Umfrage - Zwei Drittel der Deutschen rechnen damit, dass es mit der Wirtschaft bergab geht / Vorsichtiger Kurs in der Krise belohnt Mannheimer Forschungsgruppe: Söder legt zu, Laschet verliert

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Alexander Jungert
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Mannheim. Nach bisherigen Plänen will Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) die Grenzen zu den meisten europäischen Nachbarländern bis mindestens 15. Juni geschlossen halten. Eine klare Mehrheit der Bürger wünscht sich allerdings, dass die Grenzen schon bald wieder vollständig geöffnet sind. Das geht aus dem jüngsten Politbarometer der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen hervor. Ist ein Urlaub möglich oder nicht? Die Corona-Pandemie beeinträchtigt die Urlaubspläne der meisten Deutschen. „Andererseits gehören offene Grenzen zur Europäischen Union einfach dazu“, erklärt Meinungsforscher Matthias Jung.

Deutliche Unterstützung

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Nach wie vor hat die große Koalition in der Bevölkerung eine hohe Unterstützung für ihren Kurs in der Corona-Krise. Zwei Drittel halten die staatlichen Maßnahmen für „gerade richtig“. 17 Prozent bewerten die Regeln demnach als übertrieben, und 15 Prozent sind der Ansicht, sie müssten härter ausfallen. 70 Prozent aller Befragten begrüßen, dass nach einer Einigung von Bund und Ländern nun die Landkreise und kreisfreien Städte dafür verantwortlich sind, bei höheren Infektionszahlen gegebenenfalls härte Maßnahmen zu ergreifen.

Auf deutliche Kritik stoßen aber vor allem zwei Dinge. Dass nach langer Zwangspause die Fußball-Bundesliga an diesem Wochenende wieder spielt, finden fast zwei Drittel falsch. Aus ihrer Sicht sollte die Liga besser vorzeitig abgebrochen werden. Erhebliche Defizite sehen die Deutschen auch bei Schulen. Nur 32 Prozent aller Befragten halten die Versorgung mit Unterricht für ausreichend. Für insgesamt 56 Prozent wird hier nicht genügend getan.

Wäre am Sonntag schon Bundestagswahl, blieben CDU/CSU trotz leichter Verluste mit Abstand stärkste Kraft. Die Grünen liegen wieder etwas deutlicher vor der SPD, die ein leichtes Minus verzeichnet. AfD und Linke würden etwas stärker, die FDP läge an der Fünf-Prozent-Hürde. Damit hätte die amtierende Regierung ebenso eine Mehrheit wie Schwarz-Grün.

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Dass die Union in der Corona-Krise stärker dasteht als die SPD, führt Wahlforscher Jung auf das Kanzler-Rennen zurück und darauf, „dass sich die Sozialdemokraten nachhaltig demontiert haben“. Mit Finanzminister Olaf Scholz haben sie nur eine glänzende Figur in den Reihen der Regierung. Vom Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans ist derzeit (fast) nichts zu sehen. Zudem wird nach Angaben von Jung hauptsächlich der CDU/CSU Wirtschaftskompetenz zugesprochen.

Große Sorge um Konjunktur

Diese Kompetenz gewinnt nun wieder an Bedeutung. Schließlich sind die wirtschaftlichen Schäden durch die Corona-Pandemie immens, staatliche Hilfen kosten Unsummen. Und die Steuerschätzer rechnen damit, dass in diesem Jahr 81,5 Milliarden Euro weniger Steuern eingenommen werden als im vergangenen Jahr.

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Zwar schätzen die meisten Bundesbürger ihre persönliche Wirtschaftslage als gut ein. Doch konkret auf die Corona-Krise angesprochen, beklagt jeder Zehnte starke finanzielle Verluste. Bei der konjunkturellen Entwicklung sieht die große Mehrheit schwarz: 78 Prozent rechnen damit, dass es mit der Wirtschaft hierzulande bergab geht – ein Rekordwert.

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schafft einen neuen persönlichen Bestwert in der Rangliste der zehn wichtigsten Politiker. Genau wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und etwa Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wird Söder weitaus besser bewertet als in den Monaten vor der Corona-Krise.

Herbe Verluste haben hingegen FDP-Chef Christian Lindner und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) erlitten. Söder wirke souveräner und habe ein besseres Gespür für die Stimmung in der Bevölkerung als Laschet, erklärt Jung.

Info: Mehr unter: morgenweb.de/politbarometer

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Redaktion Alexander Jungert, 1980 in Bruchsal geboren, hat beim "Mannheimer Morgen" volontiert und ist seit 2010 Wirtschaftsredakteur. Während des Studiums arbeitete er unter anderem für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und den "Tagesspiegel" in Berlin. Schreibt am liebsten darüber, was regionale Unternehmen und deren Mitarbeiter umtreibt.

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