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Niederlande - Festivals und Partys ohne Maske / Zwei Wochen lang war fast alles möglich – bis die Infektionszahlen explodierten

Leichtfertige Corona-Politik rächt sich

Von 
Annette Birschel
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Mark Rutte, Ministerpräsident der Niederlande, muss zurückrudern. © dpa

Den Haag. Statt grünes Licht für einen unbeschwerten Sommer und Urlaub ohne Quarantäne stehen in den Niederlanden erneut alle Signale auf rot. Die Infektionszahlen stiegen zu stark. Bei einer Sondersitzung des Parlaments am Mittwoch in Den Haag verurteilten Abgeordnete die bisherige Politik der Regierung als verantwortungslos.

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Ministerpräsident Mark Rutte und sein Gesundheitsminister Hugo de Jonge hätten viel zu schnell die Maßnahmen am 26. Juni aufgehoben, klagten Abgeordnete, und Warnungen von Experten in den Wind geschlagen. Zwei Wochen später wurde die Notbremse gezogen, einige Lockerungen wurden wieder rückgängig gemacht. Premier Rutte entschuldigte sich und sprach von einem „Einschätzungsfehler“.

Vor allem die großstädtischen Regionen sind von der neuen Infektionswelle betroffen. Am Mittwoch waren rund 10 500 Neuinfektionen in 24 Stunden gemeldet worden, so viele waren es zuletzt zu Weihnachten. Die 7-Tage-Inzidenz liegt nun bei über 300. Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Wert bei 7,1. Das Institut für Gesundheit und Umwelt RIVM geht davon aus, dass die besonders ansteckende Deltavariante bereits für 60 bis 65 Prozent der Infektionen verantwortlich ist.

Mehr als 40 Prozent voll geimpft

Auch die Patientenzahlen in Krankenhäusern steigen langsam. Zwar infizieren sich nun noch vorwiegend Jüngere, die vergleichsweise selten schwer an Covid erkranken. Doch die Experten beim RIVM befürchten, dass auch Ältere, die noch nicht oder nur teilweise geimpft sind, angesteckt werden. Positiv ist, dass bereits mehr als 40 Prozent der Einwohner vollständig geimpft sind, fast 70 Prozent haben zumindest eine Dosis erhalten.

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Die Sorge ist groß, dass die Niederlande erneut zum Hochrisikogebiet in Europa erklärt werden und damit für viele Niederländer der Urlaub ins Wasser fällt. Zum 26. Juni hatten die Niederlande trotz erheblicher Warnungen gerade mit Blick auf die Deltavariante die meisten Maßnahmen aufgehoben. Im Prinzip galten nur noch der 1,5 Meter Sicherheitsabstand und die Maskenpflicht in Bus und Bahn. Für viele Niederländer war die Botschaft: Das war’s mit Corona. Das bekräftigte dann auch noch Justizminister Ferd Grapperhaus, als er vor laufenden TV-Kameras auf die Melodie eines Kinderliedes trällerte: „Mundmaske, wo gehst du hin (...) in den Müll.“ Gesundheitsminister Hugo de Jonge wollte mit dem lockeren Spruch „Tanzen mit Janssen“ Jugendliche ermuntern, sich schnell impfen zu lassen. Vom Impfstoff des Herstellers Janssen (Johnson & Johnson) ist nur eine Dosis nötig. Jugendliche konnten sich zum Beispiel morgens impfen lassen und abends bereits tanzen gehen. Doch der Impfschutz wird erst nach zwei Wochen erreicht.

Auch Festivals waren wieder möglich. Es geschah, was viele Experten vorhergesagt hatten: Die Infektionszahlen explodierten. In den letzten sieben Tagen wurden rund 51 000 Infektionen registriert, 500 Prozent mehr als in der Vorwoche. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene bis 29 Jahre infizieren sich. Besucher beim Open-Air-Festival „Verknipt“ (Durchgeknallt) mit etwa 20 000 Menschen mussten zwar nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet waren. Doch inzwischen weiß man, dass das Testsystem nicht wasserdicht war. Nachweise konnten leicht gefälscht werden. Zugang war auch mit einem 40 Stunden alten Test erlaubt, mit dem großen Risiko einer Infektion in der Zwischenzeit. 

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