit der Polizei die Sicherheit durchsetzen – was wiederum dem populistischen EFF-Politiker Julius Malema missfällt. Er kündigte für den Fall der Mobilisierung Proteste seiner Anhänger an. dpa

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