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Frankreich - Politischer Schwebezustand nach der Wahl

Macron lässt es ruhig angehen

Von 
Birgit Holzer
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Paris. Es werde eine „nüchterne Zeremonie“ ohne zusätzlichen Pomp, die nur das „protokollarische Minimum“ vorsieht, so hieß es vorab über die Amtseinführung von Emmanuel Macron am Samstag. Diesem Protokoll entsprechend erhält der frisch gewählte Staatschef die Insignien des Großkreuzes der Ehrenlegion, Frankreichs höchsten Verdienstorden. Das Kammerorchester der Republikanischen Garde spielt einen feierlichen Marsch, bevor der Präsident des Verfassungsrates die Wahlergebnisse nochmals offiziell verkündet, nach denen Macron bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen vor zwei Wochen mit 58,5 Prozent gegen Marine Le Pen gesiegt hat.

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Emmanuel Macron bei einem Treffen mit Klimaexperten. © St. De Sakutin/AFP/AP/dpa

Im Anschluss erklingt die Marseillaise, es gibt eine Antrittsrede vor den geladenen Gästen und der Präsident, der in Frankreich auch Armeechef ist, besucht die Truppen im Palast-Garten. Am Invalidendom zwei Kilometer entfernt werden 21 Kanonenschüsse abgefeuert – die Tradition stammt noch aus dem Ancien Régime, der Zeit vor der Französischen Revolution.

All das mag immer noch reichlich pompös wirken, doch anders als bei seiner Wahl vor fünf Jahren verzichtet Macron auf eine triumphale Fahrt über die Pariser Prachtstraße Champs-Élysées – so hielten es auch seine Vorgänger François Mitterrand und Jacques Chiracbei ihrer Wiederwahl in den Jahren 1988 und 2002. Am Triumphbogen oberhalb der Champs-Élysées wird Macron am Sonntag zum Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs die ewige Flamme am Grabmahl des unbekannten Soldaten entzünden.

Aus seinem Umfeld verlautete, dass es ihm wichtig war, dass die Amtseinführung vor dem 9. Mai stattfindet. Denn ab Montag, wenn Russland den Sieg über Nazi-Deutschland feiert, wird eine massive Ausweitung der Angriffe auf die Ukraine befürchtet. Am Montagabend fliegt Macron zu seinem ersten Auslandsbesuch dieser Amtszeit nach Berlin zu einem Abendessen mit Bundeskanzler Olaf Scholz.

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Seit der Wahl befindet sich Frankreich in einer Art politischem Schwebezustand. Die bisherige Regierung ist voraussichtlich noch bis 13. Mai im Amt. Medienberichten zufolge lehnte Premierminister Jean Castex es ab, die Geschäfte sogar bis zur zweiten Runde der Parlamentswahlen am 19. Juni weiter zu führen. Sollten Macrons Partei La République en Marche und deren Verbündete dann ihre Mehrheit in der Nationalversammlung verlieren, würde eine der Oppositionsparteien den neuen Regierungschef stellen. So wird das Kabinett, das Macron bis dahin einsetzt, nur vorläufig im Amt sein.

Trotzdem gibt es längst Spekulationen darüber, wen Macron zum neuen Premierminister machen könnte – oder zur Premierministerin. Viele Stimmen fordern, dass es erstmals seit 1991, als Édith Cresson das Amt elf Monate lang ausübte, wieder eine Frau werden soll. Im Gespräch sind die bisherige Arbeitsministerin Élisabeth Borne oder auch die konservative Präsidentin der Region Pays de la Loire, Christelle Morançais. 

Korrespondent

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