Landtagswahl Landtagswahl: Grüne im Südwesten vor CDU

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afs
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Mannheim. Für das Politbarometer-Extra Baden-Württemberg hat die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen vom 01.02. bis 04.02.2021 in Baden-Württemberg 1.032 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte telefonisch befragt.

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Projektion Baden-Württemberg

Gut fünf Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg liegen die Grünen sichtbar vor der CDU. Erst mit großem Abstand folgen AfD, SPD und FDP. Wäre bereits an diesem Sonntag Landtagswahl, kämen die Grünen zu 2016 nochmals etwas verbessert auf 34%, die CDU könnte nach dieser Projektion – also unter Berücksichtigung von Parteibindungen, taktischen Überlegungen und strukturellen Faktoren – mit 28% rechnen. Die AfD würde 11% erreichen, die SPD 10% und die FDP 9%. Die Linke würde mit 3% erneut an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und alle anderen Parteien zusammen lägen bei 5%. Reichen würde es demnach für ein Bündnis aus Grünen und CDU, aus Grünen, SPD und FDP sowie – wenn auch nur knapp – aus CDU, SPD und FDP. 

Bei der letzten Landtagswahl in Baden-Württemberg vor fünf Jahren hatten die Grünen mit 30,3% die CDU mit 27,0% in deren ehemaliger Hochburg als stärkste Partei abgelöst. Die AfD kam damals auf 15,1%, die SPD auf 12,7%, die FDP auf 8,3%, die Linke auf 2,9% und alle anderen Parteien zusammen auf 3,7%.  

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Interesse und Unsicherheitsfaktoren

Wir gewohnt liefert diese Projektion ein aktuelles Stimmungsbild und ist wegen der Fehlerbereiche von Umfragen, des verbleibenden Zeitfensters und weiterer, auch Corona-bedingter Unsicherheitsfaktoren keine Ergebnisprognose. Zwar interessieren sich bereits jetzt mit 65% viele Befragte stark oder sehr stark für die anstehende Landtagswahl, gleichzeitig wissen mit 58% aber auch viele Befragte momentan noch nicht, ob bzw. wen sie wählen werden. Neben der grundsätzlich hohen Volatilität unter den Wahlberechtigten sind hierbei auch spezifische Beteiligungsmentalitäten bei der ersten Landtagswahl in der Corona-Pandemie zu beachten: Zahlreiche Wahlberechtigte werden ihre Entscheidung, ob, wie oder wen sie am 14. März wählen werden, wohl auch abhängig vom weiteren Verlauf der Krise und vom aktuellen Infektionsgeschehen treffen.  

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Landes- und Bundespolitik

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Für eine Mehrheit der Wahlberechtigten steht bei der Landtagswahl die Landespolitik im Vordergrund: 59% der potenziellen Wähler/innen ist bei ihrer Entscheidung für eine Partei die Landespolitik wichtiger, 36% begründen ihre Parteipräferenz primär mit bundespolitischen Motiven, darunter mit 66% weit überdurchschnittlich viele AfD-Anhänger/innen.

Koalitionen in Baden-Württemberg

Beim Thema Koalitionen setzen die Baden-Württemberger/innen auf Kontinuität: Auf die vorgabenfreie Frage, welche Parteien nach der Wahl die Regierung bilden sollen, nennen 34% aller Befragten Grüne und CDU. 13% hätten am liebsten eine grün-rote, 8% eine schwarz-gelbe und 8% eine schwarz-rote Koalition, 15% nennen diverse sonstige Konstellationen und 22% können keine Wunschkoalition benennen. 

Bei der konkreten Bewertung denkbarer Koalitionsmodelle erfährt eine grün-schwarze Regierung unter Führung der Grünen (gut: 44%; egal: 21%; schlecht: 32%) etwas mehr Zuspruch als Schwarz-Grün unter CDU-Führung (gut: 39%; egal: 21%; schlecht: 37%). Während im CDU-Anhängerlager die Meinungen zu einer grün-schwarzen Neuauflage weit auseinander gehen, lehnt das Gros der Grünen-Anhänger/innen ein CDU-geführtes schwarz-grünes Bündnis ab. Gegenüber Drei-Parteien-Bündnissen gibt es unter allen Befragten viel Distanz: Sowohl eine Koalition aus CDU, SPD und FDP (gut: 30%; egal: 19%; schlecht: 48%) als auch eine Koalition aus Grünen, SPD und FDP (gut: 26%; egal: 19%; schlecht: 51%) wird von den Befragten mehrheitlich abgelehnt. 

Zufriedenheit mit Regierung und Opposition in Baden-Württemberg

Für die amtierende Landesregierung gibt es in Baden-Württemberg erneut sehr gute Noten: Auf der +5/-5-Skala (sehr zufrieden bis sehr unzufrieden) wird das grün-schwarze Kabinett mit durchschnittlich 1,6 eingestuft – und damit ähnlich gut wie die grün-rote Vorgängerregierung und deutlich besser als die meisten anderen Regierungen in den Ländern vor den jeweils letzten Landtagswahlen. Im Detail gibt es leistungsbezogen nur geringe Unterschiede: Die Arbeit der Grünen wird mit 1,2 und die der CDU mit 1,0 bewertet. Die Opposition im Stuttgarter Landtag wird schwach bis extrem kritisch gesehen: Die SPD kommt auf 0,1, die FDP auf -0,2 und die AfD auf -3,5.

Image von Spitzenkandidaten

Beim Image liegen zwischen den Spitzenkandidaten von Grünen und CDU fast schon Welten: Winfried Kretschmann erreicht auf der +5/-5-Skala den auch im Ministerpräsident/innen-Vergleich seltenen Ausnahmewert 2,5. Grund ist einmal mehr die lagerübergreifende Wertschätzung des grünen Ministerpräsidenten, der neben der grünen Wählerschaft vor allem auch die CDU- oder SPD-Anhänger/innen überzeugt. Ganz anders Susanne Eisenmann: Mit durchschnittlich -0,3 und bescheidenen Werten sogar im eigenen Lager liegt die CDU-Spitzenkandidatin insgesamt leicht im Negativbereich – ein selbst für Herausforderer bei Landtagswahlen ungewöhnliches Phänomen.

Gewünschte/r Ministerpräsident/in

In der Frage nach dem bzw. der gewünschten Ministerpräsident/in wird die CDU-Herausforderin vom grünen Amtsinhaber in aller Deutlichkeit deklassiert: Als Regierungschef in Baden-Württemberg wünschen sich 70% aller Befragten Winfried Kretschmann und lediglich 13% Susanne Eisenmann. 9% wollen explizit „keine/n von beiden“ und 8% legen sich nicht fest. Während Kretschmann in dieser Sache 96% der eigenen Anhänger/innen hinter sich hat, favorisieren im CDU-Lager gerade einmal 22% Eisenmann. 65% der CDU-Anhänger/innen möchten entgegen ihrer Parteipräferenz lieber Kretschmann an der Regierungsspitze, den außerdem auch klare bzw. sichtbare Mehrheiten der SPD-, FDP- und AfD-Anhänger/innen in diesem Amt bevorzugen.

Themen in Baden-Württemberg

Das Top-Thema heißt natürlich auch in Baden-Württemberg Corona und die Folgen der Krise: Gefragt nach den beiden wichtigsten Problemen im Land, entfallen 68% der Nennungen auf diesen Bereich. Die weiteren sichtbaren Problembereiche heißen in Baden-Württemberg Umwelt/Klimawandel (16%), Bildung und Schule (15%), Digitalisierung/Infrastruktur/Defizite im ländlichen Raum (10%) sowie Wirtschaftslage (9%).  

Parteikompetenzen

Bei den Parteikompetenzen setzen die meisten Befragten beim Top-Thema Corona auf die Politik der Grünen. Wirtschaftspolitisch wird der CDU am meisten zugetraut und im Bildungsbereich liegen Grüne und CDU nahe beieinander, wobei in diesem Politikfeld auch die ansonsten sehr blasse SPD etwas häufiger als kompetenteste Partei genannt wird.     

Die Parteikompetenzen im Detail:

Corona: Grüne: 29%, CDU 22%, AfD 4%, SPD 5%, FDP 5%, Linke 1%, keine Partei/weiß nicht: 34%.

Schule/Bildung: Grüne: 19%, CDU 22%, AfD 2%, SPD 13%, FDP 5%, Linke 2%, keine Partei/weiß nicht: 37%.

Wirtschaft: Grüne: 18%, CDU 34%, AfD 2%, SPD 5%, FDP 5%, Linke 1%, keine Partei/weiß nicht: 35%.

 

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