Krankenhäuser - Bundesregierung will reservierte Intensivplätze für Corona-Patienten halbieren /Jens Spahn hält an Lockerungen fest Mehr Betten für andere Schwerkranke

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dpa
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Berlin/Hannover. Wegen der eingedämmten Ausbreitung des Coronavirus sollen Krankenhäuser aus Sicht der Bundesregierung ab Mai wieder mehr freigehaltene Betten mit anderen Erkrankten belegen. Nach fast sechs Wochen Aufschub und Absagen könnten die Kliniken nun wieder planbare Operationen durchführen, heißt es in einem Konzept von Gesundheitsminister Jens Spahn.

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„Dies ist wichtig, da auch das Verschieben von dringlichen Eingriffen, etwa bei Tumoren, oder von planbaren Operationen, etwa zum Hüftersatz, für die betroffenen Patienten gesundheitliches und seelisches Leid nach sich ziehen.“ Eine ausschließliche Bevorzugung von Covid-19-Patienten lasse sich auf Dauer nicht rechtfertigen. Der CDU-Politiker Spahn hatte bereits Mitte April erklärt, es gelte, ab Mai schrittweise in eine „neue Normalität im Klinikbetrieb“ zu kommen. Dabei gehe es um eine „schwierige Balance“ zwischen der regulären Versorgung bei Notfällen und wichtigen Operationen sowie notwendigen freien Kapazitäten für Corona-Patienten. Laut Ministerium steht Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich grundsätzlich gut da mit seiner „sehr hohen“ Ausstattung von fast 34 Intensivbetten pro 100 000 Einwohner.

Auf Risiko hinweisen

Für Covid-19-Erkrankte sollen nach Spahns Vorschlag in der Startphase nun zunächst nur noch 25 statt bisher 50 Prozent der Intensivbetten reserviert werden. Die OP-Kapazitäten sollten in einem ersten Schritt zu 70 Prozent für planbare Operationen geöffnet werden. Allerdings ist die Ansteckungsrate mit dem Coronavirus nach Angaben des Robert Koch-Instituts aktuell wieder gestiegen.

Weiter wird in Spahns Konzept empfohlen, vor Aufnahme im Krankenhaus jeden Patienten auf das Virus zu testen und sie auch auf das mögliche Infektionsrisiko im Krankenhaus hinzuweisen. Zugleich sollen aber Erkrankte nicht abgeschreckt werden. „Es gibt Anzeichen, dass Patientinnen und Patienten in Corona-Zeiten Notfälle wie Herzinfarkte und Schlaganfälle aber auch Beschwerden aufgrund ihrer bestehenden chronischen Erkrankungen weniger zum Anlass nehmen, ärztliche Hilfe zu beanspruchen“, hieß es. Dies verschlechtere die Versorgung insgesamt.

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Im Kampf gegen die Pandemie hatten Bund und Länder die Kliniken Mitte März aufgefordert, alle planbaren OPs und Aufnahmen auszusetzen. Dies sollte vor allem in Intensivstationen vorsorglich freie Betten für eine erwartete große Zahl schwer kranker Corona-Patienten schaffen. Doch auf der anderen Seite bedeutete diese Prioritätensetzung eine Geduldsprobe für viele andere Patienten mit wichtigen Anliegen.

Die Kliniken sollen nun bis Mitte 2021 Kapazitäten für die Versorgung von Covid-19-Patienten vorhalten. Dies geht aus einem Zehn-Punkte-Plan der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) hervor, der der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ vorliegt. DKG-Präsident Gerald Gaß lobte das „beispiellose Engagement“ der Kliniken bei der Versorgung von Covid-19-Patienten und betonte: „Nun ist aber der Wiedereinstieg in die Regelversorgung dringend erforderlich.“ dpa

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