Corona - Experten warnen vor Konsequenzen / Schließungen führen zu Leistungsverlusten / Kinder aus bildungsfernen Schichten leiden sehr unter fehlenden Kontakten Lockdown gefährdet Bildungschancen

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dpa
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Vor allem die Grundschüler leiden besonders darunter, wenn sie zu Hause statt im Klassenzimmer lernen müssen. © dpa

Berlin. Die seit nun fast acht Wochen dauernden Schulschließungen des zweiten Corona-Lockdowns – einschließlich der Weihnachtsferien – könnten für viele Schüler nach Ansicht von Experten weitreichende negative Folgen haben. Die Schließungen führten nicht nur zu Leistungsverlusten, sondern gerade für Kinder „aus bildungsfernen Schichten“ sei Schule oft einer der wichtigsten sozialen und emotionalen Bezugspunkte, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher der Deutschen Presse-Agentur. „Genau da liegen die entscheidenden Risiken des zweiten Lockdowns.“ Für diese Schüler und kleine Kinder, für die digitales Lernen keine Alternative sei, wüchsen die Risiken „überproportional zur Länge des Lockdowns“.

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Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, sprach von einer Schülergruppe, die sowohl im letzten Schuljahr schlecht per Distanzlernen erreicht worden sei und jetzt wieder neue Defizite anhäufe. „Die können praktisch den Anschluss im nächsten Schuljahr nicht mehr schaffen.“ Bei den betroffenen Schülern wachse die Gefahr, keinen Schulabschluss oder zumindest den angestrebten Abschluss nicht mehr zu erreichen. „Das bedeutet massiv verschlechterte Zukunftschancen.“

Am Mittwoch wollen Bund und Länder über das weitere Vorgehen nach dem zunächst bis Ende dieser Woche befristeten Lockdown beraten. Führende Politiker auf Bundes- und Landesebene hatten unter Verweis auf Bildungsverluste, Belastungen für Eltern und andere Folgen wiederholt gesagt, dass Kitas und Schulen bei Lockerungen Priorität hätten. Seit Mitte Dezember haben die meisten Kinder und Jugendlichen ihre Schule oder Kita nicht mehr von innen gesehen.

Schleicher verwies auf andere Länder: Viele Staaten hätten auch bei schwieriger Infektionslage der Öffnung von Kindergarten und Grundschulen absolute Priorität eingeräumt. „Das heißt, diese Bildungseinrichtungen blieben offen, auch wenn es sonst vielfache Einschränkungen des öffentlichen Lebens gab.“ Mit Blick auf das weitere Vorgehen an den Schulen in Deutschland forderte der OECD-Experte, dass kleine Kinder und Kinder mit Benachteiligung beim Präsenzunterricht Vorrang haben müssten.

„Zusatzjahr eine Option“

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Meidinger sprach sich dafür aus, nach der ersten Phase von Schulöffnungen Leistungsstanderhebungen zumindest in den Kernfächern in allen Jahrgangsstufen durchzuführen, und dann Konzepte für den Umgang mit Lernrückständen zu erarbeiten. „Für einen Teil der Kinder und Jugendlichen wäre ein Zusatzjahr mit Sicherheit die beste Option.“ Der Lehrerverband hatte schon mehrfach ein solches freiwilliges Zusatzjahr vorgeschlagen, das nicht als Sitzenbleiben gewertet wird. dpa