Impfstoffe - Ärzte und Politiker treten Skepsis gegenüber Vakzin entgegen / Lauterbach lässt sich Präparat verabreichen Mediziner werben für Astrazeneca

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dpa
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Berlin. In der Diskussion um die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca sind Ärzte und Immunologen bemüht, Zweifel an dem Vakzin zu zerstreuen. Der Impfstoff sei gut und wirksam, betonten der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, und der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte für den Impfstoff geworben, der in der Europäischen Union als bislang einziges Vakzin neben denen von Biontech/Pfizer und Moderna zugelassen ist.

Der SPD-Politiker Lauterbach wird sich mit Astrazeneca impfen lassen. © dpa
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Um den Impfstoff von Astrazeneca war eine Diskussion aufgekommen – auch nach einzelnen Rückmeldungen, dass Impfberechtigte Termine womöglich wegen Bedenken platzen ließen. Das Astrazeneca-Präparat hat eine geringere Wirksamkeit als die Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna – bezogen darauf, wie viele Geimpfte in Studien im Vergleich zu Nicht-Geimpften erkranken. Spahn sagte in Berlin, für alle drei Präparate gelte, dass ein sicherer und wirksamer zugelassener Impfstoff schütze. Mit Blick auf Astrazeneca betonte Spahn, er sei von den Zulassungsprozessen und Prüfungen überzeugt. „Und deswegen werde ich mich zu gegebener Zeit sicherlich auch damit impfen lassen“, fügte er hinzu.

Kritik an Kommunikation

Die Grünen warfen der Regierung im Zusammenhang mit dem Astrazeneca-Impfstoff „massive Kommunikationsversäumnisse“ vor. Es werde zu wenig erklärt, über die Wirksamkeit des Impfstoffes würden „Schauergeschichten“ erzählt. Dabei sei eine Wirksamkeit von 70 Prozent für Impfstoffe keine Seltenheit, sagte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche der „Welt“.

Der Linke-Gesundheitspolitiker Achim Kessler forderte in derselben Zeitung Freiheit bei der Wahl des Impfstoffs – vorausgesetzt, es sei genug Impfstoff für alle vorhanden. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hatte sich gegen das Spritzen des Astrazeneca-Vakzins bei medizinischem Personal ausgesprochen. Der Präsident der Bundesärztekammer, Reinhardt, rief seine Kolleginnen und Kollegen hingegen auf, sich mit diesem Vakzin impfen zu lassen. „Sie schützen damit sich selbst und andere“, sagte Reinhardt der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Der Astrazeneca-Impfstoff schütze wie die Vakzine von Biontech und Moderna „nachweislich vor Ansteckung, und es verringert das Risiko schwerer und tödlicher Verläufe“, betonte er.

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Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach arbeitet Ende kommender Woche als Impfarzt in einem Leverkusener Impfzentrum und bekommt den Impfstoff von Astrazeneca verabreicht. „Ich werde mich dort, wie alle Mitglieder des Impfzentrums, natürlich mit Astrazeneca impfen lassen“, sagte der Mediziner dem „Tagesspiegel“.

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